{"id":49144,"date":"2026-08-16T15:20:36","date_gmt":"2026-08-16T13:20:36","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=49144"},"modified":"2026-08-16T15:20:36","modified_gmt":"2026-08-16T13:20:36","slug":"ki-loehne-berufseinstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/ki-loehne-berufseinstieg\/","title":{"rendered":"KI dr\u00fcckt auf L\u00f6hne und macht Berufseinstieg schwieriger"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert den Arbeitsmarkt in Deutschland sp\u00fcrbar \u2013 und die Entwicklung trifft vor allem jene, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Eine Umfrage des Ifo-Instituts unter mehr als 3.000 Unternehmen zeigt, dass die Mehrheit der Betriebe mit sinkenden L\u00f6hnen rechnet, insbesondere f\u00fcr Berufseinsteiger. Zus\u00e4tzlich warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) davor, dass KI den Einstieg in den Arbeitsmarkt grundlegend erschwert.<\/p>\n<h2>KI dr\u00fcckt auf L\u00f6hne: Das erwartet Besch\u00e4ftigte<\/h2>\n<p>Die Ifo-Forscherin Anna Ruffert hat die Ergebnisse der Unternehmensbefragung ausgewertet. Ihr Fazit f\u00e4llt eindeutig aus: Deutlich mehr Betriebe erwarten negative Effekte auf die Lohnentwicklung als positive. Innerhalb der kommenden <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/fuenf-jahre-stellenabbau-spieleindustrie\/\" title=\"F\u00fcnf Jahre Stellenabbau beendet die Normalit\u00e4t in der Spieleindustrie\" data-iacss-internal=\"1\">f\u00fcnf Jahre<\/a>, so die Einsch\u00e4tzung der befragten Firmen, werde K\u00fcnstliche Intelligenz die Geh\u00e4lter st\u00e4rker nach unten als nach oben bewegen. Besonders betroffen sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit weniger als f\u00fcnf Jahren Berufserfahrung: Rund die H\u00e4lfte der Unternehmen geht hier von sinkenden L\u00f6hnen aus, nur eine Minderheit prophezeit einen Anstieg.<\/p>\n<p>Die Differenzierung nach Qualifikation macht das Ausma\u00df noch deutlicher. Bei Berufseinsteigern ohne Hochschul- oder Fachhochschulabschluss erwarten 48,3 Prozent der Betriebe sinkende L\u00f6hne, aber nur 5,9 Prozent steigende. Bei Berufseinsteigern mit akademischem Abschluss sieht die Lage auf den ersten Blick widerspr\u00fcchlich aus: 50,8 Prozent der Unternehmen prognostizieren sinkende Geh\u00e4lter, doch immerhin 16,3 Prozent rechnen mit h\u00f6heren L\u00f6hnen. Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt f\u00fcr Hochschulabsolventen gespalten ist \u2013 w\u00e4hrend einige von der KI-Nachfrage profitieren, geraten andere in eine schw\u00e4chere Verhandlungsposition.<\/p>\n<h3>Erfahrene Akademiker behaupten sich am besten<\/h3>\n<p>F\u00fcr Besch\u00e4ftigte mit mehr als f\u00fcnf Jahren Berufserfahrung f\u00e4llt die Bilanz etwas freundlicher aus, bleibt aber insgesamt negativ. Ohne Hochschulabschluss erwarten 40,4 Prozent der Unternehmen sinkende L\u00f6hne, lediglich 9,7 Prozent gehen von steigenden Geh\u00e4ltern aus. Bei erfahrenen Akademikern kehrt sich das Verh\u00e4ltnis teilweise um: 37,5 Prozent der Betriebe sehen sinkende L\u00f6hne, aber 26 Prozent erwarten steigende. Damit sind es vor allem erfahrene Fachkr\u00e4fte mit akademischer Ausbildung, die von der KI-Transformation profitieren k\u00f6nnen. F\u00fcr alle anderen Gruppen \u00fcberwiegt die Sorge vor einer Abwertung ihrer beruflichen Praxis.<\/p>\n<p>Die Ifo-Forscherin Ruffert hebt hervor, dass K\u00fcnstliche Intelligenz die L\u00f6hne nicht gleichm\u00e4\u00dfig beeinflussen wird. Die Betriebe rechnen am ehesten bei weniger erfahrenen Arbeitskr\u00e4ften mit sinkenden Bez\u00fcgen. Das hat eine einfache Logik: Werden Einstiegspositionen durch Automatisierung einfacher, sinkt der Preis f\u00fcr diese Arbeit. Gleichzeitig steigt der Wert von Erfahrung, Urteilsverm\u00f6gen und der F\u00e4higkeit, KI-Systeme sinnvoll zu steuern \u2013 genau jene Eigenschaften, die Berufseinsteiger erst noch erlernen m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Welche Branchen besonders betroffen sind<\/h2>\n<p>Die Einsch\u00e4tzung der Unternehmen variiert stark je nach Wirtschaftszweig. Im Dienstleistungssektor fallen die Prognosen am pessimistischsten aus: 53,3 Prozent der Betriebe erwarten f\u00fcr Besch\u00e4ftigte mit kurzer Berufserfahrung ohne Hochschulabschluss sinkende L\u00f6hne, bei langj\u00e4hrig Besch\u00e4ftigten sind es noch 44,2 Prozent. Auch im Handel zeichnet sich ein klarer Abw\u00e4rtstrend ab, hier liegen die Werte bei 47,9 bzw. 41,3 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe rechnen 46,5 Prozent der Unternehmen mit niedrigeren Einstiegsgeh\u00e4ltern und 38,9 Prozent mit sinkenden L\u00f6hnen f\u00fcr erfahrene Besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Auf dem Bau fallen die Erwartungen dagegen vergleichsweise moderat aus: Nur 39 Prozent der Betriebe gehen hier von sinkenden L\u00f6hnen f\u00fcr Berufseinsteiger aus, bei erfahrenen Mitarbeitern sind es 31,3 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Physische Pr\u00e4senz, handwerkliche Fertigkeiten und die Arbeit an wechselnden Orten lassen sich weit weniger leicht durch generative KI ersetzen als etwa administrative Routineaufgaben. Genau diese Kluft zwischen automatisierbaren und nicht automatisierbaren T\u00e4tigkeiten wird in den kommenden Jahren die Lohnstruktur bestimmen.<\/p>\n<h2>Berufseinstieg wird schwieriger \u2013 ILO sieht mehrere Gr\u00fcnde<\/h2>\n<p>Parallel zur Lohnfrage warnt die Internationale Arbeitsorganisation vor einer weiteren Konsequenz: K\u00fcnstliche Intelligenz erschwert den Berufseinstieg selbst. Die ILO beobachtet, dass ausgerechnet jene Jobs, \u00fcber die junge Menschen bislang den Sprung ins Arbeitsleben schafften, besonders schnell von Automatisierung und generativer KI ver\u00e4ndert werden. Dazu z\u00e4hlen kaufm\u00e4nnische und administrative T\u00e4tigkeiten, Positionen im Verkauf und im Dienstleistungsbereich sowie Stellen in der Produktion und in einigen technischen Berufen.<\/p>\n<p>Viele dieser Arbeitspl\u00e4tze verschwinden nicht zwangsl\u00e4ufig, aber sie stellen neue Anforderungen. Gefragt sind digitale Kenntnisse, die F\u00e4higkeit, KI-Ergebnisse zu kontrollieren und ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wann menschliches Urteil notwendig bleibt. Genau diese Kompetenzen k\u00f6nnen Berufseinsteiger jedoch kaum vorweisen, wenn sie direkt von der Schule oder der Hochschule kommen. Es entsteht eine Qualifikationsl\u00fccke, die sich nicht durch ein Studium allein schlie\u00dfen l\u00e4sst \u2013 sondern durch praktische Erfahrung, die in einer automatisierten Arbeitswelt immer schwerer zu bekommen ist.<\/p>\n<h3>Neue Chancen in technischen Berufen<\/h3>\n<p>Die ILO verweist zugleich auf die wachsende Nachfrage in wissensintensiven Branchen. Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologien suchen weiterhin dringend Fachkr\u00e4fte. Wer in diesen Bereichen arbeitet oder eine Ausbildung anstrebt, profitiert von der KI-Entwicklung eher, als dass er unter ihr leidet. Die Organisation fordert deshalb mehr Investitionen in gute Bildung, berufliche Ausbildung, lebenslanges Lernen und ausreichend Ausbildungspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Standort Deutschland bedeutet das einen doppelten Handlungsbedarf. Einerseits m\u00fcssen Unternehmen ihre Einstiegspositionen so umgestalten, dass sie nicht nur automatisierbare T\u00e4tigkeiten abbilden, sondern Raum f\u00fcr Lernen und Urteilsbildung lassen. Andererseits sind Bildungseinrichtungen gefordert, KI-Kompetenz fest im Lehrplan zu verankern \u2013 vom Berufsschulunterricht bis zum Hochschulstudium. Wer heute mit der F\u00e4higkeit auf den Arbeitsmarkt kommt, KI-Systeme zu bedienen, zu hinterfragen und zu kontrollieren, hat deutlich bessere Karten.<\/p>\n<p>Die kommenden f\u00fcnf Jahre werden zeigen, ob die d\u00fcsteren Prognosen der Unternehmen tats\u00e4chlich eintreten. Entscheidend ist, wie schnell sich Aus- und Weiterbildung an die neue Realit\u00e4t anpassen. Die Lohndaten des Ifo-Instituts liefern daf\u00fcr eine klare Orientierung: Es sind nicht die Abschl\u00fcsse, die vor Lohnverlusten sch\u00fctzen, sondern die F\u00e4higkeit, KI gewinnbringend in die eigene Arbeit zu integrieren. Genau darin liegt die Chance f\u00fcr all jene, die rechtzeitig umsteuern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert den Arbeitsmarkt in Deutschland sp\u00fcrbar \u2013 und die Entwicklung trifft vor allem jene, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. 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