Ein massives Betrugsnetzwerk mit dem Namen DoppelCart betreibt über 119.000 Domains, die als gefälschte Online-Shops fungieren und gezielt Kreditkartendaten von Verbrauchern abgreifen. Die Cybersecurity-Startup Nebty entdeckte die Infrastruktur und beschreibt sie als den größten öffentlich dokumentierten Fakeshop-Cluster – gemessen an der Domainanzahl weit vor dem bisherigen Rekordhalter BogusBazaar mit 75.000 Seiten. Allein im .SHOP-Top-Level-Domain macht das Netzwerk 2,72 Prozent aller registrierten Adressen aus.
Das Ausmaß des DoppelCart-Netzwerks
Nebtys jüngste Scans zeigen, dass mehr als 105.000 der DoppelCart-Shops nach wie vor aktiv sind. 96 Prozent aller bestätigten Shops teilen identische Build-Dateien und laufen auf lediglich 27 verschiedenen Commerce-Backends. Die Betreiber kopieren Produktkataloge, Beschreibungen, Markenauftritte und Bilder von legitimen Händlern – teilweise laden sie die Assets direkt von den Servern der echten Unternehmen. Insgesamt imitieren die Fakeshops 44.182 verschiedene Marken, bei den meisten gibt es durchschnittlich zwei Nachbildungen. Besonders häufig betroffen sind SodaStream, Velasca, CurrentBody, Daniel Wellington, Dreame, Horze, MOVA und SPARK PAWS, für jede dieser Marken existieren über 30 gefälschte Shops.
Wie die Fakeshops Kunden in die Falle locken
Um preisbewusste Käufer anzulocken, bewerben die betrügerischen Seiten enorme Rabatte – in vielen Fällen bis zu 65 Prozent. Die Produktseiten sind täuschend echt gestaltet, sodass selbst geübte Nutzer den Unterschied oft nicht erkennen. Erst beim Bezahlvorgang zeigt sich die kriminelle Absicht: Der Checkout-Code enthält Skripte, die sensible Zahlungsinformationen abfangen und in Echtzeit an die Kommando- und Kontrollserver (C2) des Netzwerks übermitteln.
Welche Daten gestohlen werden
Die ausgelesenen Datenfelder umfassen Kartennummern, Ablaufdaten, Sicherheitscodes, Karteninhabernamen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie vollständige physische Adressen. Jeder Feld wird per WebSocket übertragen, sodass die Angreifer die Informationen sofort nutzen können. Darüber hinaus kann der Schadcode auch den einmaligen Bestätigungscode abfangen, den die Bank des Opfers zur Authentifizierung versendet – ein Schritt, der häufig dazu dient, Sicherheitsmechanismen wie 3-D Secure zu umgehen.
Die Methodik hinter dem Datendiebstahl
Nebty analysierte mehrere Checkout-Seiten innerhalb des DoppelCart-Clusters und stellte fest, dass die Schadsoftware auf den gleichen Build-Dateien basiert. Die Übertragung der Daten erfolgt nahezu verzögerungsfrei, sodass die Betrüger innerhalb weniger Sekunden über die kompletten Zahlungsinformationen verfügen. Besonders perfide: Einige der Fakeshops geben die legitime Support-Adresse der imitierten Marke an. Kunden, die ihre bestellte Ware nicht erhalten, wenden sich dann an den echten Händler – was zu massiven Reputationsschäden und zusätzlichem Aufwand für die betroffenen Unternehmen führt.
Reaktionen und Schutzmaßnahmen
Nebty versuchte, den Haupt-Hosting-Provider der DoppelCart-Seiten zu kontaktieren, erhielt jedoch keine Antwort. Das Unternehmen hat daraufhin eine durchsuchbare Datenbank veröffentlicht, die es Markeninhabern ermöglicht, Identitätsdiebstahl durch DoppelCart zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Für Verbraucher gilt: Misstrauen Sie ungewöhnlich hohen Rabatten, prüfen Sie die Domain genau, und verwenden Sie nach Möglichkeit sichere Zahlungsmethoden wie virtuelle Kreditkarten oder Drittanbieter-Dienste, die keine direkte Weitergabe der Kartendaten erfordern.
Solche großflächigen Betrugsnetzwerke zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche Überwachung des eigenen Markenauftritts im Internet ist. Unternehmen müssen proaktiv nach Fakeshops suchen, um sowohl ihre Kunden als auch ihren Ruf zu schützen. Die zunehmende Professionalisierung derartiger Angriffe, erkennbar an der einheitlichen Infrastruktur und der hohen Zahl an Domains, macht deutlich, dass klassische Präventionsmaßnahmen allein nicht ausreichen – integrierte Sicherheitslösungen und schnelle Reaktionsmechanismen werden zur zentralen Herausforderung im digitalen Einzelhandel.