{"id":48967,"date":"2026-08-14T19:14:27","date_gmt":"2026-08-14T17:14:27","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=48967"},"modified":"2026-08-14T19:14:27","modified_gmt":"2026-08-14T17:14:27","slug":"amd-psp-sicherheitsluecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/amd-psp-sicherheitsluecke\/","title":{"rendered":"Seitenkanal erlaubt Zugriff auf RAM des AMD-Sicherheitscontrollers PSP"},"content":{"rendered":"<p>Das Sicherheitskonzept moderner x86-Prozessoren beruht auf der strikten Abschottung bestimmter Speicherbereiche des Arbeitsspeichers (RAM). Der Sicherheitsforscher Christopher Domas, bekannt unter dem Pseudonym \u201exoreaxeaxeax\u201c, hat nun eine Schwachstelle in \u00e4lteren AMD-Prozessoren der Familie 16h aufgedeckt, die diese Isolation aushebelt. Durch einen Seitenkanalangriff namens \u201eskitter-creek-bath-salts\u201c wird Lese- und Schreibzugriff auf jene RAM-Adressbereiche m\u00f6glich, die eigentlich f\u00fcr sicherheitskritische Funktionen wie den AMD Platform Security Processor (PSP), den System Management Mode (SMM) oder den CPU-Microcode reserviert sind.<\/p>\n<p>Die praktische Gefahr f\u00fcr Angriffe auf Systeme mit diesen Prozessoren ist jedoch begrenzt. Um den DRAM-Controller der CPU manipulieren zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt ein Angreifer zwingend Administratorrechte auf dem Zielsystem. Die Entdeckung ist dennoch von gro\u00dfer Bedeutung, da sie fundamentale Designschw\u00e4chen in der Hardware-Sicherheitsarchitektur der vor rund 13 Jahren vorgestellten Family-16h-Prozessoren offenlegt. Domas selbst vermutet, dass auch andere CPU-Familien betroffen sein k\u00f6nnten \u2013 bei j\u00fcngeren Modellen dokumentiert AMD das von ihm ausgenutzte CPU-Register jedoch nicht mehr \u00f6ffentlich, was eine \u00dcberpr\u00fcfung erheblich erschwert.<\/p>\n<h2>Betroffene Prozessoren und ihre Historie<\/h2>\n<p>Bei den betroffenen CPUs handelt es sich um stromsparende Modelle mit \u201eJaguar\u201c-Kernen, die AMD im Jahr 2013 auf den Markt brachte. Sie kamen in g\u00fcnstigen Tablets, Notebooks und Embedded-Systemen zum Einsatz. Zu den bekanntesten Produktlinien z\u00e4hlen <strong>Kabini<\/strong> und <strong>Temash<\/strong> mit Bezeichnungen wie A4-5000, E2-3000 oder A4-1250. Ein Jahr sp\u00e4ter, 2014, folgten die Nachfolger <strong>Beema<\/strong> und <strong>Mullins<\/strong>, vertreten durch Modelle wie den A4 Micro-6400T, A4-6210 oder E2-6110. Alle diese Prozessoren stammen aus der Bulldozer-\u00c4ra und sind architektonisch nicht mit den modernen Ryzen-CPUs verwandt.<\/p>\n<h2>Wie der abgeschottete Speicher des PSP funktioniert<\/h2>\n<p>Die genannten Prozessoren geh\u00f6rten zu den ersten von AMD, die mit einem Platform Security Processor (PSP) ausgestattet waren, der sp\u00e4ter in AMD Secure Processor umbenannt wurde. Der PSP bildete in sp\u00e4teren Generationen auch die Grundlage f\u00fcr das integrierte Firmware Trusted Platform Module 2.0 (fTPM 2.0).<\/p>\n<p>Die zentrale Aufgabe des PSP ist der Schutz sensibler Daten wie kryptografischer Schl\u00fcssel \u2013 selbst vor Angreifern mit den h\u00f6chsten Systemrechten. Auf diesem Vertrauensanker basieren wiederum komplexe Sicherheitsfunktionen wie die RAM-Verschl\u00fcsselung f\u00fcr virtuelle Maschinen (AMD SEV). Als Hardware-Controller kommt in den AMD-Prozessoren ein ARM Cortex-A5 zum Einsatz, der einen exklusiven, kleinen Teil des eingesteckten DRAM f\u00fcr sich beansprucht. F\u00fcr das Betriebssystem und das BIOS ist dieser Adressbereich unsichtbar und unzug\u00e4nglich, da der in die CPU integrierte Speichercontroller ihn gezielt versteckt.<\/p>\n<h2>Abschottung ausgehebelt: Der Angriffsmechanismus<\/h2>\n<p>Genau an dieser Stelle setzt der Angriff <strong>skitter-creek-bath-salts<\/strong> an. Die Methode manipuliert die Adressverwaltung des DRAM-Controllers so, dass die eigentlich gesch\u00fctzten Speicherbereiche f\u00fcr die angreifende Software sichtbar werden. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass der Angreifer die komplexe und mehrfache Verw\u00fcrfelung zwischen virtuellen und physischen RAM-Adressen r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann. Auf der zugeh\u00f6rigen GitHub-Seite des Projekts erl\u00e4utert der Autor diese zahlreichen Adressumrechnungen im Detail. Der Angriffscode steuert unter anderem das CPU-Konfigurationsregister <strong>D18F2x94<\/strong> an, das offiziell f\u00fcr den DRAM-Controller zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Die von Domas identifizierte Sicherheitsl\u00fccke zeigt exemplarisch, dass die Annahme, Hardware-Sicherheitsmechanismen seien grunds\u00e4tzlich un\u00fcberwindbar, nicht haltbar ist. Die von AMD in den BKDG-Dokumenten (BIOS and Kernel Developer\u2019s Guide) f\u00fcr die Family 16h beschriebenen Register bieten demnach nicht die erhoffte Isolation. Der Forscher analysierte das Systemverhalten und stellte fest, dass durch gezielte Manipulationen die Schutzmechanismen des Speichercontrollers umgangen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Historische Einordnung und vergleichbare Attacken<\/h2>\n<p>Die Entdeckung ist kein Einzelfall. Immer wieder gelingt es Forschern, die vermeintlich sichere Abschottung von Hardware-komponenten zu durchbrechen. So drangen bereits 2020 Experten bei bestimmten <a href=\"https:\/\/www.intel.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Intel<\/a>-CPU-Baureihen tief in die Speicherbereiche der Intel Management Engine (ME) vor, um dort hinterlegte kryptografische Schl\u00fcssel auszulesen. Auch der physische Angriff BatteringRAM, der durch Manipulation von DRAM-Adressen an gesch\u00fctzte Speicherbereiche f\u00fcr Confidential Computing gelangt, zeigt, dass die Thematik weit \u00fcber einzelne Hersteller hinweg relevant ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die unmittelbare Bedrohung durch skitter-creek-bath-salts aufgrund der ben\u00f6tigten Adminrechte als gering einzustufen ist, wirft die Schwachstelle ein Schlaglicht auf grundlegende Probleme im Hardwaresicherheitsdesign. Die Tatsache, dass AMD bei neueren Prozessoren die Dokumentation des kritischen Registers D18F2x94 eingestellt hat, erschwert die externe Sicherheitsanalyse erheblich. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass \u00e4hnliche Fehler auch in aktuellen CPU-Generationen schlummern, deren Architektur f\u00fcr unabh\u00e4ngige Forscher jedoch undurchsichtiger geworden ist. Die Arbeit von Domas unterstreicht die Notwendigkeit transparenterer Hardwarespezifikationen, damit Sicherheitsl\u00fccken nicht erst nach Jahren entdeckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sicherheitskonzept moderner x86-Prozessoren beruht auf der strikten Abschottung bestimmter Speicherbereiche des Arbeitsspeichers (RAM). Der Sicherheitsforscher Christopher Domas, bekannt unter dem Pseudonym \u201exoreaxeaxeax\u201c, hat nun eine Schwachstelle in \u00e4lteren AMD-Prozessoren der Familie 16h aufgedeckt, die diese Isolation aushebelt. 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