{"id":51504,"date":"2026-09-07T23:08:36","date_gmt":"2026-09-07T21:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=51504"},"modified":"2026-09-07T23:08:36","modified_gmt":"2026-09-07T21:08:36","slug":"head-mare-trueconf-backdoor-51504","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/head-mare-trueconf-backdoor-51504\/","title":{"rendered":"Head Mare ersetzt TrueConf-Installer durch Backdoor-Updates"},"content":{"rendered":"<p>Die Hacktivistengruppe \u201eHead Mare\u201c hat eine neue Angriffskette gegen die Videokonferenzl\u00f6sung TrueConf gestartet: \u00dcber ungepatchte Server gelangen die Angreifer in interne Netze und verteilen dort manipulierte Client-Installer, die mit den Backdoors PhantomCore und PhantomGraph infiziert sind. Besonders brisant ist, dass die Kompromittierung bereits bei der Serververbindung beginnt \u2013 ohne dass Nutzer eine aktive Handlung setzen m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Head Mare: TrueConf-Server als Einfallstor f\u00fcr Backdoor-Updates<\/h2>\n<p>TrueConf wird vor allem in russischen Unternehmen und Beh\u00f6rden als On-Premises-Alternative zu westlichen Diensten wie Zoom oder <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/microsoft-teams-start-desktop-client-blockiert-51355\/\" title=\"Microsoft Teams blockiert Start des Desktop-Clients unter Windows\" data-iacss-internal=\"1\">Microsoft Teams<\/a> eingesetzt. Genau diese Verbreitung machen sich die Angreifer zunutze. Nach Erkenntnissen von Kaspersky haben die Angreifer verwundbare Server kompromittiert und anschlie\u00dfend dazu missbraucht, Schadsoftware an die Nutzer der betroffenen Organisationen zu verteilen. Die Kampagne zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Statt einzelner Endger\u00e4te steht die Vertrauenskette der Softwareverteilung selbst im Visier.<\/p>\n<h3>So verlief der Einbruch in die Server<\/h3>\n<p>Die Angreifer verbanden sich \u00fcber den standardm\u00e4\u00dfig offenen TCP-Port 4307 ohne vorherige Authentifizierung mit den verwundbaren TrueConf-Servern. Zwei Schwachstellen, die Kaspersky als <strong>KLCERT-26-057<\/strong> und <strong>KLCERT-26-058<\/strong> f\u00fchrt, erm\u00f6glichten dabei ein mehrstufiges Vorgehen: Zun\u00e4chst f\u00fchrten die Angreifer ein Skript innerhalb der isolierten TrueConf-Umgebung aus. Anschlie\u00dfend gelang ihnen der Ausbruch aus der Sandbox auf das zugrunde liegende Betriebssystem der Windows-Server.<\/p>\n<p>Nach dem Sandbox-Escape verschafften sich die Angreifer <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/crowdstrike-falconflank-zero-day-gewaehrt-system-rechte\/\" title=\"CrowdStrike-FalconFlank-Zero-Day gew\u00e4hrt SYSTEM-Rechte\" data-iacss-internal=\"1\">System-Rechte<\/a> auf den betroffenen Servern. Eine Datei im TrueConf-Verzeichnis wurde durch eine Webshell ersetzt, die dauerhaften Fernzugriff sicherstellte. \u00dcber diesen Kanal sammelten die T\u00e4ter sensible Informationen aus der Umgebung, griffen auf die TrueConf-Datenbank zu und tauschten schlie\u00dflich den legitimen Client-Installer gegen eine manipulierte Variante aus. Damit hatten sie eine Position erreicht, von der aus sie jeden Nutzer der Plattform erreichen konnten.<\/p>\n<h3>Die Infektionskette bis zum Endger\u00e4t<\/h3>\n<p>Sobald sich ein Nutzer mit dem lokalen TrueConf-Server verbinden wollte, erhielt er ein nicht digital signiertes Installationspaket, das die Backdoor <strong>PhantomCore<\/strong> enthielt. Die Nutzer installierten die Datei in der Annahme, ein regul\u00e4res Update zu erhalten. Auf diese Weise verlagerte sich der Angriff von der reinen Serverkompromittierung auf alle Endger\u00e4te der Organisation. Das Risiko bleibt jedoch nicht auf Unternehmen beschr\u00e4nkt, die selbst einen betroffenen Server betreiben: Auch Mitarbeiter, die sich mit kompromittierten TrueConf-Instanzen von Gesch\u00e4ftspartnern verbinden, um an Videokonferenzen teilzunehmen, k\u00f6nnen das manipulierte Installationspaket herunterladen und ausf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich beobachtete Kaspersky den Einsatz einer zweiten Backdoor namens <strong>PhantomGraph<\/strong>. Diese kommuniziert \u00fcber ein <a href=\"https:\/\/www.microsoft.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Microsoft<\/a>-OneDrive-Konto mit den Angreifern, f\u00fchrt entfernte Befehle aus und \u00fcbermittelt die Ergebnisse zur\u00fcck. Zu den bislang beobachteten Aktivit\u00e4ten geh\u00f6ren das Auslesen von Zugangsdaten aus dem Speicher sowie umfassende Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen im kompromittierten Netzwerk.<\/p>\n<h2>Was sind PhantomCore und PhantomGraph?<\/h2>\n<p>Bei PhantomCore handelt es sich um eine Hintert\u00fcr, die \u00fcber manipulierte Installationspakete verbreitet wird und den Angreifern persistenten Zugriff auf ein kompromittiertes System gew\u00e4hrt. PhantomGraph erg\u00e4nzt diese F\u00e4higkeit um eine Steuerung \u00fcber legitime Cloud-Dienste, wodurch die Kommunikation mit der Angreifer-Infrastruktur schwerer zu erkennen ist. Beide Werkzeuge dienen nicht dem einmaligen Datendiebstahl, sondern dem dauerhaften Eindringen in die Netzwerkinfrastruktur.<\/p>\n<h2>Betroffene Versionen und verf\u00fcgbare Updates<\/h2>\n<p>Die Schwachstellen betreffen mehrere TrueConf-Server-Versionen. Administratoren sollten die folgenden Versionen pr\u00fcfen:<\/p>\n<ul>\n<li>TrueConf-Server 5.3.x vor Version 5.3.9<\/li>\n<li>TrueConf-Server 5.4.x vor Version 5.4.9<\/li>\n<li>TrueConf-Server 5.5.x vor Version 5.5.5<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Hersteller hat die korrigierten Versionen 5.3.9, 5.4.9 und 5.5.5 bereits am 18. Juni ver\u00f6ffentlicht. Unternehmen, die TrueConf einsetzen, sollten diese Updates umgehend einspielen und pr\u00fcfen, ob Anzeichen f\u00fcr eine Kompromittierung vorliegen. Auff\u00e4llig sind insbesondere nicht signierte Installationspakete, unerwartete Webshells im TrueConf-Verzeichnis und Verbindungen zu unbekannten IP-Adressen.<\/p>\n<h2>Einordnung: Die zweite Angriffswelle auf TrueConf<\/h2>\n<p>Bereits im April war eine Angriffswelle gegen TrueConf bekannt geworden. Damals nutzten Angreifer eine <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/lazarus-zero-day-backdoor\/\" title=\"Lazarus-Gruppe nutzt Windows Zero-Day f\u00fcr SYSTEM-Zugriff und Backdoor\" data-iacss-internal=\"1\">Zero-Day<\/a>aa-Schwachstelle mit der Kennung <strong>CVE-2026-3502<\/strong>, um manipulierte Client-Updates zu verteilen. Check Point hatte diese Kampagne als \u201eOperation True Chaos\u201c bezeichnet und sie vorsichtig Akteuren aus China zugeschrieben. Die nun dokumentierte Kampagne von Head Mare zeigt, dass die Videokonferenzplattform offenbar zu einem beliebten Ziel f\u00fcr unterschiedliche Bedrohungsakteure geworden ist.<\/p>\n<p>Die Hintergr\u00fcnde der Gruppe Head Mare liegen im Umfeld pro-russischer Hacktivisten, die wiederholt Ziele in NATO-Staaten und der Ukraine angegriffen haben. Kaspersky wertet die aktuelle Kampagne als Teil einer strategischen Ausrichtung auf kritische Kommunikationsinfrastruktur: Wer die Softwareverteilung kontrolliert, kontrolliert nicht nur einzelne Systeme, sondern potenziell ganze Lieferketten. F\u00fcr Organisationen au\u00dferhalb Russlands ist die Bedrohung vor allem durch gesch\u00e4ftliche Kontakte zu russischen Partnern oder durch den Betrieb von Tochtergesellschaften relevant.<\/p>\n<p>Der Vorfall unterstreicht, wie wichtig ein ganzheitlicher Patch- und Update-Prozess ist. Die reine Aktualisierung der Server reicht nicht aus, solange kompromittierte Systeme legitime Installationsroutinen missbrauchen k\u00f6nnen. Unternehmen sollten TrueConf-Installationen daher nicht nur technisch absichern, sondern auch die Integrit\u00e4t von Update-Paketen durch digitale Signaturen und interne Pr\u00fcfmechanismen sicherstellen. Angesichts der zunehmenden Angriffe auf Vertrauensketten wird dieser Aspekt zu einem zentralen Baustein der Unternehmenssicherheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hacktivistengruppe \u201eHead Mare\u201c hat eine neue Angriffskette gegen die Videokonferenzl\u00f6sung TrueConf gestartet: \u00dcber ungepatchte Server gelangen die Angreifer in interne Netze und verteilen dort manipulierte Client-Installer, die mit den Backdoors PhantomCore und PhantomGraph infiziert sind. 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