KI-Hersteller werden beim Datensammeln immer skrupelloser

KI-Konzerne ignorieren zunehmend robots.txt und durchsuchen Git-Projekte ohne Erlaubnis – ein Vertrauensbruch mit Folgen.

Der Artikel zeigt, wie KI-Unternehmen skrupellos Daten sammeln und dabei rechtliche und ethische Grenzen überschreiten.
Highlights
  • KI-Coding-Agenten durchsuchen beim Start ungefragt das gesamte Git-Projekt des Entwicklers.
  • KI-Firmen kaufen tonnenweise alte Bücher auf, scannen sie und entsorgen sie anschließend.
  • Doctolib nutzt aufgezeichnete Arztgespräche für KI-Training, ohne Patienten direkt zu fragen.

Während sich die KI-Konzerne in der Öffentlichkeit einen Wettstreit um die skrupellosesten Modelle liefern, tobt im Verborgenen ein ganz anderer Krieg: der um die letzten verwertbaren Daten dieser Welt. Die Methoden, die dabei zum Einsatz kommen, sind von einer Rücksichtslosigkeit, die an den medial ausgeschlachteten Überfall auf Hugging Face erinnert – nur dass diesmal niemand mehr wegsieht.

Die totale Daten-Gier kennt keine Grenzen

Vieles erinnert an das Gedränge an einem kalten Buffet, nur dass die Gierigen hier nicht Halt machen, wenn die Platten leer sind. Sie reißen dem Kellner die Lachsplatten aus der Hand, stürmen die Küche, um das Gefrierfach zu plündern, und streiten sich im Keller um die Paletten mit Portionsmilch. Bei der Jagd nach den letzten verfügbaren Datenbeständen kennen die KI-Krieger buchstäblich keine Schranken. Im Internet ignorieren die Server der Datensammler zunehmend die Anweisungen der robots.txt-Datei, mit der Betreiber klar definieren, welche Bereiche ein Crawler nicht durchsuchen darf. Dieses „Nein“ zu übergehen, ist ein fundamentaler Vertrauensbruch – es ist, als würde man sich Zutritt zu einer Privatküche verschaffen, während der Eigentümer vor der Tür steht und „Halt“ ruft.

Coding-Agenten als trojanische Pferde

Der neueste Fall dieser Daten-Gier betrifft KI-gestützte Coding-Agenten. Diese Helfer durchsuchen beim Start ungefragt das gesamte Git-Projekt des Entwicklers, um sofort alle Daten zu erfassen. Dabei schleppen sie nicht selten einen Trojaner mit ein. Ein faireres Vorgehen wäre es, wenn der Agent vorher fragt: „Guten Morgen, soll ich mir ansehen, was sich in Ihrem Projekt über Nacht getan hat?“ Die Antwort wäre dann sinnvollerweise: „Gern, aber bleiben Sie schön in Ihrer Sandbox!“ Man will den Drachen ja nicht gleich in der Früh aus dem Käfig lassen. Dieses eigenmächtige Vorgehen untergräbt das Vertrauen in die Assistenzsysteme und gefährdet die Sicherheit der gesamten Entwicklungsumgebung.

Der Raubbau am kulturellen Erbe

Die Methoden der Datensammler sind nicht nur digital, sondern auch physisch. KI-Firmen kaufen tonnenweise alte Bücher auf, verschiffen sie über Ozeane, um sie einzuscannen und anschließend zu entsorgen. Viele dieser Werke sind vielleicht nicht mehr wert, als auf dem Müll der Geschichte zu verenden. Doch was, wenn dabei die letzte Erstausgabe von Erasmus von Rotterdams „Klage des Friedens“ vernichtet wird? Dieser Raubbau ist rücksichtslos – gegenüber der Klimakrise durch unnötige Transporte und gegenüber dem Wissen der Menschheit, das in diesen Büchern schlummert. Die Frage ist nicht, ob man Bücher scannen darf, sondern ob man sie dafür physisch zerstören muss.

Hinzu kommt die urheberrechtliche Dimension. Bücher enthalten Ideen und Figuren, die jemand geschaffen hat. Wenn eine KI plötzlich niedliche Neinhörner im Stil der bekannten Kinderbuchillustratorin Astrid Henn produziert, dann hat sie eine kreative Leistung schlichtweg kopiert. Das LLM sollte bitte einen eigenen Stil entwickeln – oder, wenn es das nicht kann, auf Nachahmungen verzichten. Nein, sagt das Neinhorn, und das ist auch gut so.

KI lauscht beim Arztgespräch

Kaum etwas ist rechtlich so gut geschützt wie das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Doch auch dieser Raum wird nicht verschont. Der Terminbuchungsdienst Doctolib möchte laut Berichten Inhalte von aufgezeichneten Arztgesprächen für das KI-Training nutzen. Das Unternehmen holt sich zwar formal eine Zustimmung, jedoch über die App in einem völlig anderen Kontext. Fairer wäre es, wenn der Arzt die Patienten in der Praxis direkt fragt: „Bevor Sie mir sagen, was Ihnen fehlt – möchten Sie, dass Doctolib unser Gespräch für sein KI-Training verwendet?“ Die Antwort wäre vermutlich in den meisten Fällen: „Nee, danke.“ Dieses Vorgehen ist ein weiteres Beispiel für die systematische Aushöhlung von Datenschutzprinzipien.

Das Ziel: Weltherrschaft, nicht nur das Buffet

Warum diese skrupellose Gier? Es geht nicht um das Buffet, sondern um das gesamte Hotel. Einige der treibenden Figuren – vom Schlage eines Elon Musk oder Peter Thiel – haben nicht weniger als die Kontrolle über die nächste Stufe der Zivilisation im Sinn. Um diese Weltherrschaft noch zu Lebzeiten zu erleben, können sie nicht lange fackeln. Sie reißen alles an sich, was das Daten-Buffet noch hergibt. Schade nur, dass es in dieser Welt keinen Hotelmanager gibt, der diese Kindsköpfe aus der Küche wirft und wieder anstellt an der Kaffeemaschine.

Für den Schutz seines eigenen Datenfrühstücks muss jeder selbst sorgen. Alles, was mit einem Kabel mit dem Internet verbunden ist, gehört derzeit potenziell den Crawlern der großen KI-Modelle. Von einem KI-Agenten in der Entwicklungsumgebung muss man wissen, dass er nicht nur als Werkzeug dient, sondern auch vor einem Zugriff auf den eigenen Rechner nicht zurückschreckt. Die Zukunft der Datensouveränität wird nicht von den Konzernen kommen – sondern von der Wachsamkeit jedes Einzelnen.

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