Die Zeiten günstiger Hardware-Upgrades scheinen vorerst vorbei: RAM und SSDs verteuern sich seit Monaten spürbar, und nach Einschätzung von Branchengrößen wird sich dieser Trend bis mindestens 2028 fortsetzen. Grund dafür ist die explosionsartig steigende Nachfrage nach KI-Servern, die immense Kapazitäten der globalen Speicherproduktion bindet. Für PC-Spieler und Enthusiasten bedeutet dies eine anhaltend schwierige Marktlage.
KI-Boom verschlingt die Hälfte der weltweiten Speicherproduktion
Die Ursache der Preisrallye liegt in der rasant wachsenden Künstlichen Intelligenz. Laut Gerry Chen, CEO von Team Group, entfällt inzwischen rund 40 bis 50 Prozent des gesamten Speichermarktes auf KI-bezogene Anwendungen. Betroffen sind sowohl DRAM – die Technologie hinter RAM – als auch NAND-Flash, der in SSDs zum Einsatz kommt. Die geplanten Produktionskapazitäten für die Jahre 2026 und 2027 seien bereits im Voraus weitgehend vergeben, so Chen. Das bedeutet: Wer jetzt auf günstige Speicherpreise hofft, dürfte enttäuscht werden.
Wann stabilisieren sich die Preise für RAM und SSDs?
Aktuell zeichnet sich ab, dass die Engpässe noch über Jahre bestehen bleiben. Chen rechnet damit, dass die Versorgungsknappheit mindestens bis 2028 anhalten wird. Solange die KI-Industrie und Rechenzentren ihre Nachfrage weiter steigern, bleibt für den regulären Endkundenmarkt weniger Ware übrig. Hersteller haben kaum Anreize, die Produktion kurzfristig umzustellen, da die Margen im Servergeschäft deutlich höher ausfallen.
Server-Hardware als Preistreiber für Endverbraucher
Die Preissteigerungen im Serverbereich sind drastisch: Branchenbeobachter berichten von einem Kostenanstieg von rund 30 Prozent pro Quartal für entsprechende Hardware. Sollte sich dieses Tempo fortsetzen, könnten auch Consumer-Komponenten wie DDR5aaa-RAM oder NVMe-SSDs ähnlich starke Sprünge erleben. Schon jetzt sind Mainstream-Upgrades deutlich teurer als noch vor zwei Jahren. Die klassische PC-Bastler-Strategie, auf den nächsten Preisrutsch zu warten, geht in diesem Umfeld nicht mehr auf.
Warum der AI-Boom den Speichermarkt so stark verändert
Der Zusammenhang zwischen KI und Speicherpreisen ist technisch gut erklärbar. Große Sprachmodelle und Trainingscluster benötigen enorme Mengen an schnellem DRAM und hochkapazitiven SSDs. Jeder einzelne KI-Server ist mit mehreren Terabyte RAM und Dutzenden Terabyte an NAND-Speicher bestückt. Multipliziert man dies mit der Vielzahl neuer Rechenzentren weltweit, wird klar, warum die Produktion kaum hinterherkommt. Die Halbleiterindustrie hat in den vergangenen Jahren zudem nur begrenzt neue Fertigungskapazitäten aufgebaut, was die aktuelle Misere zusätzlich verschärft.
Welche Komponenten sind besonders betroffen?
- DDR5-RAM: Die Preise für moderne Arbeitsspeicher-Kits sind im Jahresvergleich um 20 bis 30 Prozent gestiegen. High-End-Modelle mit hohen Taktraten und knappen Timings sind besonders teuer.
- NVMe-SSDs: Auch hier zeigen die Preise nach oben. Modelle mit hoher Kapazität und PCIe-4.0- oder PCIe-5.0-Anbindung werden aufgrund der NAND-Knappheit spürbar teurer.
- Server-DRAM und Enterprise-SSDs: Diese Komponenten sind am stärksten von den Engpässen betroffen, da sie direkt in KI-Clustern verbaut werden und Hersteller bevorzugt beliefern.
Wie sich PC-Spieler und Enthusiasten jetzt verhalten sollten
Angesichts der anhaltenden Preissteigerung stellt sich die Frage nach der richtigen Strategie. Ein Abwarten auf niedrigere Preise erscheint angesichts der Prognosen bis 2028 wenig erfolgversprechend. Wer ein Upgrade plant, sollte daher gezielt nach Angeboten suchen und gegebenenfalls auf etwas ältere Technologien wie DDR4 oder PCIe-3.0-SSDs ausweichen, sofern das System dies unterstützt. Auch der Kauf von Komplettsystemen statt Einzelkomponenten kann sich lohnen, da Hersteller hier oft bessere Einkaufskonditionen erhalten. Wichtig ist jedoch, nicht in Panik zu verfallen: Die Preise steigen zwar, aber die Versorgung ist nicht vollständig zum Erliegen gekommen. Mit einer durchdachten Kaufentscheidung und etwas Geduld lassen sich auch in diesem Marktumfeld noch gute Deals finden.