{"id":48765,"date":"2026-08-12T17:03:50","date_gmt":"2026-08-12T15:03:50","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=48765"},"modified":"2026-08-12T17:03:50","modified_gmt":"2026-08-12T15:03:50","slug":"tpm-sicherheitsluecken-amd-intel-cpus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/tpm-sicherheitsluecken-amd-intel-cpus\/","title":{"rendered":"Schwere TPM-Sicherheitsl\u00fccken gef\u00e4hrden AMD- und Intel-CPUs"},"content":{"rendered":"<p>Schwere TPM-Sicherheitsl\u00fccken gef\u00e4hrden aktuell eine Vielzahl von CPUs von AMD und <a href=\"https:\/\/www.intel.de\/sicherheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Intel<\/a>. Betroffen sind Systeme, die das firmwarebasierte Trusted Platform Module 2.0 (fTPM 2.0) nutzen, das bei modernen Prozessoren auf einem abgeschotteten Mikrocontroller-Kern als Teil des BIOS l\u00e4uft. Der Referenzcode daf\u00fcr stammt vom Firmenkonsortium <a href=\"https:\/\/trustedcomputinggroup.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Trusted Computing Group<\/a> (TCG), dem sowohl AMD als auch Intel angeh\u00f6ren. Die von der TCG gemeldeten Schwachstellen tragen die Kennungen CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727 und erreichen im Common Vulnerability Scoring System (CVSS) die hohen Schweregrade 8,5 und 8,3.<\/p>\n<p>Das Trusted Platform Module ist ein zentraler Baustein der Systemabsicherung. Es steht am Beginn der Vertrauenskette (Root of Trust) von Servern, Desktop-PCs und Notebooks. Im TPM sind kryptografische Schl\u00fcssel gespeichert, mit deren Hilfe ein System etwa die Echtheit des aufgespielten UEFI-BIOS pr\u00fcft. Windows nutzt das TPM zudem f\u00fcr die Bitlocker-Laufwerksverschl\u00fcsselung. Wenn diese Komponente kompromittiert wird, k\u00f6nnen Angreifer tiefgehende \u00c4nderungen am System vornehmen, ohne dass die \u00fcblichen Sicherheitsmechanismen dies entdecken.<\/p>\n<h2>Was ist ein fTPM und warum ist die Root of Trust so wichtig?<\/h2>\n<p>Ein Trusted Platform Module ist ein Sicherheitsbaustein, der kryptografische Schl\u00fcssel erzeugt, speichert und Operationen wie Entschl\u00fcsselung oder Signaturpr\u00fcfung ausf\u00fchrt. Fr\u00fcher war das TPM ein separater Chip auf dem Mainboard. Heute integrieren AMD und Intel die TPM-Funktion als Firmware-L\u00f6sung (fTPM) direkt in den Prozessor. Das senkt die Kosten und r\u00fcckt den Sicherheitsbaustein n\u00e4her an die CPU. Die Vertrauensw\u00fcrdigkeit des gesamten Systems h\u00e4ngt davon ab, dass diese Einheit nicht kompromittiert wird. Eine Sicherheitsl\u00fccke im fTPM kann daher die gesamte Sicherheitsarchitektur eines Ger\u00e4ts untergraben.<\/p>\n<p>Die Trusted Computing Group entwickelt den Referenzcode f\u00fcr fTPM 2.0 und stellt ihn ihren Mitgliedern zur Verf\u00fcgung. AMD und Intel betten diesen Code in ihre BIOS-\/UEFI-Firmware ein. Genau dort offenbaren sich die jetzt gemeldeten Schwachstellen. Weil der Code in sehr vielen Prozessorgenerationen zum Einsatz kommt, ist die potenzielle Angriffsfl\u00e4che enorm.<\/p>\n<h2>Die TPM-Sicherheitsl\u00fccken im Detail<\/h2>\n<h3>Hohe H\u00fcrden f\u00fcr Angreifer<\/h3>\n<p>Die gute Nachricht vorab: Um die L\u00fccken auszunutzen, ist lokaler Zugriff mit privilegierten Rechten notwendig; ein Angriff \u00fcber das Netzwerk ist nicht m\u00f6glich. F\u00fcr Privatanwender ist das Risiko daher gering. In Unternehmen sieht das anders aus: Ein Angreifer, der ein Notebook kompromittieren kann, k\u00f6nnte es als vertrauensw\u00fcrdiges Firmenger\u00e4t tarnen und sich \u00fcber die TPM-Attestierung Zugang zum gesamten Unternehmensnetzwerk verschaffen. Die Bedrohung ist insbesondere f\u00fcr Umgebungen mit strengen Zutrittskontrollen relevant.<\/p>\n<h3>CVE-2026-6727: Seitenkanalangriff \u00fcber Timing<\/h3>\n<p>Die erste Schwachstelle, CVE-2026-6727, ist ein Seitenkanalangriff, der \u00fcber Zeitvers\u00e4tze Geheimnisse aus dem TPM ausliest. Eine pr\u00e4parierte Software schickt unz\u00e4hlige Befehle an den Ko-Prozessor und misst dabei exakt, wie lange das System f\u00fcr die Beantwortung ben\u00f6tigt. Das Angriffsverfahren zielt auf das Verschl\u00fcsselungsverfahren RSA-OAEP ab. Dabei f\u00fcllt die Software die Datenbl\u00f6cke gezielt mit unterschiedlichen F\u00fcllwerten auf. Korrekte F\u00fcllwerte erzeugen eine messbar andere Antwortzeit als falsche. Aus diesen zeitlichen Unterschieden lassen sich die im TPM gespeicherten Schl\u00fcsselinformationen <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/hobby-online-business-schritt-fuer-schritt\/\" title=\"Vom Hobby zum Online-Business: Schritt f\u00fcr Schritt zum Erfolg\" data-iacss-internal=\"1\">Schritt f\u00fcr Schritt<\/a> extrahieren. Angreifer ben\u00f6tigen daf\u00fcr eine hohe Anzahl von Befehlen und eine pr\u00e4zise Zeitmessung \u2013 aufwendig, aber machbar.<\/p>\n<h3>CVE-2026-6726: Ausgehebelte Schl\u00fcsselpr\u00fcfung<\/h3>\n<p>Die zweite L\u00fccke, CVE-2026-6726, nutzt einen logischen Fehler im Umgang mit verwalteten Schl\u00fcsseln. Das TPM f\u00fchrt interne Listen \u00fcber kryptografische Schl\u00fcssel, die als g\u00fcltig oder verworfen markiert werden. Unter bestimmten Umst\u00e4nden invalidiert das TPM verworfene Schl\u00fcssel nicht korrekt. Angreifer k\u00f6nnen dadurch einen neuen, falschen Schl\u00fcssel an derselben Adresse platzieren und ihn als echt ausgeben. Auf diese Weise l\u00e4sst sich die Vertrauensankerkette manipulieren: Ein System, das dem TPM-Schl\u00fcssel vertraut, akzeptiert gef\u00e4lschte Nachweise als legitim. Das erm\u00f6glicht tiefgreifende Eingriffe in Betriebssystem und Firmware.<\/p>\n<h2>Betroffene CPUs: AMD und Intel im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Die Hersteller haben in ihren Sicherheitsbulletins aufgelistet, welche Prozessoren von den L\u00fccken betroffen sind. Die Listen sind lang, denn die fTPM-Schwachstellen ziehen sich durch viele Generationen.<\/p>\n<h3>AMD-Prozessoren<\/h3>\n<ul>\n<li>Alle Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren mit Zen-Architektur: Ryzen 1000 bis Ryzen 9000 sowie Ryzen AI 400.<\/li>\n<li>Server: ausschlie\u00dflich die kleineren Modelle Epyc 4004 und Epyc 4005. Die gro\u00dfen Vielkern-Prozessoren der Epyc-7000er- und Epyc-9000er-Reihen sind nicht betroffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Details sind im Security-Bulletin mit der Kennung amd-sb-7064 dokumentiert.<\/p>\n<h3>Intel-Prozessoren<\/h3>\n<ul>\n<li>Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren bis einschlie\u00dflich der Core-Ultra-200-Serie.<\/li>\n<li>Server: Baureihen bis zu den Xeon Scalable der dritten Generation (Ice Lake) aus dem Jahr 2021.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Auflistung findet sich in den Security-Bulletins intel-sa-01371 und intel-sa-01372.<\/p>\n<h2>Updates: BIOS-Firmware und Software-Patches<\/h2>\n<p>Sowohl AMD als auch Intel haben korrigierte Firmware-Versionen an die Ger\u00e4tehersteller verteilt. Mainboard-Hersteller, Notebook-Produzenten und Systemanbieter werden in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten entsprechende BIOS-Updates bereitstellen. Anwender sollten die Support-Websites ihrer Hersteller regelm\u00e4\u00dfig pr\u00fcfen und Updates zeitnah einspielen. Da das fTPM Bestandteil der UEFI-Firmware ist, ist das <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/steam-machine-bios-update\/\" title=\"BIOS-Update f\u00fcr Steam Machine senkt Risiko des roten Todesstreifens\" data-iacss-internal=\"1\">BIOS-Update<\/a> der wichtigste Schutzbaustein.<\/p>\n<p>Parallel gibt es Software-Patches, die die Auswirkungen der L\u00fccken abfedern. F\u00fcr die Debian-Bibliothek libtpms, die TPM-Funktionalit\u00e4t in virtuellen Umgebungen bereitstellt, wurde ein Sicherheitsupdate ver\u00f6ffentlicht. Auch Microsoft hat Patches f\u00fcr zahlreiche Windows-Versionen bereitgestellt. Diese helfen insbesondere bei Systemen, die noch kein BIOS-Update erhalten haben. Sie ersetzen die Firmware-Korrektur jedoch nicht.<\/p>\n<h2>Einordnung: Risiko und Handlungsempfehlungen<\/h2>\n<p>Die CVSS-Werte von 8,5 und 8,3 klingen dramatisch, relativieren sich aber durch die komplexen Angriffsbedingungen. Ohne lokalen Zugriff und Administratorrechte sind die L\u00fccken nicht ausnutzbar. Die eigentliche Gefahr liegt im Vertrauensverlust: In Unternehmensnetzwerken, die auf TPM-Attestierung und Bitlocker setzen, k\u00f6nnen die Schwachstellen die gesamte Sicherheitskette infrage stellen. Besonders betroffen sind \u00e4ltere Systeme und Server, die \u00fcber lange Zeit ohne BIOS-Updates betrieben werden. Gerade dort sollten Administratoren die betroffenen Prozessoren identifizieren und die Update-Priorisierung planen. Es ist davon auszugehen, dass die Sicherheitsl\u00fccken wegen der langen Verteilzyklen von BIOS-Updates noch viele Monate relevant bleiben. Solange gilt: Systeme physisch absichern, Zugriffsrechte strikt kontrollieren und Sicherheitsupdates umgehend einspielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwere TPM-Sicherheitsl\u00fccken gef\u00e4hrden aktuell eine Vielzahl von CPUs von AMD und Intel. Betroffen sind Systeme, die das firmwarebasierte Trusted Platform Module 2.0 (fTPM 2.0) nutzen, das bei modernen Prozessoren auf einem abgeschotteten Mikrocontroller-Kern als Teil des BIOS l\u00e4uft. Der Referenzcode daf\u00fcr stammt vom Firmenkonsortium Trusted Computing Group (TCG), dem sowohl AMD als auch Intel angeh\u00f6ren. 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