Nick Desaulniers, der maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass der Linux-Kernel mit dem LLVM/Clang-Compiler gebaut werden kann, kehrt zu Google zurück. Ein entsprechender Patch mit einer ungewöhnlich provokativen Commit-Nachricht wurde von Linus Torvalds persönlich in den Entwicklungszweig von Linux 7.2 übernommen und beendet damit eine rund 17 Monate währende Funkstille des Entwicklers.
„Ich komme zurück. Ich werde LKML in Brand setzen.“
Am 6. Juli 2026 integrierte Linus Torvalds einen Patch in den Linux-7.2-Entwicklungszweig, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: Vier Dateien – MAINTAINERS, .mailmap und zwei weitere – wurden aktualisiert, im Wesentlichen eine Änderung von E-Mail-Adressen. Was die Kernel-Community jedoch aufhorchen ließ, war die Commit-Nachricht selbst:
„I‘m coming back. I will return. I will possess your body, and I‘ll make LKML burn.“
Autor dieses Patches ist Nick Desaulniers. Der Entwickler hatte jahrelang bei Google an der LLVM/Clang-Unterstützung für den Kernel gearbeitet und das Projekt ClangBuiltLinux ins Leben gerufen. Im Februar 2025 verließ er Google und wechselte zu Tesla. Seitdem blieb er als Contributor zum Kernel stumm. Der nun eingespielte Patch ändert seine E-Mail-Adresse in der Maintainer-Datei zurück auf eine Google-Domain – ein klares Signal seiner Rückkehr zu dem Unternehmen.
Wer ist Nick Desaulniers und warum ist seine Rückkehr bedeutsam?
Nick Desaulniers gilt als der zentrale Entwickler, der den LLVM/Clang-Kernel-Build im Linux-Kernel möglich gemacht hat. Vor seiner Arbeit war der Kernel fast ausschließlich auf GCC angewiesen, da weite Teile des Codes von GCC-spezifischen Erweiterungen abhingen. Ein Wechsel des Compilers war faktisch unmöglich.
Ab etwa 2017 begann Desaulniers bei Google systematisch daran zu arbeiten, diese Abhängigkeiten aufzulösen. Er führte die LLVM=1-Option in das Kernel-Build-System ein und eliminierte nach und nach GCC-spezifische Konstrukte. Heute setzen Distributionen wie Android, ChromeOS, OpenMandriva und Chimera Linux auf Clang-gebaute Kernel. Auch Google und Meta betreiben ihre Rechenzentren mit solchen Kerneln.
Warum LLVM/Clang für den Kernel?
Die Vorteile liegen nicht allein in der Compiler-Wahlfreiheit. Der Wechsel erzwingt eine Bereinigung des Quellcodes: Abhängigkeiten von undefiniertem Verhalten in GCC werden eliminiert, was die Portabilität erhöht. Zudem gewinnt die LLVM-Toolchain mit der zunehmenden Integration von Rust in den Kernel an Bedeutung, da rustc selbst auf LLVM als Backend setzt. Eine einheitliche Compiler-Infrastruktur vereinfacht Build-Prozesse und ermöglicht Optimierungen wie LTO (Link Time Optimization) über Sprachgrenzen hinweg.
17 Monate Pause – und die Folgen
Nach Desaulniers‘ Weggang zu Tesla im Februar 2025 übernahmen andere Mitglieder der ClangBuiltLinux-Community die Pflege, allen voran Nathan Chancellor. Die LLVM-Unterstützung entwickelte sich weiter: Linux 7.0 brachte Verbesserungen für Rust+LTO-Builds, Linux 7.1 bereinigte Code im Zuge der Abschaltung von i486-Unterstützung. LLVM 22 wurde im Februar 2026 veröffentlicht und erweiterte die Zielarchitekturen um neue Intel- und AMD-CPUs.
Dennoch ist die Rückkehr des Initiators ein wichtiges Signal. Desaulniers kennt sowohl die Interna des Kernel-Build-Systems als auch die von LLVM. Nur wenige Entwickler beherrschen beide Domänen so tiefgreifend. Der Patch trägt als Reviewer im MAINTAINERS-Eintrag für „CLANG/LLVM BUILD SUPPORT“ wieder seinen Namen – ein klares Bekenntnis, diese Verantwortung erneut zu übernehmen.
Linux 7.2 und die nächsten Schritte
Der Patch wurde am 28. Mai 2026 von Desaulniers erstellt und von Nathan Chancellor sowie Will Deacon mit „Acked-by“ bestätigt. Linus Torvalds mergte ihn am 6. Juli. Linux 7.2-rc1 war bereits am 28. Juni freigegeben; die stabile Version wird für Mitte bis Ende August 2026 erwartet und wird voraussichtlich der Standardkernel für Fedora 45 und Ubuntu 26.10 sein.
Eine offizielle Bestätigung von Google oder Desaulniers selbst über seine neuen Aufgaben gibt es bislang nicht. Sein LinkedIn-Profil zeigt Stand 8. Juli noch Tesla als Arbeitgeber. Die einzige öffentliche Spur ist der Eintrag in der Kernel-Maintainer-Datei. Doch die Commit-Nachricht lässt keinen Zweifel: Der Entwickler, der den LLVM-Kernel-Build vorangetrieben hat, ist zurück – und er hat große Pläne für die Mailingliste LKML.