Hybride Bedrohungen: Jeder vierte Ermittler arbeitet ineffizient

Die Sicherheitslandschaft in Europa verändert sich fundamental: Hybride Bedrohungen, bei denen organisierte Kriminalität, Terrorismus und Cyberangriffe nahtlos ineinandergreifen, stellen Ermittlungsbehörden vor nie dagewesene Herausforderungen. Eine aktuelle Studie des Analyseanbieters Cognyte zeigt, dass die Datenflut und mangelnde Vernetzung der Systeme dazu führen, dass jeder vierte Ermittler rund 25 Prozent seiner Arbeitszeit ineffizient verbringt, vor allem mit manueller Datenzusammenführung und der Orientierung in fragmentierten Quellen.

Vernetzte Akteure, fragmentierte Datenlage

Die zunehmende Kooperation zwischen organisierter Kriminalität und terroristischen Netzwerken ist kein abstraktes Szenario mehr. Laut der Studie berichten 69 Prozent der befragten europäischen Behörden, dass diese Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren spürbar zugenommen hat. Konkret beobachten 39 Prozent der Ermittler eine gemeinsame Nutzung von Schmuggelrouten, 21 Prozent dokumentieren operative Unterstützung bei Angriffen, und 19 Prozent stellen gemeinsame Geldwäscheaktivitäten fest. Diese Verflechtung erzeugt komplexe Geflechte, in denen ein einzelner Cyberangriff auf ein Unternehmen Teil einer größeren, von kriminellen Netzwerken finanzierten und von Terrorgruppen unterstützten Operation sein kann.

Parallel dazu wächst die Datenbasis explosionsartig. 65 Prozent der Behörden melden steigende Fallzahlen, 46 Prozent berichten von einer Zunahme relevanter Datenquellen pro Fall. Kommunikationsdaten, digitale Forensik und offene Quellen liefern wertvolle Hinweise – aber verteilt über Dutzende isolierte Systeme. Die Folge: 55 Prozent der Ermittlungsbehörden sehen einen dringenden Bedarf an integrierten Plattformen zur Datenfusion, um diese Informationen überhaupt sinnvoll verknüpfen zu können. Ohne diese Integration bleiben entscheidende Querverbindungen unerkannt.

Jeder vierte Ermittler arbeitet ineffizient

Die strukturellen Defizite wirken sich unmittelbar auf die operative Effizienz aus. Ein Viertel der Arbeitszeit europäischer Ermittler geht durch fehlende Analyse- und KI-Fähigkeiten verloren. Der typische Arbeitsalltag: Ein Analyst verfolgt Hinweise aus Kommunikationsdaten, Transaktionsspuren und sozialen Netzwerken. Ohne integrierte Auswertung muss er diese Daten manuell zusammenführen, Querverbindungen prüfen und Hypothesen einzeln validieren – ein zeitaufwendiger und fehleranfälliger Prozess, besonders unter Zeitdruck. Dieser Effizienzverlust ist in dynamischen Einsatzlagen, in denen Minuten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, missionskritisch.

Dabei mangelt es nicht nur an Analyseplattformen, sondern auch an spezifischen Fähigkeiten. 48 Prozent der Behörden geben an, dass ihnen leistungsfähige Videoanalyse-Tools fehlen, 45 Prozent sehen Defizite in der digitalen Forensik, und 39 Prozent wünschen sich bessere Auswertungsmöglichkeiten für OSINT-Daten (Open Source Intelligence). Diese Lücken sind umso gravierender, als hybride Bedrohungen oft genau über diese Kanäle kommuniziert und gesteuert werden.

Vom Datenfragment zum operativen Lagebild

Die Lösung liegt nicht in der schlichten Sammlung weiterer Daten, sondern in der intelligenten Verknüpfung und Kontextualisierung. Moderne Decision-Intelligence-Analytics-Plattformen führen unterschiedlichste Datenquellen zusammen, analysieren sie automatisiert und setzen sie zueinander in Beziehung. Ein Beispiel: Verdächtige Finanztransaktionen allein sind schwer einzuordnen. Werden sie jedoch mit Kommunikationsmustern, Bewegungsprofilen und bekannten Verbindungen zu identifizierten Mittelsmännern verknüpft, entsteht ein klares Lagebild. Rollen innerhalb von Netzwerken werden sichtbar, operative Zusammenhänge erkennbar, und potenzielle Aktivitäten lassen sich frühzeitig einordnen.

Der Weg von der Erkenntnis zur Entscheidung verkürzt sich erheblich, wenn relevante Informationen priorisiert und im richtigen Kontext bereitgestellt werden. Ermittler können schneller reagieren, Fälle gezielter priorisieren und Ressourcen effizienter einsetzen. Die Ergebnisse des „2026 European Law Enforcement Outlook“ von Cognyte machen deutlich: Die zentrale Herausforderung moderner Ermittlungsarbeit liegt längst nicht mehr im Zugang zu Daten, sondern darin, aus der Flut die relevanten Erkenntnisse zu generieren.

Hybride Bedrohungen, vernetzte Akteure und stetig wachsende Datenmengen erfordern einen grundlegenden Perspektivwechsel – weg von isolierten Informationen, hin zu vernetzten Erkenntnissen. Für Ermittlungsbehörden in ganz Europa entscheidet nicht die Menge verfügbarer Daten über die Handlungsfähigkeit, sondern allein die Fähigkeit, daraus schnell und zuverlässig die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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