{"id":50479,"date":"2026-08-30T03:19:35","date_gmt":"2026-08-30T01:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=50479"},"modified":"2026-08-30T03:19:35","modified_gmt":"2026-08-30T01:19:35","slug":"rassvet-satellitenprojekt-scheitert-erreicht-zielhoehe-nicht-erreicht-800-km-orbit-verfehlt-ukraine-angriff-logistik-verzoegert-militaer-drohnen-steuerung-latenz-niedrig-signal-echtzeit-daten-kontroll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/rassvet-satellitenprojekt-scheitert-erreicht-zielhoehe-nicht-erreicht-800-km-orbit-verfehlt-ukraine-angriff-logistik-verzoegert-militaer-drohnen-steuerung-latenz-niedrig-signal-echtzeit-daten-kontroll\/","title":{"rendered":"Rassvet-Satellitenprojekt verliert Satelliten schneller als es sie baut"},"content":{"rendered":"<p>Als die Ukraine Anfang 2026 erreichte, dass SpaceX den russischen Streitkr\u00e4ften den Zugang zu illegal genutzten Starlink-Terminals kappte, standen die Fronteinheiten Moskaus vor einem Kommunikationsdesaster. Der Krieg gegen die Ukraine zwang Russland damit erneut vor Augen, wie abh\u00e4ngig die eigene Armee von ausl\u00e4ndischer Technologie ist. Mit dem Rassvet-Satellitenprojekt will das Land nun einen eigenen Starlink-Rivalen etablieren \u2013 doch das Vorhaben kommt kaum vom Boden.<\/p>\n<h2>Rassvet-Satellitenprojekt: Technische Probleme und Fertigungsprobleme beim Starlink-Rivalen<\/h2>\n<p>Das Rassvet-System, hinter dem das russische Unternehmen Bureau 1440 steht, sollte die milit\u00e4rische Kommunikation revolutionieren. Geplant ist eine Konstellation, die es erm\u00f6glicht, Drohnen und Bodenverb\u00e4nde \u00fcber gro\u00dfe Distanzen hinweg zu steuern und mit Echtzeitdaten zu versorgen. Doch der Weg in den Orbit ist steiniger als gedacht. Nach aktuellen Informationen von Techradar k\u00e4mpft das Unternehmen nicht nur mit technischen H\u00fcrden im All, sondern auch mit erheblichen Schwierigkeiten in der Fertigung auf der Erde.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz und Juli 2026 brachte Bureau 1440 zwei Chargen von Satelliten ins All. Insgesamt handelte es sich dabei um 40 Satelliten. Doch die Mission scheint weitgehend gescheitert zu sein: Keiner der Satelliten hat die geplante Zielh\u00f6he von 800 Kilometern erreicht. Einige sind bereits in die Erdatmosph\u00e4re eingetreten und vergl\u00fcht, andere verharren man\u00f6vrierunf\u00e4hig. Nach Angaben des Unternehmens wird derzeit kein Versuch unternommen, die Satelliten auf ihren geplanten Orbit anzuheben.<\/p>\n<h2>Satelliten im Orbit: Die Zielh\u00f6he scheint kaum erreichbar<\/h2>\n<p>Die Desillusionierung ist gro\u00df, denn die urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne waren ambitioniert. Bis Ende 2026 sollten rund 290 Satelliten die Erde umkreisen, im Jahr 2027 sollte der kommerzielle Dienst anlaufen. Gemessen am aktuellen Zustand der beiden ersten Chargen wirken diese Zeitpl\u00e4ne utopisch. In den verbleibenden Monaten des Jahres w\u00e4ren mehrere Starts in kurzer Folge notwendig, um die angestrebte Zahl auch nur ann\u00e4hernd zu erreichen.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem liegt in der Tr\u00e4gertechnologie. Die russischen Betreiber sind auf nicht wiederverwendbare Raketen angewiesen, die maximal 16 Satelliten pro Start bef\u00f6rdern k\u00f6nnen. Selbst wenn alle Systeme reibungslos funktionieren w\u00fcrden, w\u00e4re eine hohe Anzahl an Starts innerhalb kurzer Zeit notwendig \u2013 die russische Raumfahrtindustrie d\u00fcrfte mit dieser Last \u00fcberfordert sein. Strukturelle Schw\u00e4chen in der Produktion und Logistik bremsen das ambitionierte Vorhaben also massiv aus.<\/p>\n<h3>Die Bedeutung der Zielumlaufbahn f\u00fcr milit\u00e4rische Kommunikation<\/h3>\n<p>Die Wahl der Zielh\u00f6he ist kein Zufall. Eine Umlaufbahn von 800 Kilometern bietet eine optimale Balance zwischen Abdeckung und Signallatenz. Sie liegt unterhalb der H\u00f6hen, in denen vergleichbare Systeme operieren, und oberhalb der Atmosph\u00e4renschichten, in denen Satelliten durch Restluftreibung abgebremst werden. F\u00fcr die Steuerung von Drohnen ist eine niedrige Latenz entscheidend \u2013 Verz\u00f6gerungen von nur wenigen Millisekunden k\u00f6nnen \u00fcber die Reaktionsf\u00e4higkeit im Gefecht entscheiden.<\/p>\n<h2>Ukraine zielt auf die Raumfahrtlogistik und verz\u00f6gert Rassvet<\/h2>\n<p>Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte haben die Bedeutung des russischen Raumfahrtprogramms erkannt und handeln entsprechend. Sie griffen das Progress Rocket Space Centre in Samara an \u2013 eine Einrichtung, die f\u00fcr die Herstellung der Sojus-Raketen verantwortlich ist. Diese Raketen sind der Schl\u00fcssel, um die Rassvet-Satelliten ins All zu bringen. Die ukrainische F\u00fchrung verfolgt damit eine klare Strategie: die russische Raumfahrtinfrastruktur gezielt schw\u00e4chen, um die milit\u00e4rischen Kommunikationswege des Gegners zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Attacke auf Samara zeigt, dass die Ukraine die Verwundbarkeit der russischen Logistikkette erkannt hat. Ohne funktionierende Raketenproduktion keine weiteren Satelliten \u2013 und ohne Satelliten kein eigenes Kommunikationsnetz f\u00fcr die Fronttruppen. Das Rassvet-System ist milit\u00e4risch betrachtet keine reine Pr\u00e4zisionswaffe, sondern ein strategisches R\u00fcckgrat-Projekt, das Moskau dringend ben\u00f6tigt, um seine Streitkr\u00e4fte unabh\u00e4ngig vom Ausland zu vernetzen.<\/p>\n<h3>Die verletzliche Raketenproduktion als Achillesferse<\/h3>\n<p>Interessant ist dabei die geografische Komponente. Das Progress Rocket Space Centre liegt tief im russischen Kernland und galt lange Zeit als sicher vor ukrainischen Angriffen. Der erfolgreiche Treffer beweist die Reichweite der ukrainischen F\u00e4higkeiten und zwingt Russland, wertvolle Ressourcen in die Verteidigung seiner Raumfahrtanlagen umzuleiten. Dies wiederum entzieht dem eigentlichen Satellitenprogramm Kapazit\u00e4ten, die zum Bau und Betrieb des Netzes dringend ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<h2>Warum das Rassvet-Satellitenprogramm f\u00fcr Europa zur Gefahr werden k\u00f6nnte<\/h2>\n<p>Trotz der offensichtlichen Misserfolge warnte die Ukraine noch Mitte <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/prime-gaming-august-2026\/\" title=\"Prime Gaming August 2026: Steelrising und Airship: Kingdoms Adrift gratis\" data-iacss-internal=\"1\">August 2026<\/a> davor, das russische Satellitenprogramm zu untersch\u00e4tzen. Es schreite schneller voran als von vielen westlichen Beobachtern erwartet. Diese Einsch\u00e4tzung ist bemerkenswert, widerspricht sie doch der aktuellen Gemengelage aus verlorenen Satelliten und angegriffenen Produktionsst\u00e4tten. Die Sorge der Ukraine richtet sich nicht auf den Ist-Zustand des Rassvet-Systems, sondern auf dessen Potenzial f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Sollte das System eines Tages funktionieren und bis zum Jahr 2035 mit \u00fcber 900 Satelliten operieren, h\u00e4tte dies weitreichende Konsequenzen. Russland k\u00f6nnte Drohnen nicht nur \u00fcber der Ukraine, sondern \u00fcber sehr weite Strecken hinweg online kontrollieren. Die Reichweite des russischen Milit\u00e4rs w\u00fcrde sich damit massiv vergr\u00f6\u00dfern \u2013 eine Entwicklung, die f\u00fcr die Sicherheitsarchitektur Europas eine erhebliche Rolle spielen w\u00fcrde. Die F\u00e4higkeit, unbemannte Systeme \u00fcber Kontinente hinweg zu steuern und mit Echtzeitdaten zu versorgen, w\u00fcrde die milit\u00e4rischen Optionen Moskaus in ganz Osteuropa und dar\u00fcber hinaus ausweiten.<\/p>\n<h3>Die ambivalente Bedrohungslage im All<\/h3>\n<p>Die aktuelle Situation ist also von einer gewissen Paradoxie gepr\u00e4gt. Einerseits demonstriert das Scheitern der ersten Rassvet-Satelliten die technologische R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der russischen Raumfahrt im Vergleich zu westlichen Systemen. Andererseits zeigt die Hartn\u00e4ckigkeit der russischen Bem\u00fchungen, dass Moskau langfristig plant und bereit ist, erhebliche Mittel in die Verwirklichung des Projekts zu stecken. Europa sollte beide Aspekte im Blick behalten: die unmittelbare technische Schw\u00e4che und das langfristige strategische Ziel.<\/p>\n<p>Die Entwicklung von Rassvet ist letztlich ein Wettlauf gegen die Zeit, die Logistik und die Physik. Mit jedem Satelliten, der in der Atmosph\u00e4re vergl\u00fcht, entfernt sich das russische Projekt von seinem ambitionierten Zeitplan. Doch Vorsicht ist geboten, denn die russische Raumfahrt hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie zu Improvisation und hartn\u00e4ckiger Probleml\u00f6sung f\u00e4hig ist. Die internationale Staatengemeinschaft, insbesondere die EU und die NATO, sollten die Fortschritte des Programms aufmerksam verfolgen und ihre eigenen F\u00e4higkeiten im Orbit entsprechend ausrichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Ukraine Anfang 2026 erreichte, dass SpaceX den russischen Streitkr\u00e4ften den Zugang zu illegal genutzten Starlink-Terminals kappte, standen die Fronteinheiten Moskaus vor einem Kommunikationsdesaster. Der Krieg gegen die Ukraine zwang Russland damit erneut vor Augen, wie abh\u00e4ngig die eigene Armee von ausl\u00e4ndischer Technologie ist. 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