{"id":39848,"date":"2026-05-29T04:14:42","date_gmt":"2026-05-29T02:14:42","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/cnn-verklagt-perplexity-wegen-massiver-urheberrechtsverletzung\/"},"modified":"2026-05-29T04:27:34","modified_gmt":"2026-05-29T02:27:34","slug":"cnn-verklagt-perplexity-wegen-urheberrechtsverletzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/cnn-verklagt-perplexity-wegen-urheberrechtsverletzung\/","title":{"rendered":"CNN verklagt Perplexity wegen massiver Urheberrechtsverletzung"},"content":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN hat am 28. <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/roblox-the-company-alpha-codes-mai-2026\/\" title=\"Roblox The Company: Aktive Alpha-Codes f\u00fcr Mai 2026\" data-iacss-internal=\"1\">Mai 2026<\/a> beim Bundesbezirksgericht f\u00fcr den s\u00fcdlichen Bezirk von New York eine Urheberrechtsklage gegen die KI-Suchmaschine <a href=\"https:\/\/www.perplexity.ai\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Perplexity<\/a> eingereicht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, mehr als 17.000 Inhalte \u2013 darunter Artikel, Fotos und Videos \u2013 ohne Erlaubnis kopiert und f\u00fcr eigene KI-Produkte genutzt zu haben. Es ist die erste Klage eines gro\u00dfen Fernsehnetzwerks gegen einen KI-Konzern und markiert eine neue Eskalationsstufe im Kampf zwischen Medienh\u00e4usern und K\u00fcnstlicher Intelligenz. Der Fall zeigt, wie tief der Riss zwischen den Verlagen und der Technologiebranche inzwischen ist.<\/p>\n<h2>Die gescheiterten Lizenzverhandlungen als Ausl\u00f6ser<\/h2>\n<p>Der Klage vorausgegangen waren gescheiterte Gespr\u00e4che \u00fcber einen Content-Lizenzvertrag. CNN zufolge hatte Perplexity bereits 2025 Verhandlungen aufgenommen, doch die Parteien konnten sich \u00fcber die Nutzungsbedingungen nicht einigen. In der Klageschrift hei\u00dft es, Perplexity sei sich sowohl vor als auch nach den Verhandlungen bewusst gewesen, keine Berechtigung zu besitzen, auf die CNN-Inhalte zuzugreifen und die Marke des Senders zu verwenden. \u201eNachdem die Verhandlungen gescheitert waren, wusste Perplexity, dass es kein Recht hatte, auf unsere Inhalte zuzugreifen und unsere Marke zu nutzen\u201c, zitierte CNN in der Klageschrift. Die Position des Senders ist kompromisslos: Ein Unternehmen mit einem Marktwert von mehreren zehn <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/nvidia-data-center-rekordumsatz\/\" title=\"NVIDIA Data Center erzielt Rekordumsatz von 75,2 Milliarden Dollar\" data-iacss-internal=\"1\">Milliarden Dollar<\/a> k\u00f6nne nicht einfach bei den Produzenten origin\u00e4rer Inhalte stehlen. Wer kommerziell von fremden Inhalten profitiere, m\u00fcsse zahlen \u2013 wenn nicht \u00fcber einen Lizenzvertrag, dann \u00fcber Schadensersatz vor Gericht.<\/p>\n<p>Die Gegenseite sieht das naturgem\u00e4\u00df anders. Jesse Dwyer, Chief Communications Officer von Perplexity, konterte kurz und knapp: \u201eAuf Tatsachen gibt es kein Urheberrecht.\u201c Diese Aussage ist juristisch nicht ganz falsch \u2013 Tatsachen als solche sind tats\u00e4chlich nicht urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Der Streit dreht sich jedoch nicht um nackte Fakten, sondern um die Art und Weise, wie Perplexity diese Fakten aufbereitet und pr\u00e4sentiert. Die Medienh\u00e4user argumentieren, dass Perplexity nicht Fakten recycelt, sondern die journalistische Leistung \u2013 die Recherche, die Pr\u00fcfung, die sprachliche Aufbereitung \u2013 in G\u00e4nze \u00fcbernehme.<\/p>\n<h2>Eine weltweite Klagewelle rollt auf Perplexity zu<\/h2>\n<p>Die Klage des Fernsehsenders ist kein Einzelfall, sondern Teil einer globalen Offensive gegen das KI-Unternehmen. Eine chronologische \u00dcbersicht zeigt, wie sich die Fronten in den vergangenen Monaten verh\u00e4rtet haben.<\/p>\n<p>Den Anfang machten im Oktober 2024 die Dow Jones &amp; Company (Herausgeber des Wall Street Journal) und die New York Post. Im September 2025 zogen die Encyclopaedia Britannica und der Merriam-Webster nach. Es folgten die New York Times und der Chicago Tribune im Dezember 2025. Im Oktober 2025 reichte auch Reddit Klage ein, wegen unerlaubten Datenscrapings. Und nun CNN \u2013 als erster Fernsehkonzern \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland und Europa wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt, denn die Rechtslage ist \u00e4hnlich. Besonders brisant ist der Fall der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun. Sie verklagte Perplexity im August 2025 vor dem Bezirksgericht Tokio auf Schadensersatz in H\u00f6he von rund 21,68 Milliarden Yen (etwa 130 Millionen Euro) \u2013 wegen der unerlaubten Nutzung von rund 119.000 Artikeln. Es war die erste Klage einer japanischen Medienorganisation gegen ein KI-Unternehmen. Die Zeitungen Asahi Shimbun und Nikkei schlossen sich sp\u00e4ter an.<\/p>\n<h2>Die Branche spaltet sich in zwei Lager<\/h2>\n<p>Allerdings gehen nicht alle Medienh\u00e4user den Konfrontationskurs. Eine Reihe von Verlagen hat Lizenzvertr\u00e4ge mit Perplexity abgeschlossen: TIME, die USA Today Co. (mit \u00fcber 200 Lokalzeitungen), Le Monde, der Spiegel, die Los Angeles Times und The Independent. Perplexity hatte im August 2025 ein Publisher-Programm aufgelegt, das Werbeeinnahmen aus den KI-Antworten mit den Inhalteanbietern teilt \u2013 <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/nuuvem-rabatt-sega-spiele\/\" title=\"Nuuvem: Bis zu 80 Prozent Rabatt auf SEGA-Spiele\" data-iacss-internal=\"1\">bis zu 80 Prozent<\/a> der Abonnementerl\u00f6se sollen an die Publisher flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch CNN selbst ist nicht pauschal gegen KI. In einer Stellungnahme betonte der Sender, man stehe KI-generierten Chancen grunds\u00e4tzlich offen gegen\u00fcber. Man habe mehrere Partnerschaften geschlossen, darunter einen Lizenzvertrag mit Meta im Dezember 2025. Die Haltung des Senders ist keine prinzipielle Ablehnung der Technologie, sondern eine Frage der Verg\u00fctung: Wer zahlt, darf nutzen \u2013 wer nicht zahlt, nicht.<\/p>\n<p>Diese Haltung f\u00fchrt zu einer zunehmenden Polarisierung der Medienbranche. Auf der einen Seite stehen die \u201eZahler\u201c \u2013 Verlage, die Lizenzvertr\u00e4ge abschlie\u00dfen und damit den KI-Zugang legalisieren. Auf der anderen Seite die \u201eKl\u00e4ger\u201c \u2013 H\u00e4user, die den Rechtsweg w\u00e4hlen, weil sie die angebotenen Konditionen f\u00fcr unzureichend halten oder grunds\u00e4tzliche Fragen zum Schutz geistigen Eigentums kl\u00e4ren wollen.<\/p>\n<h2>Was bedeutet \u201eAuf Tatsachen gibt es kein Urheberrecht\u201c wirklich?<\/h2>\n<p>Die Aussage von Perplexity-Mann Dwyer ist rechtlich differenziert zu betrachten. Tatsachen an sich sind tats\u00e4chlich nicht urheberrechtlich gesch\u00fctzt \u2013 das ist in den meisten Rechtsordnungen der Welt Konsens. Wohl aber die Darstellung und Aufbereitung dieser Tatsachen. Ein investigativer Artikel, eine Fotoreportage, eine Videodokumentation \u2013 all das sind sch\u00f6pferische Leistungen, die sehr wohl urheberrechtlichen Schutz genie\u00dfen. Der Vorwurf der Medienh\u00e4user lautet denn auch nicht, dass Perplexity Fakten wiedergebe, sondern dass das Unternehmen die journalistischen Erzeugnisse in G\u00e4nze scrapy, in seine KI-Modelle einspeise und als eigene Antworten ausgebe \u2013 ohne Lizenz, ohne Verg\u00fctung, ohne Link auf die Originalquelle. Mehrere Klageschriften, darunter die der New York Times, belegen laut eigener Aussage F\u00e4lle, in denen Perplexity-Antworten teilweise wortgleich mit den Originalartikeln waren. Besonders pikant ist der Vorwurf, Perplexity habe sich mit dem Slogan \u201eskip the links\u201c selbst als Alternative zu den Originalquellen positioniert \u2013 ein direkter Angriff auf das Gesch\u00e4ftsmodell der Verlage.<\/p>\n<h2>Die neue Dimension der CNN-Klage<\/h2>\n<p>Der Einstieg von CNN in den Rechtsstreit verschiebt die Gewichte. Bislang waren es vor allem Printmedien, die gegen Perplexity vorgingen. Mit CNN betritt nun ein Fernsehnetzwerk die B\u00fchne \u2013 und damit ein ganz anderes Format. Die Klage umfasst nicht nur Textinhalte, sondern auch Fotografien und Videos. Die Frage, ob KI-Unternehmen ohne Lizenz auch bewegte Bilder aus Fernseharchiven nutzen d\u00fcrfen, ist rechtliches Neuland. Die Klage des Senders k\u00f6nnte damit wegweisend f\u00fcr die gesamte Fernsehbranche werden.<\/p>\n<p>Perplexity ist l\u00e4ngst kein Startup mehr. Das Unternehmen wird auf 20 bis 22,6 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt, hat insgesamt rund 1,72 Milliarden Dollar eingesammelt und erzielte im M\u00e4rz 2026 einen annualisierten Umsatz von \u00fcber 450 Millionen Dollar. Das Gesch\u00e4ftsmodell basiert im Kern darauf, fremde Inhalte per KI zu kondensieren und als Antworten auszuspielen \u2013 ohne die Produzenten angemessen zu beteiligen. Dass die Verlage weltweit nun reihenweise klagen, ist die logische Konsequenz.<\/p>\n<p>Perplexity steht nun vor zwei denkbaren Wegen: Entweder das Unternehmen schlie\u00dft mit allen Medienh\u00e4usern Lizenzvertr\u00e4ge \u2013 eine kostspielige und komplexe Aufgabe \u2013 oder es k\u00e4mpft die Rechtsfrage vor Gericht aus. Der erste Weg ist teuer, der zweite juristisch riskant. Die Branche beobachtet gespannt, wohin die Reise geht. Sicher ist nur: Mit der CNN-Klage hat die Auseinandersetzung eine neue Dimension erreicht. Die Verlage haben erkannt, dass sie nur gemeinsam stark sind \u2013 und dass die Zeit des kostenlosen KI-Zugriffs auf journalistische Inhalte zu Ende geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN hat am 28. Mai 2026 beim Bundesbezirksgericht f\u00fcr den s\u00fcdlichen Bezirk von New York eine Urheberrechtsklage gegen die KI-Suchmaschine Perplexity eingereicht. 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