CNN verklagt Perplexity wegen massiver Urheberrechtsverletzung

Der US-Sender CNN verklagt die KI-Suchmaschine Perplexity wegen der Nutzung von über 17.000 Inhalten ohne Lizenz.

CNN reicht die erste Klage eines großen Fernsehnetzwerks gegen ein KI-Unternehmen ein.
Highlights
  • CNN hat wegen der Nutzung von über 17.000 Inhalten ohne Lizenz eine Urheberrechtsklage gegen Perplexity eingereicht.
  • Die Klage folgt auf gescheiterte Lizenzverhandlungen und ist Teil einer weltweiten Welle von Rechtsstreitigkeiten gegen Perplexity.
  • Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Nutzung journalistischer Inhalte durch KI-Unternehmen auf.

Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN hat am 28. Mai 2026 beim Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York eine Urheberrechtsklage gegen die KI-Suchmaschine Perplexity eingereicht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, mehr als 17.000 Inhalte – darunter Artikel, Fotos und Videos – ohne Erlaubnis kopiert und für eigene KI-Produkte genutzt zu haben. Es ist die erste Klage eines großen Fernsehnetzwerks gegen einen KI-Konzern und markiert eine neue Eskalationsstufe im Kampf zwischen Medienhäusern und Künstlicher Intelligenz. Der Fall zeigt, wie tief der Riss zwischen den Verlagen und der Technologiebranche inzwischen ist.

Die gescheiterten Lizenzverhandlungen als Auslöser

Der Klage vorausgegangen waren gescheiterte Gespräche über einen Content-Lizenzvertrag. CNN zufolge hatte Perplexity bereits 2025 Verhandlungen aufgenommen, doch die Parteien konnten sich über die Nutzungsbedingungen nicht einigen. In der Klageschrift heißt es, Perplexity sei sich sowohl vor als auch nach den Verhandlungen bewusst gewesen, keine Berechtigung zu besitzen, auf die CNN-Inhalte zuzugreifen und die Marke des Senders zu verwenden. „Nachdem die Verhandlungen gescheitert waren, wusste Perplexity, dass es kein Recht hatte, auf unsere Inhalte zuzugreifen und unsere Marke zu nutzen“, zitierte CNN in der Klageschrift. Die Position des Senders ist kompromisslos: Ein Unternehmen mit einem Marktwert von mehreren zehn Milliarden Dollar könne nicht einfach bei den Produzenten originärer Inhalte stehlen. Wer kommerziell von fremden Inhalten profitiere, müsse zahlen – wenn nicht über einen Lizenzvertrag, dann über Schadensersatz vor Gericht.

Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders. Jesse Dwyer, Chief Communications Officer von Perplexity, konterte kurz und knapp: „Auf Tatsachen gibt es kein Urheberrecht.“ Diese Aussage ist juristisch nicht ganz falsch – Tatsachen als solche sind tatsächlich nicht urheberrechtlich geschützt. Der Streit dreht sich jedoch nicht um nackte Fakten, sondern um die Art und Weise, wie Perplexity diese Fakten aufbereitet und präsentiert. Die Medienhäuser argumentieren, dass Perplexity nicht Fakten recycelt, sondern die journalistische Leistung – die Recherche, die Prüfung, die sprachliche Aufbereitung – in Gänze übernehme.

Eine weltweite Klagewelle rollt auf Perplexity zu

Die Klage des Fernsehsenders ist kein Einzelfall, sondern Teil einer globalen Offensive gegen das KI-Unternehmen. Eine chronologische Übersicht zeigt, wie sich die Fronten in den vergangenen Monaten verhärtet haben.

Den Anfang machten im Oktober 2024 die Dow Jones & Company (Herausgeber des Wall Street Journal) und die New York Post. Im September 2025 zogen die Encyclopaedia Britannica und der Merriam-Webster nach. Es folgten die New York Times und der Chicago Tribune im Dezember 2025. Im Oktober 2025 reichte auch Reddit Klage ein, wegen unerlaubten Datenscrapings. Und nun CNN – als erster Fernsehkonzern überhaupt.

Auch in Deutschland und Europa wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt, denn die Rechtslage ist ähnlich. Besonders brisant ist der Fall der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun. Sie verklagte Perplexity im August 2025 vor dem Bezirksgericht Tokio auf Schadensersatz in Höhe von rund 21,68 Milliarden Yen (etwa 130 Millionen Euro) – wegen der unerlaubten Nutzung von rund 119.000 Artikeln. Es war die erste Klage einer japanischen Medienorganisation gegen ein KI-Unternehmen. Die Zeitungen Asahi Shimbun und Nikkei schlossen sich später an.

Die Branche spaltet sich in zwei Lager

Allerdings gehen nicht alle Medienhäuser den Konfrontationskurs. Eine Reihe von Verlagen hat Lizenzverträge mit Perplexity abgeschlossen: TIME, die USA Today Co. (mit über 200 Lokalzeitungen), Le Monde, der Spiegel, die Los Angeles Times und The Independent. Perplexity hatte im August 2025 ein Publisher-Programm aufgelegt, das Werbeeinnahmen aus den KI-Antworten mit den Inhalteanbietern teilt – bis zu 80 Prozent der Abonnementerlöse sollen an die Publisher fließen.

Auch CNN selbst ist nicht pauschal gegen KI. In einer Stellungnahme betonte der Sender, man stehe KI-generierten Chancen grundsätzlich offen gegenüber. Man habe mehrere Partnerschaften geschlossen, darunter einen Lizenzvertrag mit Meta im Dezember 2025. Die Haltung des Senders ist keine prinzipielle Ablehnung der Technologie, sondern eine Frage der Vergütung: Wer zahlt, darf nutzen – wer nicht zahlt, nicht.

Diese Haltung führt zu einer zunehmenden Polarisierung der Medienbranche. Auf der einen Seite stehen die „Zahler“ – Verlage, die Lizenzverträge abschließen und damit den KI-Zugang legalisieren. Auf der anderen Seite die „Kläger“ – Häuser, die den Rechtsweg wählen, weil sie die angebotenen Konditionen für unzureichend halten oder grundsätzliche Fragen zum Schutz geistigen Eigentums klären wollen.

Was bedeutet „Auf Tatsachen gibt es kein Urheberrecht“ wirklich?

Die Aussage von Perplexity-Mann Dwyer ist rechtlich differenziert zu betrachten. Tatsachen an sich sind tatsächlich nicht urheberrechtlich geschützt – das ist in den meisten Rechtsordnungen der Welt Konsens. Wohl aber die Darstellung und Aufbereitung dieser Tatsachen. Ein investigativer Artikel, eine Fotoreportage, eine Videodokumentation – all das sind schöpferische Leistungen, die sehr wohl urheberrechtlichen Schutz genießen. Der Vorwurf der Medienhäuser lautet denn auch nicht, dass Perplexity Fakten wiedergebe, sondern dass das Unternehmen die journalistischen Erzeugnisse in Gänze scrapy, in seine KI-Modelle einspeise und als eigene Antworten ausgebe – ohne Lizenz, ohne Vergütung, ohne Link auf die Originalquelle. Mehrere Klageschriften, darunter die der New York Times, belegen laut eigener Aussage Fälle, in denen Perplexity-Antworten teilweise wortgleich mit den Originalartikeln waren. Besonders pikant ist der Vorwurf, Perplexity habe sich mit dem Slogan „skip the links“ selbst als Alternative zu den Originalquellen positioniert – ein direkter Angriff auf das Geschäftsmodell der Verlage.

Die neue Dimension der CNN-Klage

Der Einstieg von CNN in den Rechtsstreit verschiebt die Gewichte. Bislang waren es vor allem Printmedien, die gegen Perplexity vorgingen. Mit CNN betritt nun ein Fernsehnetzwerk die Bühne – und damit ein ganz anderes Format. Die Klage umfasst nicht nur Textinhalte, sondern auch Fotografien und Videos. Die Frage, ob KI-Unternehmen ohne Lizenz auch bewegte Bilder aus Fernseharchiven nutzen dürfen, ist rechtliches Neuland. Die Klage des Senders könnte damit wegweisend für die gesamte Fernsehbranche werden.

Perplexity ist längst kein Startup mehr. Das Unternehmen wird auf 20 bis 22,6 Milliarden Dollar geschätzt, hat insgesamt rund 1,72 Milliarden Dollar eingesammelt und erzielte im März 2026 einen annualisierten Umsatz von über 450 Millionen Dollar. Das Geschäftsmodell basiert im Kern darauf, fremde Inhalte per KI zu kondensieren und als Antworten auszuspielen – ohne die Produzenten angemessen zu beteiligen. Dass die Verlage weltweit nun reihenweise klagen, ist die logische Konsequenz.

Perplexity steht nun vor zwei denkbaren Wegen: Entweder das Unternehmen schließt mit allen Medienhäusern Lizenzverträge – eine kostspielige und komplexe Aufgabe – oder es kämpft die Rechtsfrage vor Gericht aus. Der erste Weg ist teuer, der zweite juristisch riskant. Die Branche beobachtet gespannt, wohin die Reise geht. Sicher ist nur: Mit der CNN-Klage hat die Auseinandersetzung eine neue Dimension erreicht. Die Verlage haben erkannt, dass sie nur gemeinsam stark sind – und dass die Zeit des kostenlosen KI-Zugriffs auf journalistische Inhalte zu Ende geht.

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