{"id":45072,"date":"2026-08-01T06:21:33","date_gmt":"2026-08-01T04:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=45072"},"modified":"2026-08-01T06:21:33","modified_gmt":"2026-08-01T04:21:33","slug":"the-last-sentinel-tencent-stoppt-gta-rivalen-nach-sechs-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/the-last-sentinel-tencent-stoppt-gta-rivalen-nach-sechs-jahren\/","title":{"rendered":"The Last Sentinel: Tencent stoppt GTA-Rivalen nach sechs Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Nach sechs Jahren Entwicklungszeit und einem gesch\u00e4tzten Budget von mehreren hundert Millionen Dollar hat der chinesische Tech-Konzern Tencent die Produktion des Open-World-Spiels <strong>The Last Sentinel<\/strong> eingestellt. Der ambitionierte GTA-Konkurrent des Studios Lightspeed LA wird vorerst nicht erscheinen, rund 80 Mitarbeiter wurden entlassen. Das berichtet der Bloomberg-Journalist Jason Schreier unter Berufung auf interne Quellen. Tencent selbst dementiert eine vollst\u00e4ndige Einstellung und spricht von einer kreativen Neuausrichtung.<\/p>\n<h2>Die Entstehung von Lightspeed LA und die ambitionierte Vision<\/h2>\n<p>Das Studio Lightspeed LA wurde zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 von Steve Martin gegr\u00fcndet, einem ehemaligen Chef der Rockstar-Niederlassung in San Diego. Mit Sitz in Irvine, Kalifornien, sollte das Team ein Open-World-Crime-Spiel im Cyberpunk-Setting entwickeln \u2013 mit einer weiblichen Protagonistin in einem von Science-Fiction neu interpretierten Tokio. Die Kombination aus einer vertikalen Stadtlandschaft, frei befahrbaren Fahrzeugen und einer offenen Spielwelt erinnerte stark an die Handschrift der Rockstar-Spiele.<\/p>\n<p>Um im hart umk\u00e4mpften Talentmarkt der Jahre 2020 und 2021 zu bestehen \u2013 angeheizt durch den pandemiebedingten Boom der Spieleindustrie \u2013 lockte Lightspeed LA Entwickler mit Geh\u00e4ltern im sechsstelligen Bereich. Dies zog erfahrene Fachkr\u00e4fte von renommierten Studios wie Naughty Dog, Rockstar und Blizzard an. Die Strategie schien zun\u00e4chst aufzugehen, doch die hohen Personalkosten und die komplexe technische Umsetzung sollten sich als Belastung erweisen.<\/p>\n<h2>Der vielversprechende Auftritt und das Ausbleiben von Gameplay<\/h2>\n<p>Der \u00d6ffentlichkeit wurde <strong>The Last Sentinel<\/strong> erstmals bei den <strong>The Game Awards 2023<\/strong> pr\u00e4sentiert. Nach diesem vielbeachteten Teaser wurde es jedoch auff\u00e4llig still um das Projekt. Im vergangenen Jahr ver\u00f6ffentlichte das Studio vier Entwicklertageb\u00fccher auf YouTube, die jedoch eher wie allgemeine Hype-Videos wirkten und keine konkreten Gameplay-Szenen zeigten. Synchronsprecher Troy Baker, der als Performance Director an dem Titel mitwirkte, beschrieb die Geschichte als bewussten Bruch mit den g\u00e4ngigen Klischees eines Action-Abenteuers \u2013 ein mutiger Ansatz, der jedoch nie durch spielbare Inhalte untermauert wurde.<\/p>\n<p>Die fehlende Gameplay-Pr\u00e4sentation fiel Beobachtern sofort auf. Der Grund daf\u00fcr war simpel: Das Studio war nicht in der Lage, seine immens ambitionierte Vision umzusetzen. Die Belegschaft von Lightspeed LA z\u00e4hlte zum H\u00f6hepunkt mehrere hundert Mitarbeiter \u2013 eine beachtliche Gr\u00f6\u00dfe, aber weit entfernt von den rund 2.000 Fachkr\u00e4ften, die an einem Titel wie <strong>Red Dead Redemption 2<\/strong> arbeiteten.<\/p>\n<h2>Interne Probleme und mangelnde F\u00fchrung<\/h2>\n<p>Quellen aus dem Unternehmen schildern Bloomberg zufolge ein Klima der Orientierungslosigkeit. Der F\u00fchrungsstil von Studio-Gr\u00fcnder Steve Martin wird als polarisierend beschrieben, die Entscheidungsprozesse als schleppend. Eine klare kreative Vision sei \u00fcber die Jahre hinweg nicht erkennbar gewesen. Das Projekt verfehlte mehrfach gesetzte Meilensteine und \u00fcberschritt das Budget erheblich. Allein die Entwicklungskosten sollen sich auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen haben \u2013 ein Risiko, das selbst f\u00fcr einen Investor wie Tencent, der \u00fcber umfangreiche Mittel verf\u00fcgt, nur schwer zu rechtfertigen ist.<\/p>\n<h2>Der Playtest als Wendepunkt<\/h2>\n<p>Der entscheidende Wendepunkt kam im Fr\u00fchjahr dieses Jahres. Lightspeed LA organisierte einen internen Playtest, der ein nahezu einhellig negatives Feedback hervorbrachte. Die Tester beschrieben das Spiel schlicht als \u201enicht spa\u00dfig zu spielen\u201c \u2013 ein vernichtendes Urteil f\u00fcr ein Projekt, das als direkter Konkurrent zu <strong>Grand Theft Auto<\/strong> positioniert war. Die Tencent-F\u00fchrung stellte daraufhin ein Ultimatum: Bis Juli m\u00fcsse eine deutlich verbesserte Version vorliegen, andernfalls werde das Projekt eingestellt.<\/p>\n<p>In den verbleibenden drei Monaten zog Lightspeed LA zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung heran. Unter anderem wurde Todd Papy, bekannt f\u00fcr seine Arbeit an der <strong>God of War<\/strong>-Reihe, als Creative Director verpflichtet. Er sollte das Kampfsystem, die Missionen und andere zentrale Spielmechaniken \u00fcberarbeiten. Trotz dieser Bem\u00fchungen blieb der Titel weit hinter der grafischen Wiedergabetreue, dem polierten Feeling und der Qualit\u00e4t zur\u00fcck, die von einem Rivalen von Rockstars Flaggschiff erwartet wird. Tencent zog die Rei\u00dfleine und leitete die Entlassungen ein.<\/p>\n<h2>Was die Zukunft f\u00fcr Lightspeed LA und The Last Sentinel bringt<\/h2>\n<p>Die \u00f6ffentliche Stellungnahme von Tencent zeichnet ein anderes Bild als die internen Berichte. Der Konzern betont, dass man die kreative und entwicklungsseitige Ausrichtung von <strong>The Last Sentinel<\/strong> \u00e4ndern wolle, um den Erwartungen der Spieler gerecht zu werden. Das Studio Lightspeed LA bleibe ge\u00f6ffnet und arbeite weiter an Spielen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt eine abgespeckte oder grundlegend \u00fcberarbeitete Version des Titels erscheint \u2013 oder dass Tencent einen anderen Entwickler mit der Fertigstellung beauftragt.<\/p>\n<p>Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Liste von Projekten, die mit hochkar\u00e4tigen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten und gro\u00dfem Budget antraten, aber noch vor dem Launch scheiterten. Die Kombination aus \u00fcberambitionierten Zielen, mangelnder F\u00fchrungskontinuit\u00e4t und unrealistischen Zeitpl\u00e4nen erweist sich selbst f\u00fcr finanzstarke Publisher als gef\u00e4hrliche Mischung. Die Branche wird die Entwicklung bei Lightspeed LA genau verfolgen \u2013 und ob die versprochene Neuausrichtung tats\u00e4chlich gelingt oder ob das Projekt endg\u00fcltig in der Versenkung verschwindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach sechs Jahren Entwicklungszeit und einem gesch\u00e4tzten Budget von mehreren hundert Millionen Dollar hat der chinesische Tech-Konzern Tencent die Produktion des Open-World-Spiels The Last Sentinel eingestellt. Der ambitionierte GTA-Konkurrent des Studios Lightspeed LA wird vorerst nicht erscheinen, rund 80 Mitarbeiter wurden entlassen. Das berichtet der Bloomberg-Journalist Jason Schreier unter Berufung auf interne Quellen. 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