{"id":53252,"date":"2026-09-14T16:14:46","date_gmt":"2026-09-14T14:14:46","guid":{"rendered":"https:\/\/overcentral.com\/de\/?p=53252"},"modified":"2026-09-14T16:14:46","modified_gmt":"2026-09-14T14:14:46","slug":"chesscom-datenleck-scraping-53252","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/overcentral.com\/de\/chesscom-datenleck-scraping-53252\/","title":{"rendered":"Chess.com: Scraper sammeln 4,7 Millionen Datens\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p>Der Cybervorfall bei <a href=\"https:\/\/www.chess.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Chess.com<\/a> hat eine neue Dimension erreicht: Das <a href=\"https:\/\/haveibeenpwned.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-iacss-external=\"1\">Have-I-Been-Pwned-Projekt<\/a> (HIBP) hat rund 4,7 Millionen eindeutige Datens\u00e4tze der Online-Schachplattform in seine Datenbank aufgenommen. Die Informationen wurden offenbar durch systematisches Scraping von der Webseite abgegriffen und anschlie\u00dfend in einem Untergrundforum kostenlos ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr die betroffenen Nutzer bedeutet dies ein erh\u00f6htes Risiko gezielter <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/cloud-phishing-microsoft-365-angriffe-50577\/\" title=\"390.000 Phishing-Angriffe nutzen Cloud-Dienste f\u00fcr Microsoft-365-Diebstahl\" data-iacss-internal=\"1\">Phishing-Angriffe<\/a>.<\/p>\n<h2>Hintergrund des Datenlecks: 7,3 Millionen Zeilen und 4,7 Millionen E-Mail-Adressen<\/h2>\n<p>Projektbetreiber Troy Hunt best\u00e4tigte die Aufnahme der kompromittierten Daten in den HIBP-Fundus. Die Sammlung umfasst insgesamt 7,3 Millionen Zeilen, enth\u00e4lt jedoch lediglich 4,7 Millionen eindeutige E-Mail-Adressen. Neben den E-Mail-Adressen fanden sich in den Daten User-Namen, vollst\u00e4ndige Namen, L\u00e4nderangaben sowie Kontoinformationen von Chess.com. Die Datei mit einem Volumen von 15,5 Gigabyte wurde zwischen dem 26. Juli und dem 3. August 2026 gesammelt und am 12. August <a href=\"https:\/\/overcentral.com\/de\/chaos-communication-congress-2026-messehallen-hamburg-53010\/\" title=\"Chaos Communication Congress zieht 2026 in Messehallen um\" data-iacss-internal=\"1\">2026 in<\/a> einem Untergrundforum zum Download bereitgestellt \u2013 ohne L\u00f6segeldforderung.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist die Analyse der bereits bekannten Daten: 99 Prozent der E-Mail-Adressen waren HIBP zufolge bereits in anderen Datenlecks aufgetaucht. Diese hohe \u00dcberschneidung st\u00fctzt die Theorie, dass die Informationen nicht durch einen Einbruch in die Server von Chess.com erlangt wurden, sondern durch Scraping \u2013 also das programmatische Auslesen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Daten. Die T\u00e4ter haben keine Sicherheitsl\u00fccken ausgenutzt, sondern lediglich die von der Plattform bereitgestellten Informationen in gro\u00dfem Umfang kopiert.<\/p>\n<h2>Wie Scraping funktioniert und warum es gef\u00e4hrlich ist<\/h2>\n<p>Scraping bezeichnet das automatisierte Extrahieren von Daten aus Webseiten oder deren Schnittstellen (APIs). Dabei werden keine Passw\u00f6rter geknackt oder verschl\u00fcsselte Verbindungen umgangen. Stattdessen nutzen die Angreifer die Tatsache, dass viele Plattformen Nutzerinformationen standardm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentlich machen \u2013 oder dies zumindest in den Standardeinstellungen vorshen. Bei Chess.com handelt es sich um Profildaten, die f\u00fcr die Spielfindung und Community-Funktionen ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Die Gefahr liegt im Kontext der Daten. Da die Sammlung eindeuig mit dem Thema Schach verbunden ist, k\u00f6nnen Kriminelle gezielt Phishing-Nachrichten erstellen, die auf das Interesse der Betroffenen abzielen. Ein L\u00f6schversuch per E-Mail mit dem Betreff &#8222;Ihr Chess.com-Konto wurde gespert&#8220; hat eine ganz andere Trefferquote als eine generische Betrugs-Mail. Zudem lassen sich aus den gesammelten Namen, L\u00e4ndern und Kontoinformationen Profile erstellen, die f\u00fcr soziale Manning-Angriffe genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Parallelen zum WhatsApp-Scraping und Lehren f\u00fcr Nutzer<\/h2>\n<p>Der Vorfall steht in einer Reihe mit \u00e4hnlichen Scraping-Angriffen auf gro\u00dfe Plattformen. Erst im November 2024 wurde bekannt, dass IT-Forscher aus \u00d6sterreich rund 3,5 Milliarden Datens\u00e4tze von WhatsApp durch Scraping abziehen konnten \u2013 ebenfalls ohne die Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselug zu umgehen. Bei WhatsApp hatten die Nutzer in 30 Prozent der F\u00e4lle selbst Informationen im \u201eInfo\u201c-Feld angegeben, die politische Einstellungen, sexuelle oder religi\u00f6se Orientierung, aber auch E-Mail-Adressen und Links zu sozialen Netwerken enthielten. Das Muster ist identisch: Die Daten waren \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, wurden aber in einer Weise aggregiert, die die Privatsph\u00e4re massiv gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>F\u00fcr Chess.com-Nutzer bedeutet dies: Sie sollten dringend \u00fcbepr\u00fcfen, welche Informationen sie in ihrem Profil \u00f6ffentlich gemacht haben. Dazu geh\u00f6ren der angezeigte Name, das Land, aber auch anere Angaben, die f\u00fcr die Spielfindung oder Ranglisten sichtbar sind. Viele Plattformen bieten in den Einstellungen die M\u00f6glichkeit, die Sichtbarkeit von Profildaten einzuschr\u00e4nken. Auch die Verwendung einer Wegwerf-E-Mail-Adresse f\u00fcr die Registrierung kann das Risiko reduzieren. Grunds\u00e4tzlich gilt: Jede Information, die \u00f6ffentlich im Web verf\u00fcgbar ist, kann gescrapt werden \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob die Plattform selbst sicher ist oder nicht.<\/p>\n<h2>Was das f\u00fcr die Cybersicherheit bedeutet<\/h2>\n<p>Scraping-Angriffe stellen eine besondere Herausforderung dar, weil sie keine klassischen Sicherheitsl\u00fccken ausnutzen. Die Verantwortung liegt teils bei den Plattformbetreibern, die durch Ratenbegrenzungen (Rate Limiting), Captchas und strengere API-Richtlinien das massenhafte Auslesen erschweren m\u00fcssen. Teils liegt sie aber auch bei den Nutzern selbst, die ein Bewusstsein daf\u00fcr entwickeln m\u00fcssen, welche Daten sie preisgeben. Der Vorfall bei Chess.com zeigt einmal mehr, dass die Grenze zwischen \u00f6ffentlich und privat im digitalen Raum oft unscharf ist \u2013 und dass ein Datenleck nicht immer einen Hackerangriff voraussetzt. Die Betroffenen sollten sich dar\u00fcber im Klaren sein, dass ihre Schachvorliebe nun Teil eines Datensatzes ist, der gezielt f\u00fcr Betrug genutzt werden kann. Eine wachsame Pr\u00fcfung eingehender Nachrichten und die Nutzung von Zwei-Faktor-Authentifizierung sind daher dringend empfehlenswert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Cybervorfall bei Chess.com hat eine neue Dimension erreicht: Das Have-I-Been-Pwned-Projekt (HIBP) hat rund 4,7 Millionen eindeutige Datens\u00e4tze der Online-Schachplattform in seine Datenbank aufgenommen. Die Informationen wurden offenbar durch systematisches Scraping von der Webseite abgegriffen und anschlie\u00dfend in einem Untergrundforum kostenlos ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr die betroffenen Nutzer bedeutet dies ein erh\u00f6htes Risiko gezielter Phishing-Angriffe. 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