Sony Interactive Entertainment (SIE) hält unverändert an der Strategie fest, Live-Service-Spiele zu veröffentlichen – trotz des spektakulären Scheiterns von Concord und der drastischen Reduzierung der Inhalte für Destiny 2 bei Bungie. Das bestätigte SIE-CEO Hideaki Nishino in einem Interview mit der japanischen Publikation Famitsu anlässlich deren 40-jährigen Bestehens. Die Aussage dürfte in der Community für gemischte Reaktionen sorgen, denn die Bilanz des Publishers in diesem Segment ist durchwachsen.
Live-Service als globale Strategie: Was Nishino ankündigt
Auf die Frage nach der Zukunft von Live-Service-Spielen bei Sony betonte Nishino, dass man diese als Inhalte betrachte, die Nutzer weltweit anziehen. „Wir glauben, dass Live-Service-Spiele Inhalte sind, die Nutzer auf globaler Ebene anziehen. Daher wollen wir den Markt sowohl mit Inhalten aus erster Hand als auch mit Inhalten von Drittanbietern weiterhin beleben“, so der CEO. Dabei gehe es nicht nur um neue Titel, sondern auch um langfristige Möglichkeiten mit älteren Spielen – als Beispiel nannte er Genshin Impact. Bereits heute würden für neue PS5-Käufer Kampagnen mit zehn Prozent Rabatt auf Spielwährung laufen.
Als konkretes neues Live-Service-Projekt führte Nishino „MARVEL Tōkon: Fighting Souls“ an, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. „Wir planen, ‚MARVEL Tōkon: Fighting Souls‘ als unseren Live-Service-Titel zu veröffentlichen. Wir hoffen, dass die Spieler ihn genießen und er populär wird“, erklärte der SIE-Chef.
Warum Sony trotz Rückschlägen nicht umkehrt
Auf die direkte Nachfrage, ob dies bedeute, dass Sony weiterhin Live-Service-Spiele produzieren werde, antwortete Nishino klar mit „Ja“. Er ergänzte: „Bei Live-Service-Spielen ist es wichtig, konsequent etwas zu liefern. Das Genre selbst ist relativ neu, und ich denke, viele Menschen probieren verschiedene Dinge aus. Wir möchten uns weiterhin innerhalb dieses Rahmens herausfordern.“
Die Aussage ist bemerkenswert, denn Kritiker verweisen immer wieder auf die gescheiterten Projekte des Konzerns. Neben dem eingestellten Concord und der heruntergefahrenen Destiny-2-Unterstützung steht auch der geplante Titel Marathon von Bungie unter keinem guten Stern. Die jüngsten Massenentlassungen bei Bungie – die „den Großteil“ des Destiny-Entwicklungsteams und Teile des Marathon-Teams betrafen – untermauern die Schwierigkeiten.
Helldivers 2 als Leuchtturm – und viele gescheiterte Versuche
Doch es gibt auch Erfolge: Helldivers 2 hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Publikum für Sonys Live-Service-Formel durchaus existiert. Der Titel entwickelte sich zum Überraschungshit und zeigt, wie eine gelungene Mischung aus kooperativem Gameplay, regelmäßigen Updates und cleverem Live-Betrieb aussehen kann. Allerdings steht diesem Erfolg eine lange Liste von Fehlschlägen gegenüber: Neben Concord wurden mehrere weitere geplante Live-Service-Titel bereits vor der Veröffentlichung eingestellt und nie das Licht der Welt erblickten.
Unterschiedliche Plattformstrategie für Live-Service und Single-Player
Ein wichtiger Aspekt, den Nishino bereits früher erläuterte, bleibt bestehen: Während Single-Player-Spiele auch künftig exklusiv für PlayStation-Plattformen erscheinen, sollen Live-Service-Titel weiterhin zeitgleich oder später auch für den PC veröffentlicht werden. Diese Zweigleisigkeit unterstreicht die Ambition, mit Live-Service-Spielen eine möglichst breite, internationale Spielerbasis zu erreichen – ein Modell, das Branchengrößen wie Fortnite oder Genshin Impact vorgemacht haben.
Was bedeutet das für die Zukunft von Sonys Live-Service-Portfolio?
Die Ankündigung, dass Sony an der Live-Service-Strategie festhält, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Branchenentwicklung nicht überraschend. Der Markt für fortlaufend bespielte Titel ist milliardenschwer, und ein einmal etabliertes Spiel kann über Jahre hinweg stabile Einnahmen generieren. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass der Einstieg extrem riskant ist. Für jeden Helldivers-2-Erfolg gibt es zahlreiche gescheiterte oder eingestellte Projekte.
Ob „MARVEL Tōkon: Fighting Souls“ das Zeug zum nächsten Hit hat, wird sich zeigen müssen. Fest steht: Sony wird auch in den kommenden Jahren auf Live-Service setzen, die Spreu vom Weizen trennen und dabei weiterhin die Geduld der Spieler und Investoren auf die Probe stellen. Die Kombination aus hauseigenen Entwicklungen und Partnerschaften mit Dritten soll den Markt langfristig beleben – selbst wenn der Weg dorthin von Rückschlägen gesäumt ist.