Ein Pokémon-Fan hat die Hoenn-Region um 90 Grad gedreht – und damit einen der verwirrendsten ROM-Hacks aller Zeiten geschaffen. Der Hack namens Emerald Rotate basiert auf Pokémon Emerald und korrigiert eine geografische Besonderheit, die vielen Spielern schon lange aufgefallen war. Die fiktive Region Hoenn ist bekanntlich an die reale japanische Insel Kyushu angelehnt, jedoch um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Statt wie gewohnt nach Norden, zeigt die Karte also gen Westen. Ein Fan hat diese Drehung nun rückgängig gemacht und die Spielwelt stattdessen an die tatsächliche Ausrichtung Kyushus angepasst.
Ein ROM-Hack, der das Raumgefühl auf den Kopf stellt
„Es hat mich immer gestört, dass Hoenn die einzige Region ist, in der Norden links ist und nicht oben“, heißt es in der Beschreibung von Emerald Rotate. „Also habe ich die gesamte Spielwelt von Emerald neu aufgebaut und um 90 Grad gedreht, damit sie dem echten Kyushu besser entspricht.“ Das klingt simpel, entpuppt sich aber als radikaler Eingriff in die Spielerfahrung. Sämtliche Routen, Städte und Orientierungspunkte sind nun an ungewohnter Position. Wer das Original dutzende Male durchgespielt hat, wird feststellen, dass die eigene räumliche Erinnerung plötzlich wertlos ist.
Der Hack beschränkt sich nicht auf die reine Drehung. Der Ersteller hat zusätzlich seltene Pokémon-Begegnungen in verschiedenen Gebieten implementiert, die normalerweise in Emerald nicht vorkommen. Das gibt erfahrenen Spielern einen Anreiz, die nun fremd wirkende Karte noch einmal gründlich zu erkunden. Dennoch dürfte der Hauptreiz des Hacks woanders liegen – im Schockmoment, wenn die vertraute Region plötzlich quer steht.
Technische Eigenheiten und eine amüsante Störung
Wie bei vielen tiefgreifenden ROM-Hacks gibt es eine kleine, aber passende Panne: „In Innenräumen schauen NPCs manchmal in die falsche Richtung, weil ich früh im Entwicklungsprozess einige grundlegende Bewegungswege verbockt habe und es erst zu spät bemerkt habe.“ Man könnte diesen Bug als charmanten Nebeneffekt betrachten – als hätte sich die Insel plötzlich verschoben und die Bewohner müssten sich erst neu orientieren. Der Hack ist vollständig spielbar, die Orientierung bleibt die größte Hürde.
Die Community reagiert zwischen Entsetzen und Faszination
Die Reaktionen auf die Ankündigung von Emerald Rotate fallen erwartbar polarisiert aus. In den Kommentaren auf Bluesky zeigt sich ein Muster, das viele virale ROM-Hacks begleitet: Spieler sind gleichermaßen entsetzt und angezogen. „Ich hasse das so sehr. Ich muss es sofort spielen“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer kommentierte: „Das tut irgendwie mehr weh als jeder Troll- oder Horror-Hack, den ich je gesehen habe.“ Und ein dritter Resümee: „Es ist eine unglaubliche Fanarbeit, aber als ich es sah, dachte ich nur: Das fühlt sich falsch an – mach es rückgängig.“
Der Hack selbst ist kein eigenständiges Spiel. Wer Emerald Rotate ausprobieren möchte, benötigt eine eigene Kopie von Pokémon Emerald, auf die der Patch angewendet wird. Danach erwartet die Spieler eine „biblisch genaue Version von Hoenn“, wie ein Fan es formulierte. Und falls man sich verläuft, hilft ein einfacher Trick: den Kopf zur Seite neigen, und schon wirkt die Karte wieder vertraut. Ob Emerald Rotate tatsächlich zu einem unverzichtbaren ROM-Hack wird, bleibt abzuwarten. Die bisherigen Reaktionen deuten jedoch darauf hin, dass dieses Experiment das Zeug zum Kult hat – nicht weil es das Spiel verbessert, sondern weil es auf absurd unterhaltsame Weise mit den Erwartungen der Spieler bricht.