{"id":39729,"date":"2026-05-28T01:16:46","date_gmt":"2026-05-27T23:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/windows-11-update-startmenue-und-rechtsklick-bis-zu-70-prozent-schneller\/"},"modified":"2026-05-28T01:18:31","modified_gmt":"2026-05-27T23:18:31","slug":"windows-11-update-low-latency-profile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/windows-11-update-low-latency-profile\/","title":{"rendered":"Windows 11 Update: Startmen\u00fc und Rechtsklick bis zu 70 Prozent schneller"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Gef\u00fchl, das jeder Windows-11-Nutzer kennt: Man klickt auf das Startmen\u00fc oder \u00f6ffnet das Kontextmen\u00fc mit der rechten Maustaste, und f\u00fcr einen winzigen Augenblick scheint das System zu \u00fcberlegen \u2013 ein kurzes Stocken, eine minimale Verz\u00f6gerung, die im Alltag aber st\u00e4ndig pr\u00e4sent ist. Mit dem optionalen Update <a href=\"https:\/\/blogs.windows.com\/windows-insider\/2024\/05\/26\/announcing-windows-11-insider-preview-build-26200-8524\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">KB5089573<\/a>, das Microsoft am 26. Mai ausgeliefert hat, will der Konzern diesem Problem nun an der Wurzel begegnen. Das Besondere daran ist nicht allein die versprochene Beschleunigung von bis zu 70 Prozent bei zentralen Bedienelementen, sondern die Technik dahinter: eine Funktion mit dem internen Codenamen \u201e<strong>Low Latency Profile<\/strong>\u201c, die das Systemverhalten grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h2>Was das Low Latency Profile genau bewirkt<\/h2>\n<p>Das Update KB5089573 \u2013 erh\u00e4ltlich f\u00fcr die Builds 26200.8524 und 26100.8524 \u2013 zielt auf die sogenannten Core Shell Experiences ab. Dazu geh\u00f6ren das Startmen\u00fc, die Suche, das Action Center (Info-Center) und die Kontextmen\u00fcs, also all jene Oberfl\u00e4chenelemente, die f\u00fcr die allt\u00e4gliche Bedienung essenziell sind. Microsofts offizielles Changelog spricht explizit von einer Beschleunigung dieser Elemente. Die Crux: Es handelt sich zun\u00e4chst um eine Optimierung der betriebssystemeigenen UI-Komponenten. Die Beschleunigung von Drittanbieter-Applikationen ist f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Update vorgesehen und wird nicht mit diesem Paket ausgeliefert.<\/p>\n<h2>Das Prinzip \u201eRace to Sleep\u201c: Wie die Beschleunigung funktioniert<\/h2>\n<p>Der Kern des Low Latency Profiles ist eine Methode, die in der Branche als \u201e<strong>Race to Sleep<\/strong>\u201c bekannt ist. Die Idee ist ebenso einfach wie effektiv: In dem Moment, in dem ein Nutzer eine UI-Interaktion durchf\u00fchrt \u2013 etwa einen Klick auf das Startmen\u00fc \u2013 wird der CPU-Takt f\u00fcr eine Dauer von ein bis drei Sekunden auf das Maximum hochgefahren. Diese kurzzeitige Spitze erlaubt es dem System, die anstehenden Render-Aufgaben f\u00fcr die grafische Oberfl\u00e4che schlagartig abzuarbeiten. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, f\u00e4llt die CPU sofort wieder in einen energiesparenden Leerlauf zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf den ersten <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/marathon-season-2-horrorspiel-trailer\/\" title=\"Marathon Season 2 enth\u00fcllt ersten cineastischen Blick als Horrorspiel\" data-iacss-internal=\"1\">Blick<\/a> mag dieses Vorgehen wie eine Verschwendung von Rechenleistung wirken. Doch der Vergleich mit einer konventionellen Verarbeitung zeigt den Vorteil: Eine CPU, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum auf einem niedrigen Taktniveau arbeitet, verbraucht in der Summe oft mehr Energie als eine CPU, die kurzzeitig auf Hochtouren l\u00e4uft und dann umgehend in den Tiefschlaf f\u00e4llt. Dieses Prinzip der \u201ekurzen, intensiven Arbeitsspitze\u201c ist kein Neuland. Sowohl macOS als auch Linux und die Betriebssysteme moderner Smartphones setzen seit Jahren auf genau diese Taktik. Bei jedem Antippen des Bildschirms wird ein Kern aktiviert, der Takt steigt, der Frame wird gerendert, und innerhalb von Millisekunden kehrt das System in den Ruhezustand zur\u00fcck. Dass <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/windows-11-update-kb5089573\/\" title=\"Windows 11 Update bringt Leistungsplus und Bluetooth-Shared-Audio\" data-iacss-internal=\"1\">Windows 11<\/a> diesen Ansatz bislang nicht explizit verfolgt hat, mag in der R\u00fcckschau durchaus verwundern.<\/p>\n<p>Die folgende vereinfachte Darstellung veranschaulicht den Unterschied zwischen einem klassischen, l\u00e4nger andauernden Prozess bei niedrigem Takt und der \u201eRace to Sleep\u201c-Methode mit kurzer, aber maximaler Auslastung:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ohne Low Latency Profile:<\/strong> Die CPU arbeitet das UI-Rendering \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit niedrigem Takt ab. Das System bleibt l\u00e4nger im aktiven Zustand und verbraucht dabei insgesamt mehr Energie.<\/li>\n<li><strong>Mit Low Latency Profile:<\/strong> Die CPU wird f\u00fcr 1\u20133 Sekunden auf Maximaltakt gebracht, erledigt die Arbeit sofort und kehrt dann umgehend in den energieeffizienten Leerlauf (Idle) zur\u00fcck. Die Gesamtleistungsaufnahme ist oft geringer, die Reaktionszeit ist deutlich besser.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Warum die Kritik? Microsofts Antwort auf den Vorwurf der \u201eKr\u00fccke\u201c<\/h2>\n<p>Als Details zum Low Latency Profile erstmals die Runde machten, war die Skepsis in Teilen der Community gro\u00df. Der Vorwurf: Microsoft kaschiere mit roher CPU-Power lediglich eine schlecht optimierte und aufgebl\u00e4hte Codebasis. Man werfe dem System einfach mehr Takt entgegen, anstatt die eigentlichen, tr\u00e4gen Prozesse zu reparieren.<\/p>\n<p>Diese Kritik konterte Scott Hanselman, Vice President und Technical Staff bei Microsoft und in der Entwicklerszene eine respektierte Stimme. Hanselman argumentierte sachlich, dass der \u201eRace to Sleep\u201c-Ansatz ein Industriestandard sei und kein Zeichen von Nachl\u00e4ssigkeit. Er wies darauf hin, dass Smartphones, macOS und Android im Prinzip seit Jahren nichts anderes tun. Sein Kernargument: \u201eDu hast gerade Dynamic Frequency Scaling entdeckt.\u201c<\/p>\n<p>Die Verstimmung der Nutzer ist dennoch nachvollziehbar. Sie speist sich aus dem \u00fcber die Jahre gewachsenen Gef\u00fchl, dass Windows 11 zu schwerf\u00e4llig sei: Ein aufgebl\u00e4hter Dienst-Hintergrund, teils aufgedr\u00e4ngte KI-Funktionen und eine auf Web-Technologien basierende UI-Basis haben das Vertrauen vieler Anwender strapaziert. In diesem Kontext wird ein CPU-Boost schnell als \u201eKr\u00fccke\u201c fehlinterpretiert. Technisch gesehen ist die Kritik jedoch nicht haltbar. Der kurze Taktsprung ist eine fundamentale Technik zur Optimierung des Zusammenspiels von <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/amd-ryzen-ai-5-435g-apu-leistung-ryzen-5-8600g\/\" title=\"AMD Ryzen AI 5 435G APU zeigt \u00e4hnliche Leistung wie Ryzen 5 8600G\" data-iacss-internal=\"1\">Leistung<\/a> und Effizienz \u2013 kein Zeichen von Inkompetenz.<\/p>\n<h2>Wann ist das Update wirksam? Und warum nicht sofort?<\/h2>\n<p>Nutzer, die KB5089573 installieren, sollten nicht erwarten, dass das Low Latency Profile sofort auf jedem Rechner aktiv ist. Microsoft setzt hier auf CFR (<strong>Controlled Feature Rollout<\/strong>). Das bedeutet, der Code f\u00fcr die Funktion ist im Update enthalten, aber die Aktivierung erfolgt schrittweise und server-seitig gesteuert. Microsoft kann so die Stabilit\u00e4t in der Praxis \u00fcberwachen und das Feature bei Problemen zur\u00fcckziehen, bevor es alle Nutzer erreicht. Der breite und offizielle Rollout wird mit dem monatlichen Sicherheitsupdate im Juni erwartet. Wer nicht warten m\u00f6chte, kann die Funktion mit dem Tool \u201e<strong><a href=\"https:\/\/github.com\/thebookisclosed\/ViVe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">ViveTool<\/a><\/strong>\u201c manuell aktivieren.<\/p>\n<h2>Wie Sie die Funktion jetzt schon selbst aktivieren k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>Der manuelle Eingriff ist f\u00fcr technisch versierte Anwender einfach und sicher. Zun\u00e4chst sollte in den Einstellungen unter \u201eSystem\u201c \u2192 \u201eInfo\u201c \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Build-Nummer 26200.8524 oder 26100.8524 oder h\u00f6her ist. Dann gehen Sie wie folgt vor:<\/p>\n<ol>\n<li>Laden Sie die aktuelle Version von ViveTool vom offiziellen GitHub-Repository herunter und entpacken Sie die Dateien in einen eigenen Ordner.<\/li>\n<li>Starten Sie die Eingabeaufforderung (cmd) als Administrator.<\/li>\n<li>Wechseln Sie in das Verzeichnis, in das Sie ViveTool entpackt haben, und f\u00fchren Sie den Befehl <code>vivetool \/enable \/id:58989092<\/code>codecodecodecodecode aus.<\/li>\n<li>Starten Sie den Computer neu.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zum Deaktivieren ersetzen Sie einfach <code>\/enable<\/code>codecodecodecodecode durch <code>\/disable<\/code>codecodecodecodecode im selben Befehl. Es gibt keine speziellen Hardware-Voraussetzungen, aber die subjektive Wahrnehmung der Beschleunigung f\u00e4llt auf g\u00fcnstigeren PCs mit schw\u00e4cherer CPU tendenziell deutlicher aus.<\/p>\n<h2>Der gr\u00f6\u00dfere Zusammenhang: Das K2-Projekt und die Zukunft von Windows 11<\/h2>\n<p>Das Low Latency Profile ist kein isolierter Schnellschuss. Es ist ein Bestandteil des internen Microsoft-Projekts \u201e<strong>K2<\/strong>\u201c. Dieses Projekt hat das ambitionierte Ziel, die Performance und Zuverl\u00e4ssigkeit von Windows 11 grundlegend zu reformieren. Konkret bedeutet dies, dass Kernkomponenten wie das Startmen\u00fc oder der Explorer von einer auf Web-Technologien basierenden Basis auf das native UI-Framework WinUI 3 umgestellt werden.<\/p>\n<p>Man kann dies als eine Zweiteilung der Strategie betrachten: Das Low Latency Profile ist die kurzfristige, akute Medizin, die das System sofort reaktionsschneller macht, indem es die CPU-Power gezielt einsetzt. Die WinUI-3-Migration hingegen ist die grundlegende Therapie, die die Ursache der Tr\u00e4gheit \u2013 die ineffiziente Codebasis \u2013 an der Wurzel packt. Erst wenn beide Ma\u00dfnahmen vollst\u00e4ndig greifen, wird Windows 11 die von macOS oder modernen Smartphones gewohnte Geschmeidigkeit erreichen. Dass Microsoft nach jahrelanger Kritik diesen Weg konsequent geht, ist zu begr\u00fc\u00dfen. Der Weg dorthin ist jedoch von dem Konzern selbst gepflastert worden: Die Entscheidung, das Startmen\u00fc auf einer Web-Basis zu bauen, traf Microsoft. Dass es diese Entscheidung nun m\u00fchsam wieder r\u00fcckg\u00e4ngig macht, ist die logische Konsequenz einer verfehlten Architektur. Mit dem Juni-Update jedoch wird zumindest der erste wichtige Schritt f\u00fcr Milliarden von Nutzern sp\u00fcrbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Gef\u00fchl, das jeder Windows-11-Nutzer kennt: Man klickt auf das Startmen\u00fc oder \u00f6ffnet das Kontextmen\u00fc mit der rechten Maustaste, und f\u00fcr einen winzigen Augenblick scheint das System zu \u00fcberlegen \u2013 ein kurzes Stocken, eine minimale Verz\u00f6gerung, die im Alltag aber st\u00e4ndig pr\u00e4sent ist. Mit dem optionalen Update KB5089573, das Microsoft am 26. 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