Die anhaltende Knappheit auf dem Speichermarkt zeigt für Verbraucher kaum Entspannung, doch ein Unternehmen arbeitet sich leise an die Spitze der DRAM-Industrie vor. ChangXin Memory Technologies, besser bekannt als CXMT, steht nach einer aktuellen Analyse von Citrini Research kurz davor, die Produktionskapazität von Micron bis Ende 2026 fast einzuholen. Der chinesische Speicherhersteller hat sich von 40.000 Wafer-Starts pro Monat im Jahr 2020 auf prognostizierte 350.000 bis Ende dieses Jahres hochgearbeitet – Micron liegt zum Vergleich bei schätzungsweise 375.000 Wafer-Starts monatlich. Damit zeichnet sich eine grundlegende Verschiebung der Kräfteverhältnisse im globalen DRAM-Markt ab.
CXMTs atemberaubendes Tempo: Von 40.000 auf 350.000 Wafer-Starts
Der Aufstieg des chinesischen Speicherproduzenten ist in seiner Geschwindigkeit beispiellos. Während die Konkurrenz für den Bau von Reinräumen typischerweise 21 bis 24 Monate benötigt, gelingt CXMT dies in etwa zwölf Monaten. Hinzu kommt die staatliche Finanzierung, die dem Unternehmen finanzielle Restriktionen erspart, unter denen westliche Wettbewerber leiden. Die chinesische Regierung drängt CXMT zudem aktiv dazu, seine DRAM-Technologie mit anderen inländischen Herstellern zu teilen – ein strategischer Schachzug, der die gesamte Industrie des Landes beschleunigen soll.
Technologische Einschränkungen durch US-Exportkontrollen
Die aktuelle Fertigung von CXMT ist gemessen an globalen Spitzenstandards nicht führend. Da US-Exportkontrollen den Zugang zu modernsten EUV-Lithografiesystemen blockieren, setzt das Unternehmen auf ältere DUV-Lithografie mit Multi-Patterning-Techniken. Chips für hochwertige DDR5aaa- oder HBM-Anwendungen sind damit derzeit nicht wettbewerbsfähig. Dennoch hat CXMT beachtliche Fortschritte erzielt: Das Unternehmen liefert bereits 16Gb DDR5-Chips, die mit 8.000 MT/s laufen, sowie LPDDR5X-10667-Module in 12Gb- und 16Gb-Kapazitäten. Diese Spezifikationen reichen für ein wachsendes Spektrum von Anwendungen aus, und namhafte Abnehmer wie Corsair und auch Apple greifen bereits auf CXMT-Chips zurück.
Warum die Expansion von CXMT den globalen DRAM-Markt verändern könnte
Die strategische Bedeutung von CXMT geht weit über die reinen Produktionszahlen hinaus. Mit staatlicher Rückendeckung und einem Tempo, das die Konkurrenz nicht mitgehen kann, entsteht in China ein neuer Produktionscluster, der die weltweite Angebotssituation grundlegend beeinflussen dürfte. Citrini Research prognostiziert, dass CXMT allein bis 2030 auf 950.000 Wafer-Starts pro Monat wachsen wird. In Kombination mit den Kapazitäten von JHICC, Swaysure und YMTC könnte die gesamte chinesische DRAM-Fertigung dann 1,41 Millionen Wafer-Starts pro Monat erreichen. Damit wäre China nach Südkorea der zweitgrößte DRAM-Produktionsstandort der Welt.
Welche Auswirkungen hat dies auf die Speicherpreise für Verbraucher?
Für Endverbraucher könnte dieser Kapazitätsausbau langfristig eine spürbare Entlastung bedeuten. Jede zusätzliche Produktion in der Lieferkette erhöht den globalen Preisdruck. In einer Zeit, in der die Speicherkrise von Gaming-PCs bis hin zu Konsolen alles unter Druck setzt, ist jeder zusätzliche Fertigungskapazität willkommen. Die Analyse von Citrini deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklung irgendwann in niedrigeren Preisen niederschlagen könnte – auch wenn der Weg dorthin angesichts der weiterhin hohen Nachfrage und der bis 2031 prognostizierten Marktanspannung noch einige Zeit dauern dürfte.