{"id":51447,"date":"2026-09-07T07:10:23","date_gmt":"2026-09-07T05:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=51447"},"modified":"2026-09-07T07:10:23","modified_gmt":"2026-09-07T05:10:23","slug":"ki-harness-angriffsflaeche-ki-agenten-51447","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/ki-harness-angriffsflaeche-ki-agenten-51447\/","title":{"rendered":"KI-Harness er\u00f6ffnet neue Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr KI-Agenten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/ki-agenten-wirtschaftlichkeit-50087\/\" title=\"KI-Agenten lohnen sich nicht f\u00fcr jeden Prozess\" data-iacss-internal=\"1\">KI-Agenten<\/a> dringen immer tiefer in Gesch\u00e4ftsprozesse ein \u2013 doch das Sicherheitsbewusstsein hinkt hinterher. Eine neue Angriffsfl\u00e4che r\u00fcckt dabei ins Zentrum: das KI-Harness. Anders als das zugrunde liegende Sprachmodell selbst ist diese Middleware das Verbindungsst\u00fcck zwischen Modell, Tools und externen Datenquellen, und damit ein lohnendes Ziel f\u00fcr Angreifer. Drei Angriffsvektoren zeichnen sich ab, die Sicherheitsverantwortliche dringend kennen sollten.<\/p>\n<h2>Die drei zentralen Angriffsvektoren<\/h2>\n<h3>1. Architektonische Vertrauensgrenzen<\/h3>\n<p>Der Novee-Forscher Meged pr\u00e4sentierte auf der <a href=\"https:\/\/www.blackhat.com\/us-24\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Black Hat USA<\/a> seine Erkenntnisse: Ihm gelang es, sich allein \u00fcber GitHub-Issues Zugang zu den offiziellen Repositories von <a href=\"https:\/\/www.anthropic.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Anthropic<\/a>, Google und <a href=\"https:\/\/openai.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">OpenAI<\/a> zu verschaffen. Die Schwachstellen waren bei den einzelnen Anbietern unterschiedlicher Natur \u2013 von Code-Execution-M\u00f6glichkeiten \u00fcber offengelegte Anmeldedaten bis hin zu schadhaften Anweisungen. Der zugrundeliegende architektonische Fehler war jedoch bemerkenswert konsistent: Eine Komponente traf eine Security-Entscheidung, der eine nachgelagerte, leistungsf\u00e4higere Komponente vertraute, ohne diese erneut zu validieren. Meged res\u00fcmiert: \u201eDas ist kein Modellversagen, sondern eines der Vertrauensgrenze.\u201c<\/p>\n<h3>2. Implementierungsentscheidungen<\/h3>\n<p>Die Forscher von Lasso Security deckten ein AI-Harness-Problem auf, das sich auch ganz ohne Programmierfehler ausnutzen l\u00e4sst. Dabei r\u00fcckt das Design des Harness in den Fokus. \u201eDasselbe LLM mit denselben Tools kann am Ende ein v\u00f6llig anderes Security-Ergebnis zutage f\u00f6rdern \u2013 je nachdem f\u00fcr welches Harness man sich entscheidet\u201c, erl\u00e4utert Sromin. Diesem Fakt seien sich viele Organisationen gar nicht bewusst: \u201eEinige behandeln das AI Harness immer noch als eine Art Durchlaufschleife \u2013 als austauschbare Verbindung zwischen dem Modell und seinen Tools.\u201c Die Untersuchungen von Lasso Security verdeutlichen, was passieren kann, wenn man ein AI Harness austauscht: Nachdem die Forscher das Harness bei einem Open-Weight-Modell substituierten, stieg die Angriffs-Erfolgsquote <strong>von einem auf 24 Prozent<\/strong>. \u201eEin KI-Harness sollte nicht willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt werden. Eine Default-Option zu w\u00e4hlen, ohne sie zu testen, bedeutet, eine folgenschwere Sicherheitsentscheidung zu treffen, ohne zu wissen, dass man eine getroffen hat\u201c, unterstreicht Sromin. Seine Empfehlung lautet daher, Harness und Modell <strong>in Kombination zu benchmarken<\/strong>.<\/p>\n<h3>3. Lieferketten-Kompromittierungen<\/h3>\n<p>Die am AI Harness h\u00e4ngende Supply Chain w\u00e4chst rasant \u2013 und wird bereits ausgenutzt, wie die Erkenntnisse von Zenity belegen, die ebenfalls auf der Black Hat USA pr\u00e4sentiert wurden. \u201eEs ist das altbekannte Supply-Chain-Problem, das nun in einer neuen Variante im Zusammenhang mit KI-Skills wieder auftaucht\u201c, so Bargury auf der Konferenz. Das alte Problem weist jedoch neue Wirkm\u00e4chtigkeit auf, denn Skills k\u00f6nnen die Umgebung ver\u00e4ndern, der KI-Agenten (wiederholt) vertrauen. So k\u00f6nnte ein Agent bei jedem Neustart wieder eine Datei in den Speicher laden, die Anweisungen dazu enth\u00e4lt, wie er sich verhalten soll. Laut den Zenity-Forschern ist es m\u00f6glich, dass sich ein schadhafter Skill selbst in den Speicher schreibt \u2013 was daf\u00fcr sorgt, dass die Malware auch nach einem Neustart wieder aktiv wird. Ein anderer malizi\u00f6ser Skill war als legitimes Anthropic-Tool getarnt. Nachdem dieser ausgef\u00fchrt wurde, l\u00f6schte er das legitime Tool und ersetzte es durch eine Version des Angreifers. Die Folge: Der KI-Agent f\u00fchrte Schadcode aus, ohne dass dies f\u00fcr den Benutzer offensichtlich wurde. Dar\u00fcber hinaus entdeckten die Sicherheitsforscher auch eine umfassende Malware-Kampagne, bei der geklonte Versionen popul\u00e4rer Open-Source-Tools heimlich modifiziert wurden, um Anmeldedaten abzugreifen. Die schadhaften Packages konnten die legitimen Versionen sogar bei den Download-Zahlen \u00fcbertreffen: Sie wurden rund 1,7 Millionen Mal heruntergeladen, bevor die Kampagne unterbunden wurde.<\/p>\n<h2>Wie CISOs das KI-Harness absichern<\/h2>\n<p>Aus diesen Erkenntnissen k\u00f6nnen CISOs und Sicherheitsentscheider im Wesentlichen drei Handlungsempfehlungen ableiten. Sie sollten identifizieren,<\/p>\n<ul>\n<li>welche KI-Harnesses bereits im Unternehmen eingesetzt werden,<\/li>\n<li>worauf diese zugreifen (d\u00fcrfen) und wie sie kontrolliert werden, sowie<\/li>\n<li>unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen, ob Sicherheitskontrollen tats\u00e4chlich funktionieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erstgenannte Punkt k\u00f6nnte schwieriger sein, als es zun\u00e4chst klingt. Schlie\u00dflich erfassen die meisten Unternehmen KI-Harnesses bislang nicht. Das beobachtet auch Cisco-Experte Santos: \u201eTeams denken in Begriffen wie Apps, Services, Pipelines oder Bots. Das AI Harness verschwindet regelm\u00e4\u00dfig in Code Repositories, SaaS-Produkten und Konfigurationsbildschirmen von Anbietern \u2013 statt ein eigenst\u00e4ndiges Asset im Sicherheitsinventar darzustellen.\u201c Selbst die Terminologie ist Santos zufolge nicht einheitlich: \u201eEin Team nutzt vielleicht die Bezeichnung \u201aAgent\u2018, ein anderes \u201aWorkflow-Assistent\u2018 und wieder ein anderes \u201aPlugin-basierte Automatisierung\u2018 \u2013 obwohl es sich in allen F\u00e4llen effektiv um ein KI-Harness handelt.\u201c<\/p>\n<p>Um entgegenzuwirken, empfiehlt der Cisco-Mann, zun\u00e4chst s\u00e4mtliche aktuellen Produktionsagenten zu inventarisieren: \u201eIm Anschluss sollte dann das jeweilige AI Harness identifiziert und inklusive aller Tools und Ressourcen, auf die es zugreift, erfasst werden. Diese Zugriffsberechtigungen reduzieren Sie dann auf das erforderliche Minimum.\u201c Santos sch\u00e4tzt, dass sich auf diese Art und Weise eine Transparenz von 60 bis 70 Prozent relativ schnell erreichen l\u00e4sst. Prototypen sowie Schatten-KI sollten daf\u00fcr in einer zweiten Phase zur\u00fcckgestellt werden.<\/p>\n<p>Ist das erledigt, geht es darum, alle Faktoren zu kontrollieren, <strong>denen das AI Harness vertraut<\/strong>: Agenten arbeiten nicht isoliert, sondern beziehen Anweisungen und Inhalte \u00fcber Tools, Plugins, Skills, Webseiten oder <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/statista-paywall-mcp-server-50232\/\" title=\"Statista \u00fcberlebt Zero-Click-\u00c4ra mit Paywall und MCP-Server\" data-iacss-internal=\"1\">MCP-Server<\/a>. Dabei verf\u00fcgen sie oft \u00fcber Zugangsdaten und Berechtigungen, die es ihnen erm\u00f6glichen, im Namen ihrer Benutzer zu handeln. Angreifer m\u00fcssen deshalb gar nicht das Modell selbst kompromittieren \u2013 eine Trust-Komponente f\u00fcr das Harness reicht bereits aus. Die <strong>Gr\u00f6\u00dfe der potenziellen Lieferkette<\/strong> unterscheidet das Problem dabei qualitativ vom herk\u00f6mmlichen Software-Abh\u00e4ngigkeitsmanagement, wie Bargury darlegt: \u201eDie Lieferkette f\u00fcr Software umfasst vielleicht zehn oder 15 Package Registries. Die f\u00fcr Agenten umfasst jeden Inhalt, jede Website, jedes CRM-Objekt, jeden Skill und jeden MCP-Server.\u201c<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich gibt es in Unternehmen also einiges zu tun. Firmen, die ohne dediziertes Budget f\u00fcr <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/openai-ki-sicherheitsmassnahmen-nach-test-hack-50916\/\" title=\"OpenAI versch\u00e4rft KI-Sicherheit nach Test-Hack\" data-iacss-internal=\"1\">KI-Sicherheit<\/a> auskommen m\u00fcssen, empfiehlt der Manager, KI-Agenten zumindest <strong>innerhalb quelloffener Containment-Tools auszuf\u00fchren<\/strong> \u2013 warnt dabei jedoch: \u201eDas kann helfen, ist aber keine dauerhafte L\u00f6sung.\u201c<\/p>\n<p>Die dritte Handlungsempfehlung h\u00e4ngt mit dem Problem zusammen, die Sicherheitsversprechen von Anbietern auf die eigene Umgebung zu \u00fcbertragen, in der ein KI-Agent dann tats\u00e4chlich ausgef\u00fchrt wird: \u201eEin Anbieter, der behauptet, 99 Prozent der Prompt Injections zu blockieren, beruft sich m\u00f6glicherweise auf einen Benchmark, der mit der Realit\u00e4t vor Ort nichts zu tun hat\u201c, erkl\u00e4rt Bargury. Unternehmen, die Agenten evaluieren, stellen also m\u00f6glicherweise die falsche Frage: Es geht nicht einfach nur darum, welches Modell am sichersten ist. Vielmehr darum, welche <strong>Kombination<\/strong> aus Modell, KI-Harness, Tools, Berechtigungen und externen Inputs unter realen Bedingungen wirklich sicher ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KI-Agenten dringen immer tiefer in Gesch\u00e4ftsprozesse ein \u2013 doch das Sicherheitsbewusstsein hinkt hinterher. Eine neue Angriffsfl\u00e4che r\u00fcckt dabei ins Zentrum: das KI-Harness. Anders als das zugrunde liegende Sprachmodell selbst ist diese Middleware das Verbindungsst\u00fcck zwischen Modell, Tools und externen Datenquellen, und damit ein lohnendes Ziel f\u00fcr Angreifer. 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