{"id":40016,"date":"2026-05-30T20:34:46","date_gmt":"2026-05-30T18:34:46","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/nikon-greift-asml-mit-guenstigeren-arf-lithografieanlagen-an\/"},"modified":"2026-05-30T20:35:53","modified_gmt":"2026-05-30T18:35:53","slug":"nikon-greift-asml-mit-guenstigeren-arf-lithografieanlagen-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/nikon-greift-asml-mit-guenstigeren-arf-lithografieanlagen-an\/","title":{"rendered":"Nikon greift ASML mit g\u00fcnstigeren ArF-Lithografieanlagen an"},"content":{"rendered":"<p>Nikon, der einstige Pionier der Halbleiter-Fotolithografie, schickt sich an, den unangefochtenen Marktf\u00fchrer ASML mit einer Strategie herauszufordern, die in der Hightech-Branche lange als antiquiert galt: dem Preiswettbewerb. Der neue Nikon-Pr\u00e4sident Yasuhiro \u014cmura k\u00fcndigte gegen\u00fcber der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei an, ArF-Immersionslithografieanlagen signifikant g\u00fcnstiger anzubieten als der niederl\u00e4ndische Marktbeherrscher ASML. \u201eWir fertigen viele Komponenten selbst und haben daher einen Kostenvorteil\u201c, so der promovierte Optikingenieur, der die Entwicklung von Belichtungsanlagen ma\u00dfgeblich vorangetrieben hat. F\u00fcr die Branche ist dies eine bemerkenswerte Kehrtwende eines Herstellers, der im Wettlauf um die Nanometer-Grenze lange als abgeschlagen galt.<\/p>\n<h2>Ein Verlust von 860 Milliarden Yen als Startrampe<\/h2>\n<p>Um die Tragweite dieser Ank\u00fcndigung zu verstehen, muss man die prek\u00e4re Lage Nikons n\u00fcchtern betrachten. F\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2025\/2026 wies der Konzern einen Nettoverlust von <strong>860 Milliarden Yen<\/strong> (rund 5,3 Milliarden <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/mina-the-hollower-preis-19-99-euro\/\" title=\"Mina the Hollower erscheint wie Silksong zum Kampfpreis von 19,99 Euro\" data-iacss-internal=\"1\">Euro<\/a>) aus \u2013 der h\u00f6chste Fehlbetrag in der Unternehmensgeschichte. Haupttreiber war eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Abschreibung von 906 Milliarden Yen auf die 2023 \u00fcbernommene deutsche Metall-3D-Drucker-Tochter SLM Solutions. Doch die Misere sitzt tiefer. Der Verkauf von Halbleiter-Belichtungsanlagen, einst Nikons Kerngesch\u00e4ft, ist eingebrochen. Wurden im Gesch\u00e4ftsjahr 2023\/2024 noch elf ArF-Immersionsanlagen ausgeliefert, lag die St\u00fcckzahl in den ersten drei Quartalen des Folgejahres bei <strong>exakt null<\/strong>. \u014cmura, der im April 2025 das Amt \u00fcbernahm, beschrieb die Lage in seiner Antrittspressekonferenz als \u201e\u00e4u\u00dferst schwierig\u201c \u2013 und benannte die Halbleiterlithografie als oberste Investitionspriorit\u00e4t.<\/p>\n<h2>Die unangefochtene Dominanz von ASML<\/h2>\n<p>Der Markt f\u00fcr Lithografieanlagen ist ein Monopol im Wortsinn: ASML kontrolliert \u00fcber <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/nuuvem-rabatt-sega-spiele\/\" title=\"Nuuvem: Bis zu 80 Prozent Rabatt auf SEGA-Spiele\" data-iacss-internal=\"1\">80 Prozent<\/a> des gesamten Marktes, bei ArF-Immersionsanlagen sogar mehr als 90 Prozent. Bei EUV-Belichtern (extremes Ultraviolett) liegt die Quote bei 100 Prozent. 2025 lieferte ASML 48 EUV- und 131 ArF-Immersions-DUV-Anlagen aus, der Umsatz erreichte 32,7 Milliarden Euro (etwa 6 Billionen Yen). Der Auftragsbestand belief sich auf 38,8 Milliarden Euro. Die Zahlenverh\u00e4ltnisse sind erdr\u00fcckend. Dennoch: Selbst bei 3-Nanometer-Chips, dem derzeitigen Hochtechnologie-Standard, werden die meisten Strukturen nicht mit EUV, sondern mit ArF-Immersions-Verfahren belichtet. EUV kommt nur f\u00fcr die feinsten Schichten zum Einsatz; Dutzende andere Ebenen verlangen nach DUV. Und f\u00fcr diese Volumenmarkt kann ASML pro Anlage umgerechnet \u00fcber <strong>13 Milliarden Yen<\/strong> (rund 80 Millionen Euro) verlangen. Ein hoher <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/gta-6-preis-80-dollar-aaa-standard\/\" title=\"Grand Theft Auto 6 startet mit einem Preis von $80\" data-iacss-internal=\"1\">Preis<\/a>, der Platz f\u00fcr eine g\u00fcnstigere Alternative l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>Die neue Waffe: Kostenvorteil durch Eigenfertigung<\/h2>\n<p>Nikons Kalk\u00fcl beruht auf einem fundamentalen Unterschied in der Fertigungsphilosophie. ASML, das aus einer Kooperation der niederl\u00e4ndischen Philips und der deutschen Zeiss hervorging, setzt auf ein globales Zuliefernetzwerk. Deutsche Optiken von Zeiss, US-amerikanische Laser von Cymer (2013 \u00fcbernommen) und japanische Komponenten \u2013 diese arbeitsteilige \u201eOpen Innovation\u201c war die Grundlage f\u00fcr ASMLs explosives Wachstum. Sie macht die Lieferkette aber auch komplex und kostspielig.<\/p>\n<p>Nikon hingegen fertigt zentrale Komponenten wie die optischen Linsen selbst. Was in der Vergangenheit als \u201eSelbstbau-Mentalit\u00e4t\u201c bel\u00e4chelt wurde und ma\u00dfgeblich zu Nikons R\u00fcckstand beitrug, wird nun zum Preiskampf-Vorteil umgem\u00fcnzt. \u201eIn der Kostenkonkurrenz sind wir \u00fcberlegen\u201c, sagt \u014cmura. Durch die vertikale Integration entfallen Margenaufschl\u00e4ge externer Zulieferer, und die Prozesskette l\u00e4sst sich straffer steuern.<\/p>\n<h2>Das Kompatibilit\u00e4ts-Paradoxon: Die Maske muss passen<\/h2>\n<p>Doch der g\u00fcnstigere Preis allein wird Kunden nicht zur\u00fcckholen. Die entscheidende Barriere war bislang die fehlende Kompatibilit\u00e4t der Systeme. Das grundlegende Problem ist optischer Natur: Nikons Linsendesign f\u00fchrte dazu, dass eine f\u00fcr ASML-Maschinen optimierte Fotomaske (die Schablone mit dem Schaltkreis-Muster) auf Nikon-Anlagen ein <strong>seitenverkehrtes<\/strong> Abbild erzeugte. Ein Wechsel zu Nikon zwang Kunden, einen separaten Maskensatz anzufertigen \u2013 ein enormer Kosten- und Zeitfaktor.<\/p>\n<p>Mit dem f\u00fcr 2028 geplanten Prototyp der n\u00e4chsten ArF-Immersionsanlage <strong>S6xx<\/strong> (numerische Apertur von 1,35) will Nikon diesen Flaschenhals beseitigen. Die Anlage wird laut Unternehmensangaben volle Maskenkompatibilit\u00e4t mit ASML-Modellen bieten und zudem so kompakt konstruiert, dass sie in denselben maschinenbaulichen Footprint passt. Das Ziel ist klar: die Umstellungskosten f\u00fcr den Kunden drastisch zu senken und das Wechselrisiko zu minimieren.<\/p>\n<h2>Eine taktische Nische oder ein neuer Wettbewerb?<\/h2>\n<p>Die kritische Frage bleibt: Sind Preis und Kompatibilit\u00e4t stark genug, um Kunden von einem \u00d6kosystem zu l\u00f6sen, das \u00fcber Jahre gewachsen ist? Nikons ArF-Immersionsgesch\u00e4ft war historisch stark von einem einzigen Gro\u00dfkunden abh\u00e4ngig: <a href=\"https:\/\/www.intel.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Intel<\/a>. Zwischenzeitlich machte der US-Chipriese rund 80 Prozent der Auftr\u00e4ge aus. Als Intels hauseigene Fertigung in die Krise geriet und die Investitionen drastisch k\u00fcrzte, brach Nikons Auftragsbasis weg. ASML hingegen festigte seine Stellung durch langj\u00e4hrige Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften und das technologisch f\u00fchrende Dual-Stage-System.<\/p>\n<p>Halbleiterfertigungsanlagen sind keine Konsumg\u00fcter. Der Kauf ist der Einstieg in eine jahrzehntelange Beziehung aus Prozessentwicklung, Wartung, Software-Updates und Upgrade-Pfaden. Diese \u201eKlebrigkeit\u201c des ASML-\u00d6kosystems darf nicht untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Allerdings kommt Nikon ein struktureller Trend zur Hilfe. Durch den KI-Boom ist die Nachfrage nach Lithografieanlagen exorbitant gestiegen. ASMLs Auftragsberg von fast 39 Milliarden Euro zeigt: Die Hersteller warten oft Jahre auf neue Maschinen. In dieser Situation w\u00e4chst der Wunsch, das Risiko einer Monokultur zu streuen. \u014cmura gibt an, bereits mit mehreren gro\u00dfen US-amerikanischen und asiatischen Halbleiterherstellern in fortgeschrittenen Gespr\u00e4chen \u00fcber Neuauftr\u00e4ge zu stehen \u2013 \u201enahe an der Bestellung\u201c.<\/p>\n<h2>Das letzte Duopol und der Ausblick auf 2028<\/h2>\n<p>Es ist eine markt\u00f6konomische Besonderheit: Im Bereich ArF-Immersionslithografie konkurrieren weltweit nur noch zwei Unternehmen \u2013 ASML und Nikon. Canon hat sich mit Nanofprint-Lithografie und ArF-Trockensystemen auf eine separate Route begeben. Nikon ist damit der <strong>einzige verf\u00fcgbare Zweitlieferant<\/strong> f\u00fcr ASMLs Kerntechnologie.<\/p>\n<p>Seit Nikon die Entwicklung von EUV-Anlagen vor \u00fcber einem Jahrzehnt faktisch aufgegeben hat, ist klar, dass ein Wettbewerb auf der H\u00f6he der Nanometergrenze nicht mehr m\u00f6glich ist. Das Unternehmen selbst wei\u00df dies am besten. Die neue Strategie ist daher die konsequente Entscheidung f\u00fcr eine \u201egewinnbare Arena\u201c: ein reifer Technologiemarkt, in dem nicht die extremste Aufl\u00f6sung, sondern der beste Preis-Leistungs-Kompromiss z\u00e4hlt. Der Prototyp S6xx im Jahr 2028 wird der erste Beweis sein, ob diese Rechnung aufgeht oder ob die ASML-Dominanz auch preislich unangreifbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nikon, der einstige Pionier der Halbleiter-Fotolithografie, schickt sich an, den unangefochtenen Marktf\u00fchrer ASML mit einer Strategie herauszufordern, die in der Hightech-Branche lange als antiquiert galt: dem Preiswettbewerb. 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