{"id":40350,"date":"2026-06-03T04:57:27","date_gmt":"2026-06-03T02:57:27","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/eu-parlament-ersetzt-google-durch-qwant-als-standardsuche\/"},"modified":"2026-06-03T05:09:31","modified_gmt":"2026-06-03T03:09:31","slug":"eu-parlament-ersetzt-google-qwant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/eu-parlament-ersetzt-google-qwant\/","title":{"rendered":"EU-Parlament ersetzt Google durch Qwant als Standardsuche"},"content":{"rendered":"<p>Das Europ\u00e4ische Parlament stellt seine digitale Infrastruktur auf den Kopf: Ab dem 4. <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/state-of-play-juni-2026-ps5-wolverine\/\" title=\"State of Play im Juni 2026 enth\u00fcllt neue PS5-Spiele und Wolverine\" data-iacss-internal=\"1\">Juni 2026<\/a> wird die Standardsuche auf den dienstlichen Rechnern von Firefox und Edge nicht mehr von Google, sondern von der franz\u00f6sischen Suchmaschine <a href=\"https:\/\/www.qwant.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Qwant<\/a> durchgef\u00fchrt. Die \u00c4nderung betrifft Tausende von Abgeordneten und Mitarbeitern \u2013 und ist weit mehr als ein schlichter Austausch des Suchanbieters.<\/p>\n<h2>Warum das EU-Parlament Google durch Qwant ersetzt<\/h2>\n<p>Die Entscheidung f\u00e4llt in eine Zeit wachsender Skepsis gegen\u00fcber US-amerikanischen Technologiekonzernen. In einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter des Parlaments wird die Umstellung mit dem \u201eBekenntnis zur digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t und zum Schutz personenbezogener Daten der Nutzer\u201c begr\u00fcndet. Qwant, 2013 in Paris gegr\u00fcndet, verfolgt ein datenschutzfreundliches Modell: Die Suchmaschine protokolliert keine Suchverl\u00e4ufe, trackt keine Nutzer und verkauft keine pers\u00f6nlichen Daten an Werbekunden. Die Server stehen in Frankreich und unterliegen damit der DSGVO. Zwar k\u00f6nnen Parlamentarier und Angestellte weiterhin manuell zu Google wechseln, doch der Standard ist nun auf Qwant gesetzt \u2013 ein starkes politisches Signal.<\/p>\n<p>Bereits 2018 hatte die franz\u00f6sische Verwaltung ihre Standard-Suchmaschine auf Qwant umgestellt. Das EU-Parlament folgt nun diesem Beispiel und reiht sich in eine Bewegung ein, die in Br\u00fcssel und Stra\u00dfburg immer mehr an Fahrt gewinnt.<\/p>\n<h2>Das \u201eTech-Souver\u00e4nit\u00e4tspaket\u201c als \u00fcbergeordneter Rahmen<\/h2>\n<p>Der Zeitpunkt der Umstellung ist kein Zufall. Am 3. Juni 2026, einen Tag vor der Qwant-Einf\u00fchrung, ver\u00f6ffentlicht die EU-Kommission ihr lang erwartetes \u201eTech-Souver\u00e4nit\u00e4tspaket\u201c. Es umfasst drei zentrale Gesetzesvorhaben: den <strong>Cloud and AI Development Act<\/strong>, der f\u00fcr Cloud-Dienste vier Souver\u00e4nit\u00e4tsstufen vorsieht und \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge an die Vertraulichkeit der Daten kn\u00fcpft; den <strong>\u00fcberarbeiteten Chips Act 2.0<\/strong>, der der Kommission in Krisenzeiten das Recht einr\u00e4umt, \u00fcber bestehende Liefervertr\u00e4ge hinaus Priorit\u00e4tsbestellungen anzuordnen; sowie die <strong>erstmalige rechtliche Definition digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t<\/strong> auf EU-Ebene.<\/p>\n<p>Hintergrund ist eine alarmierende Abh\u00e4ngigkeit: \u00dcber 80 Prozent digitaler Produkte, Dienste, Infrastrukturen und geistigen Eigentums in der EU stammen aus Nicht-EU-Staaten \u2013 vor allem aus den USA und China. Das Paket zielt darauf ab, diese strukturelle Abh\u00e4ngigkeit Schritt f\u00fcr Schritt zu reduzieren. Die Qwant-Entscheidung des Parlaments ist der erste konkrete Umsetzungsschritt dieser neuen Strategie.<\/p>\n<h2>Der Vorgeschichte: Abgeordnete fordern Boykott von US-Software<\/h2>\n<p>Die Umstellung ist das Ergebnis monatelanger Initiative aus den Reihen des Parlaments. Bereits im November 2025 forderten 38 Abgeordnete aller Fraktionen in einem Brief an Parlamentspr\u00e4sidentin Roberta Metsola den schrittweisen Austausch von Microsoft-Software und US-Hardware wie Dell, HP und LG. Im Dezember 2025 verlangten 64 Abgeordnete zudem den Wechsel des Reisebuchungssystems, da die genutzte Plattform von American Express Global Business Travel Reisedaten potenziell offenlege.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2026 eskalierte die European Search Perspective (EUSP) \u2013 ein Joint Venture von Qwant und der deutschen \u00d6ko-Suchmaschine Ecosia \u2013 die Debatte: In einem offenen Brief an alle 27 EU-Regierungschefs boten sie an, die Suchinfrastruktur f\u00fcr \u00f6ffentliche Verwaltungen kostenlos zur Verf\u00fcgung zu stellen, wenn diese ihre Standardsuche auf europ\u00e4ische Anbieter umstellen. Die jetzige Entscheidung des Parlaments ist die erste substanzielle Antwort auf dieses <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/acer-nitro-v15-rtx-5050-angebot\/\" title=\"Acer Nitro V15 mit RTX 5050 f\u00fcr unter 1.000 Dollar im Angebot\" data-iacss-internal=\"1\">Angebot<\/a>.<\/p>\n<h2>Qwants Weg zur europ\u00e4ischen Suchalternative<\/h2>\n<p>Qwant ist l\u00e4ngst nicht mehr nur eine kleine Nischen-Suchmaschine. 2023 wurde sie vom franz\u00f6sischen Cloud-Pionier Octave Klaba (Gr\u00fcnder von OVHcloud) \u00fcbernommen und mit dem Gaming-Cloud-Dienst Shadow zur Gruppe Synfonium verschmolzen. Die staatliche franz\u00f6sische Caisse des D\u00e9p\u00f4ts h\u00e4lt 25 Prozent der Anteile. Im November 2024 fusionierte Qwant mit Ecosia zur European Search Perspective (EUSP). Seit <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/dlss-4-5-ray-reconstruction-august-rtx-gpus\/\" title=\"DLSS 4.5 Ray Reconstruction erscheint im August f\u00fcr alle RTX-GPUs\" data-iacss-internal=\"1\">August<\/a> 2025 betreibt die Allianz in Frankreich einen eigenen Suchindex namens Staan \u2013 unabh\u00e4ngig von Google und Bing. Das Ziel: eine vollst\u00e4ndig europ\u00e4ische Suchplattform, die weder auf US-Infrastruktur noch auf US-Know-how angewiesen ist.<\/p>\n<p>Gleichwohl bleiben Zweifel an der technischen Leistungsf\u00e4higkeit. Googles globaler Marktanteil liegt bei rund 90 Prozent, Qwant kommt auf etwa sechs Millionen Nutzer. Die Qualit\u00e4t der Suchergebnisse, besonders bei komplexen oder seltenen Anfragen, d\u00fcrfte noch nicht mit dem US-Konzern mithalten k\u00f6nnen. Doch genau darum geht es nicht prim\u00e4r \u2013 die Entscheidung ist eine politische Willensbekundung, keine Produktentscheidung.<\/p>\n<h2>Was das f\u00fcr Deutschland und Europa bedeutet<\/h2>\n<p>Die EU beginnt, die Macht der Standardsuche zu verstehen. Ein Standard ist nicht einfach eine Voreinstellung \u2013 er ist ein Hebel der Kontrolle. Google zahlte Apple jahrelang Milliarden, um in Safari die Standardsuche zu bleiben, weil die meisten Nutzer diese Einstellung nie \u00e4ndern. Das EU-Parlament bricht nun mit dieser Logik. Statt Convenience \u00fcber Souver\u00e4nit\u00e4t zu stellen, setzt es auf ein europ\u00e4isches Produkt \u2013 auch wenn es noch nicht auf dem gleichen Niveau ist.<\/p>\n<p>Sollte die Strategie aufgehen, k\u00f6nnte der Druck auf andere EU-Institutionen und nationale Verwaltungen wachsen, \u00e4hnliche Schritte zu gehen. Die EUSP hat bereits klargemacht, dass sie ihre Infrastruktur im Gegenzug f\u00fcr \u00f6ffentliche Standardvertr\u00e4ge kostenlos anbietet. Ob dies langfristig zu einer echten Alternative f\u00fchrt oder nur ein symbolischer Akt bleibt, wird sich zeigen. Klar ist: Die Frage, wem wir unsere Suchanfragen anvertrauen, ist keine rein technische mehr \u2013 sie ist eine Frage der politischen Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Europ\u00e4ische Parlament stellt seine digitale Infrastruktur auf den Kopf: Ab dem 4. Juni 2026 wird die Standardsuche auf den dienstlichen Rechnern von Firefox und Edge nicht mehr von Google, sondern von der franz\u00f6sischen Suchmaschine Qwant durchgef\u00fchrt. 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