{"id":51628,"date":"2026-09-09T03:20:28","date_gmt":"2026-09-09T01:20:28","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=51628"},"modified":"2026-09-09T03:20:28","modified_gmt":"2026-09-09T01:20:28","slug":"liquid-network-hack-bitcoin-rueckgabe-51628","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/liquid-network-hack-bitcoin-rueckgabe-51628\/","title":{"rendered":"Liquid-Hacker geben 3.400 Bitcoin zur\u00fcck und behalten 47 Millionen Dollar"},"content":{"rendered":"<p>Die R\u00fcckgabe von 3.400 Bitcoin an das <a href=\"https:\/\/liquid.net\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Liquid Network<\/a> innerhalb von nur 24 Stunden nach dem spektakul\u00e4ren Angriff wirft ein grelles Licht auf die fragilen Sicherheitsmechanismen von Krypto-Seitenketten. Ungeachtet der demonstrativen R\u00fcckf\u00fchrung von etwa 265 Millionen <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/tiktok-kinderdatenschutz-einigung-49638\/\" title=\"TikTok zahlt 400 Millionen US-Dollar in US-Kinderdatenschutzklage\" data-iacss-internal=\"1\">US-Dollar<\/a> in die Federations-Wallet behalten die Angreifer knapp 600 Bitcoin im Wert von rund 47 Millionen US-Dollar ein \u2013 eine Summe, die die diffizile Grauzone zwischen White-Hat-Hacking und Erpressung offenlegt.<\/p>\n<h2>Der Angriff auf die Bitcoin-Seitenkette Liquid<\/h2>\n<p>Am Sonntag, dem 6. September, entwendeten unbekannte Angreifer nahezu 4.000 Bitcoin aus dem Liquid Network, einer Sidechain des Bitcoin-Netzwerks, die reale Bitcoin als Sicherheit f\u00fcr den Token L-BTC hinterlegt. Der Vorfall legte die gesamte Plattform lahm, sodass Inhaber von L-BTC ihre Token derzeit nicht wieder in echtes Bitcoin umwandeln k\u00f6nnen. Nach Angaben von <a href=\"https:\/\/blockstream.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Blockstream<\/a>, dem Technologieanbieter des Liquid Networks, handelte es sich bei den T\u00e4tern um sogenannte White-Hat-Hacker, die rund <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/liquid-network-verliert-95-prozent-der-reserven-durch-elements-bug-in-23-minuten\/\" title=\"Liquid Network verliert 95 Prozent der Reserven durch Elements-Bug in 23 Minuten\" data-iacss-internal=\"1\">95 Prozent der<\/a> zuvor gemeldeten Reserven von etwa 4.200 Bitcoin abzogen. Der damalige Wert der Beute belief sich auf rund <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/liquid-network-sicherheitsvorfall-51530\/\" title=\"Sicherheitsvorfall bei Liquid Network: 320 Millionen US-Dollar in Bitcoin weg\" data-iacss-internal=\"1\">320 Millionen US-Dollar<\/a>.<\/p>\n<h3>Die spektakul\u00e4re R\u00fcckf\u00fchrung der Gelder<\/h3>\n<p>Bereits am darauffolgenden Montag, dem 7. September, um 16:09 Uhr UTC, sendeten die Angreifer 3.400 Bitcoin an eine bekannte Liquid-Federation-Adresse zur\u00fcck. Die Transaktion ist im \u00f6ffentlichen Bitcoin-Blockchain-Explorer <a href=\"https:\/\/mempool.space\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Mempool.space<\/a> einsehbar. Bei den nicht zur\u00fcckgegebenen 598,5 Bitcoin handelt es sich laut Blockchain-Analysen nicht um eine separate Zahlung, sondern um das Wechselgeld derselben Transaktion, das an die urspr\u00fcngliche Absenderadresse zur\u00fcckgesandt wurde. Diese Adresse war auch am 8. September noch nicht wieder angetastet worden.<\/p>\n<p>Der Gesamtwert der zur\u00fcckgegebenen Bitcoin belief sich bei einem Kurs von etwa 78.000 US-Dollar pro Coin auf rund 265 Millionen Dollar. Die einbehaltenen 598,5 Bitcoin repr\u00e4sentieren einen Gegenwert von knapp 47 Millionen Dollar. Weder Blockstream noch das Liquid Network haben \u00f6ffentlich best\u00e4tigt, ob diese Summe Teil einer vorherigen Vereinbarung mit den Hackern ist.<\/p>\n<h4>White-Hats oder Erpresser? Die Kommunikation auf der Blockchain<\/h4>\n<p>Die Kommunikation zwischen den Angreifern und dem Liquid-Team spielte sich direkt auf der Bitcoin-Blockchain ab. In einer fr\u00fchen Transaktion hinterlie\u00dfen die Hacker die Nachricht: \u201eWe are whitehats. contact us on chain.\u201c (\u201eWir sind White-Hats. Kontaktiert uns on chain.\u201c). Laut \u00fcbereinstimmenden Medienberichten verlangte die Gruppe, dass der entdeckte Sicherheitsfehler behoben und s\u00e4mtliche Knoten des Netzwerks aktualisiert werden m\u00fcssten, bevor sie die Gelder zur\u00fcckgeben w\u00fcrden. Blockstream antwortete mit einer signierten Nachricht, dass die Bridge-Nodes gepatcht und die Gelder sicher zur R\u00fcckgabe seien.<\/p>\n<p>Eine weitere Transaktion, best\u00e4tigt um 15:31 UTC am 7. September, sandte 1.000 Satoshis (0,00001 Bitcoin) an die Federation-Adresse, begleitet von einer PGP-verschl\u00fcsselten Nachricht. Der Inhalt dieser Nachricht ist nicht \u00f6ffentlich. Nur 38 Minuten sp\u00e4ter folgte die R\u00fcck\u00fcberweisung der 3.400 Bitcoin.<\/p>\n<h2>Technische Schwachstelle im Peg-Out-Mechanismus<\/h2>\n<p>Der Zugriff auf die Gelder erfolgte \u00fcber den sogenannten SideSwap-Peg-Out-Authorization-Key. Hierbei handelt es sich um einen der kryptografischen Schl\u00fcssel, die ben\u00f6tigt werden, um Bitcoin aus der Sidechain freizugeben und auf die Haupt-Blockchain zu transferieren. Ein Peg-Out vernichtet L-BTC auf der Sidechain und gibt die entsprechenden Bitcoin auf der Hauptkette frei. Blockstream betonte, dass dieser spezielle Schl\u00fcssel nicht kompromittiert worden sei, ebenso wenig wie andere Schl\u00fcssel.<\/p>\n<p>Die eigentliche Ursache lag laut SideSwap in einem Software-Fehler in Elements \u2013 der zugrundeliegenden Software, auf der Liquid l\u00e4uft. Der Bug habe es erm\u00f6glicht, die f\u00fcr den Peg-Out ben\u00f6tigten L-BTC zu erzeugen, ohne dass diese tats\u00e4chlich durch reale Bitcoin gedeckt waren. SideSwap erkl\u00e4rte ausdr\u00fccklich, dass weder seine Systeme noch der verwendete Autorisierungsschl\u00fcssel gehackt worden seien. Blockstream selbst hat die genaue Natur des Fehlers weder in seiner Incident-Meldung noch in den Status-Updates detailliert beschrieben.<\/p>\n<h3>Die Reaktion des Liquid-Teams und Ausblick<\/h3>\n<p>Blockstream gab an, aktualisierte Software bereitgestellt zu haben, und die Mitglieder der Federation bereiten einen koordinierten Neustart des Netzwerks vor. Samson Mow, CEO von JAN3 und ehemaliger Blockstream-Manager, best\u00e4tigte, dass Blockstream weiterhin in Kontakt mit der Hackergruppe stehe. Er warnte Nutzer davor, Bitcoin an die Peg-In-Adressen von Liquid zu senden, bis der Restart best\u00e4tigt sei. Diese Adressen werden ben\u00f6tigt, um neues L-BTC zu schaffen.<\/p>\n<p>Bis zum 8. September war der Status des Netzwerks weiterhin als \u201eaktiv\u201c mit heruntergefahrenen \u00f6ffentlichen Bridge-Nodes gelistet. Eine Aktualisierung der Status-Seite bez\u00fcglich der R\u00fcckgabe der Gelder erfolgte nicht. Blockstream stellte klar, dass andere auf Liquid ausgegebene Verm\u00f6genswerte wie USDT und DePix von dem Vorfall nicht betroffen sind.<\/p>\n<h4>Die kontroverse Bewertung der Aktion<\/h4>\n<p>Die Selbstbezeichnung der Angreifer als White-Hats st\u00f6\u00dft in der Branche auf Skepsis. Charles Guillemet, Chief Technology Officer des Hardware-Wallet-Herstellers Ledger, wies die Einordnung der Hacker als ethisch handelnde Sicherheitsforscher entschieden zur\u00fcck. Er argumentierte, dass die Einbehaltung von rund 600 Bitcoin, die offenbar als Belohnung f\u00fcr die Aufdeckung des Bugs und die R\u00fcckf\u00fchrung der Gelder verhandelt wurde, weit mehr nach Erpressung als nach verantwortungsvoller Offenlegung einer Schwachstelle klinge. Diese Einsch\u00e4tzung verdeutlicht die fragile ethische Architektur, die den DeFi-Sektor durchzieht \u2013 wo der Grat zwischen produktiver Sicherheitsarbeit und krimineller Bereicherung schmal ist.<\/p>\n<p>Der Vorfall auf dem Liquid Network wirft fundamentale Fragen nach der Sicherheitsarchitektur von Bitcoin-Seitenketten auf. Dass ein einziger Software-Fehler in der Sidechain dazu f\u00fchren konnte, dass fast der gesamte Bestand an realen Bitcoin entwendet wurde, untergr\u00e4bt das Vertrauen in die technische Robustheit solcher Systeme. Die R\u00fcckgabe von 85 Prozent der gestohlenen Gelder mag zun\u00e4chst wie ein positives Ergebnis erscheinen, doch der dauerhafte Verlust von fast 50 Millionen Dollar und die Vorenthaltung der konkreten technischen Details durch Blockstream lassen Zweifel daran, ob das Liquid Network seine urspr\u00fcngliche Mission \u2013 ein vertrauensw\u00fcrdiges und sicheres zweites Layer f\u00fcr Bitcoin zu sein \u2013 tats\u00e4chlich erf\u00fcllen kann. Die anstehende Wiederinbetriebnahme wird zeigen, ob die Federation das Vertrauen der Nutzer zur\u00fcckgewinnen kann oder ob die Sidechain dauerhaft unter dem Schatten dieser beispiellosen Sicherheitsl\u00fccke stehen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die R\u00fcckgabe von 3.400 Bitcoin an das Liquid Network innerhalb von nur 24 Stunden nach dem spektakul\u00e4ren Angriff wirft ein grelles Licht auf die fragilen Sicherheitsmechanismen von Krypto-Seitenketten. 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