{"id":53236,"date":"2026-09-14T12:21:24","date_gmt":"2026-09-14T10:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=53236"},"modified":"2026-09-14T12:21:24","modified_gmt":"2026-09-14T10:21:24","slug":"revolut-datenleck-passkopien-kontodaten-53236","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/revolut-datenleck-passkopien-kontodaten-53236\/","title":{"rendered":"Revolut gibt Datenleck mit Passkopien und Kontodaten preis"},"content":{"rendered":"<p>Das Fintech-Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.revolut.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Revolut<\/a> hat einen schwerwiegenden Datenvorfall offengelegt: Unbekannte Angreifer haben sich als Regierungsbeh\u00f6rde ausgegeben und auf diesem Wege pers\u00f6nliche Daten einer bislang ungenannten Zahl von Kunden erbeutet. Betroffen sind nach Unternehmensangaben neben Ausweiskopien auch umfangreiche Kontoinformationen und Transaktionshistorien.<\/p>\n<h2>Betrug per E-Mail: Wie die Angreifer an die sensiblen Daten gelangten<\/h2>\n<p>Revolut, das in mehr als 160 L\u00e4ndern aktiv ist und weltweit <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/gta-vi-ueber-80-stunden-spielzeit-50283\/\" title=\"Grand Theft Auto VI bringt \u00fcber 80 Stunden Spielzeit\" data-iacss-internal=\"1\">\u00fcber 80<\/a> Millionen Kunden sowie 800.000 Gesch\u00e4ftskunden betreut, best\u00e4tigte den Vorfall in Benachrichtigungen an die betroffenen Nutzer. Den Angaben zufolge kontaktierten die T\u00e4ter das Unternehmen per E-Mail und gaben sich als Vertreter einer legitimen Regierungsbeh\u00f6rde aus. Der entscheidende Trick: Die Nachricht wurde \u00fcber die offizielle E-Mail-Domain der Beh\u00f6rde versendet und trug g\u00fcltige Authentifizierungsmerkmale. Dadurch erschien die Anfrage als seri\u00f6se beh\u00f6rdliche Aufforderung zur Herausgabe von Kundendaten \u2013 ein Vorgehen, das in der Branche als <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/ringcentral-social-engineering-angriff-51084\/\" title=\"RingCentral Hack: Social Engineering stiehlt 1,6 Mio. Konten\" data-iacss-internal=\"1\">Social Engineering<\/a> bekannt ist und auf das Vertrauen in offizielle Kommunikationswege abzielt.<\/p>\n<p>\u201eRevolut hat eine Anfrage nach Kundeninformationen erhalten, die von einer legitimen Regierungsbeh\u00f6rde zu stammen schien. Die Anfrage kam von einem nicht autorisierten E-Mail-Konto, das direkt \u00fcber die offizielle E-Mail-Domain der Regierungsbeh\u00f6rde versendet wurde&#8220;, erkl\u00e4rte das Unternehmen gegen\u00fcber den betroffenen Kunden. \u201eDa die Kommunikation g\u00fcltige Domain-Authentifizierungsdaten trug, wurde sie in der berechtigten Annahme erf\u00fcllt, dass es sich um eine authentische Anfrage einer Regierungsbeh\u00f6rde handelte.&#8220; Genau diese Schwachstelle \u2013 das Fehlen einer zus\u00e4tzlichen Verifizierung bei ungew\u00f6hnlichen, aber formal korrekten Anfragen \u2013 machten sich die Angreifer zunutze.<\/p>\n<h2>Welche Daten genau betroffen sind<\/h2>\n<p>Die an die T\u00e4ter \u00fcbermittelten Datens\u00e4tze umfassen eine breite Palette hochsensibler Informationen. Konkret handelt es sich um Identit\u00e4tsdaten der betroffenen Personen wie vollst\u00e4ndiger Name, Geburtsdatum und Beruf. Hinzu kommen Kontaktdaten einschlie\u00dflich Postanschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Besonders kritisch ist jedoch der Abruf von Dokumenten- und Verifikationsdaten: Darunter fallen Kopien von Ausweisdokumenten wie Reisepass oder F\u00fchrerschein sowie biometrische Selfies, die Kunden im Rahmen des Know-Your-Customer-Verfahrens (KYC) bei der Kontoer\u00f6ffnung eingereicht hatten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gelangten die Angreifer an finanzielle Details. Dazu z\u00e4hlen Kontoausz\u00fcge mit IBAN-Nummern, Abhebungsbelege sowie vollst\u00e4ndige Transaktionshistorien \u2013 einschlie\u00dflich s\u00e4mtlicher Bitcoin-Transaktionen. Diese Kombination aus Identit\u00e4ts- und Finanzdaten birgt ein erhebliches Missbrauchspotenzial, etwa f\u00fcr Identit\u00e4tsdiebstahl, betr\u00fcgerische Kontoer\u00f6ffnungen oder gezielte Phishing-Angriffe auf die Betroffenen.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage von <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Reuters<\/a> best\u00e4tigte Revolut, dass die Zahl der betroffenen Kunden \u201esehr begrenzt&#8220; sei, ohne jedoch eine konkrete Zahl zu nennen. Das Unternehmen betonte: \u201eDie Systeme von Revolut und die Kundengelder sind nicht betroffen. Nach der Erkennung haben wir die Adresse umgehend blockiert und die zust\u00e4ndige Regierungsbeh\u00f6rde sowie Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, Datenschutzbeh\u00f6rden und Finanzaufsichtsbeh\u00f6rden informiert.&#8220;<\/p>\n<h3>Gezielter Angriff auf verm\u00f6gende Nutzer?<\/h3>\n<p>Der unabh\u00e4ngige Krypto-Betrugsermittler ZachXBT \u00e4u\u00dferte sich am Wochenende in seinem Telegram-Kanal zu dem Vorfall. Er erkl\u00e4rte, dass der Bruch zwar wahrscheinlich nur eine begrenzte Anzahl von Revolut-Kunden betreffe, es aber so aussehe, \u201eals sei er gezielt auf Personen mit hohem Verm\u00f6gen ausgerichtet gewesen&#8220;. Diese Einsch\u00e4tzung deutet darauf hin, dass die T\u00e4ter nicht wahllos Daten abgriffen, sondern spezifische Konten ausw\u00e4hlten, bei denen eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Geldbetr\u00e4ge oder wertvolle Krypto-Best\u00e4nde bestand. Eine offizielle Best\u00e4tigung dieser Vermutung durch Revolut steht bislang aus; das Unternehmen \u00e4u\u00dferte sich auf Nachfrage von BleepingComputer zun\u00e4chst nicht zu weiteren Details des Vorfalls.<\/p>\n<h2>Kein Einzelfall: Revolut k\u00e4mpft erneut mit einem Datenleck<\/h2>\n<p>Der aktuelle Vorfall ist nicht der erste dieser Art in der Geschichte des Unternehmens. Bereits im September 2022 hatte Revolut einen Hack offengelegt, bei dem Angreifer die pers\u00f6nlichen, Kontakt- und Finanzdaten von 50.150 Kunden gestohlen hatten. Schon damals folgte eine Welle von <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/trezor-warnt-vor-phishing-angriffen-auf-347-000-kunden\/\" title=\"Trezor warnt vor Phishing-Angriffen auf 347.000 Kunden\" data-iacss-internal=\"1\">Phishing-Angriffen<\/a>, die gezielt auf die betroffenen Nutzer abzielte, um weitere Zugangsdaten zu erlangen oder betr\u00fcgerische Transaktionen auszul\u00f6sen. Die Wiederholung eines solchen Vorfalls innerhalb von vier Jahren wirft Fragen zur Robustheit der internen Sicherheits- und Verifikationsprozesse auf, insbesondere im Umgang mit eingehenden Anfragen von externen Stellen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kunden bedeutet das Datenleck in erster Linie ein erh\u00f6htes Risiko. Die Kombination aus Ausweiskopien, biometrischen Selfies und vollst\u00e4ndigen Transaktionshistorien ist ein nahezu perfektes Paket f\u00fcr Identit\u00e4tsbetrug. Betroffene sollten umgehend ihre Kontoaktivit\u00e4ten \u00fcberwachen, verd\u00e4chtige Transaktionen melden und wachsam gegen\u00fcber unaufgeforderten Kontaktaufnahmen sein, die angeblich von Revolut oder anderen Finanzinstituten stammen. Besondere Vorsicht gilt bei E-Mails oder Anrufen, die nach weiteren pers\u00f6nlichen Daten oder Zugangscodes fragen \u2013 seri\u00f6se Unternehmen fordern solche Informationen niemals unaufgefordert an.<\/p>\n<h3>Was Kunden jetzt tun sollten und welche Fragen offen bleiben<\/h3>\n<p>Revolut hat die betroffenen Kunden nach eigenen Angaben direkt per E-Mail informiert. Kunden, die unsicher sind, ob ihr Konto betroffen ist, k\u00f6nnen den support direkt kontaktieren. Dar\u00fcber hinaus empfiehlt es sich, die eigenen Ausweisdokumente im Auge zu behalten: Sollten Kopien in falsche H\u00e4nde geraten, kann dies \u2013 je nach Land \u2013 die Beantragung neuer Dokumente oder zumindest eine Meldung bei den Beh\u00f6rden erforderlich machen. Auch die \u00dcberwachung der eigenen Bonit\u00e4t und gegebenenfalls die Einrichtung einer Bonit\u00e4tsauskunftssperre k\u00f6nnen sinnvolle Schritte sein.<\/p>\n<p>Offen bleiben derweil mehrere Fragen. So ist unklar, wie viele Kunden exakt betroffen sind, welche konkrete Regierungsbeh\u00f6rde als Tarnung diente und wie lange die Angreifer bereits Zugriff auf die Daten hatten, bevor der Vorfall entdeckt wurde. Ebenso wenig hat Revolut bislang kommuniziert, ob es Hinweise auf eine missbr\u00e4uchliche Verwendung der erbeuteten Daten gibt. Die zust\u00e4ndigen Aufsichtsbeh\u00f6rden d\u00fcrften diese Punkte im Rahmen ihrer Untersuchungen kl\u00e4ren.<\/p>\n<h2>Ein Weckruf f\u00fcr die Branche und die Lehren aus dem Vorfall<\/h2>\n<p>Der Vorfall bei Revolut zeigt exemplarisch, dass auch moderne Finanztechnologie-Unternehmen anf\u00e4llig f\u00fcr klassische Social-Engineering-Angriffe sind \u2013 selbst wenn die technische Infrastruktur grunds\u00e4tzlich sicher ist. Die T\u00e4ter nutzten eine Schwachstelle im menschlichen und prozessualen Bereich: das Vertrauen in offizielle Kommunikationswege. F\u00fcr die gesamte Branche ergibt sich daraus die klare Aufgabe, interne Abl\u00e4ufe zur Verifikation von Drittanfragen zu \u00fcberdenken. Eine reine Domain-Pr\u00fcfung reicht offensichtlich nicht aus. Vielmehr sollten Unternehmen bei Anfragen nach sensiblen Kundendaten zus\u00e4tzliche Sicherheitsstufen implementieren, etwa einen R\u00fcckruf bei der anfragenden Beh\u00f6rde \u00fcber offizielle, unabh\u00e4ngig ermittelte Kan\u00e4le oder eine Zwei-Personen-Kontrolle innerhalb des Unternehmens.<\/p>\n<p>Der Fall d\u00fcrfte zudem die Diskussion \u00fcber den Umgang mit Biometrie-Daten befeuern. W\u00e4hrend solche Verfahren bei der Kontoer\u00f6ffnung den Komfort und die Sicherheit erh\u00f6hen sollen, zeigen Vorf\u00e4lle wie dieser, wie wertvoll und angreifbar diese Daten in falschen H\u00e4nden sind. Anders als ein Passwort k\u00f6nnen biometrische Merkmale nicht einfach ge\u00e4ndert werden. Finanzinstitute stehen daher vor der Herausforderung, die Vorteile solcher Technologien gegen die langfristigen Risiken f\u00fcr die Kunden abzuw\u00e4gen \u2013 und gleichzeitig die Prozesse hinter den Kulissen so weit zu h\u00e4rten, dass Anfragen von au\u00dfen keinerlei Angriffsfl\u00e4che mehr bieten. Revolut wird sich diesen Fragen ebenso stellen m\u00fcssen wie die Aufsichtsbeh\u00f6rden, die den Umgang mit personenbezogenen Daten in der Finanzbranche k\u00fcnftig wom\u00f6glich strenger regulieren werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fintech-Unternehmen Revolut hat einen schwerwiegenden Datenvorfall offengelegt: Unbekannte Angreifer haben sich als Regierungsbeh\u00f6rde ausgegeben und auf diesem Wege pers\u00f6nliche Daten einer bislang ungenannten Zahl von Kunden erbeutet. Betroffen sind nach Unternehmensangaben neben Ausweiskopien auch umfangreiche Kontoinformationen und Transaktionshistorien. 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