Bungie steht vor einer erneuten Welle von Entlassungen. Der Grund: Das Studio stellt die aktive Entwicklung seines langjährigen Umsatzbringers Destiny 2 ein. Das bedeutet das Ende aller geplanten Erweiterungen und eine deutliche Reduzierung der Belegschaft. Gleichzeitig bestätigen Quellen, dass ein Nachfolger Destiny 3 derzeit nicht in Arbeit ist. Für die treue Fangemeinde ist das ein harter Schlag – und für die Branche ein weiteres Signal für die zunehmende Konsolidierung im Live-Service-Segment.
Das Ende einer Ära: Destiny 2 wird in den Wartungsmodus versetzt
Nach knapp neun Jahren, in denen Destiny 2 immer wieder mit neuen Inhalten versorgt wurde, zieht Bungie den Stecker. Die Entscheidung, das Spiel in den sogenannten Maintenance-Mode zu überführen, bedeutet faktisch das Ende aller neuen Story-Kampagnen, Raids und saisonalen Events. Alle bereits angekündigten oder in Entwicklung befindlichen Erweiterungen wurden gestrichen. Damit endet eine der ambitioniertesten Live-Service-Geschichten der Videospielgeschichte – zumindest vorerst.
Die Hoffnung vieler Fans, dass Bungie parallel an einem direkten Nachfolger Destiny 3 arbeiten könnte, erfüllt sich nicht. Wie Bloombergs Jason Schreier unter Berufung auf interne Quellen berichtet, gibt es derzeit kein entsprechendes Projekt. Die Entwicklerteams, die zuvor an Destiny 2 gearbeitet haben, sind derzeit ohne konkreten Auftrag und pitchen eigene Ideen bei der Führungsebene. Darunter befinden sich auch Vorschläge für neue Spiele innerhalb des Destiny-Universums – allerdings ist völlig offen, ob und wann eines dieser Konzepte grünes Licht erhält.
Personelle Konsequenzen: Bungie bereitet weitere Entlassungen vor
Die Einstellung der Entwicklung hat unmittelbare personelle Folgen. Bungie kündigte an, erneut Stellen streichen zu müssen. Die genaue Anzahl der betroffenen Mitarbeiter wurde noch nicht bekannt gegeben, doch es ist absehbar, dass insbesondere jene Teams, die für die Produktion neuer Inhalte zuständig waren, massiv reduziert werden. Bereits in den vergangenen Jahren hatte das Studio mehrfach Personal abgebaut, nachdem Übernahmen und Expansionspläne nicht die erhofften Ergebnisse brachten.
Die Stimmung unter den Beschäftigten gilt als angespannt. Viele Entwickler, die jahrelang am Erfolg von Destiny 2 mitgewirkt haben, sehen sich nun mit unsicheren Perspektiven konfrontiert. Die Führungsetage setzt derweil stark auf die andere hauseigene Marke: Marathon.
Marathon: Der große Hoffnungsträger enttäuscht
Bungie hat alle verbleibenden Ressourcen auf Marathon konzentriert – einen Extraction-Shooter, der die Nachfolge von Destiny 2 als zentrales Standbein antreten sollte. Doch der Titel konnte die hohen Erwartungen offenbar nicht erfüllen. Branchenkreisen zufolge blieb Marathon deutlich hinter den Verkaufsprognosen zurück. In der Folge musste die PlayStation-Sparte von Sony erhebliche Wertberichtigungen verbuchen. Die Kosten für die Entwicklung und Vermarktung von Marathon sowie die langwierige Umstrukturierung bei Bungie belasten die Bilanz des Mutterkonzerns massiv.
Die Probleme bei Marathon sind symptomatisch für die Schwierigkeiten, die Sony mit seinen Live-Service-Investitionen hat. Während andere Publisher mit Free-to-Playaaaa-Modellen und saisonalen Inhalten glänzen, scheint es Bungie schwerzufallen, nach dem Ende von Destiny 2 ein neues, nachhaltiges Ökosystem aufzubauen.
Sonys Milliarden-Risiko: 700 Millionen Dollar Abschreibung auf Bungie
Die finanziellen Verflechtungen zwischen Sony und Bungie sind inzwischen gut dokumentiert. Allein im Geschäftsjahr 2025 verbuchte Sony eine Abschreibung von über 700 Millionen US-Dollar auf die Vermögenswerte von Bungie. Dies ist ein direkter Ausdruck der enttäuschenden Leistung des Studios. Die Übernahme durch Sony im Jahr 2022 für rund 3,6 Milliarden Dollar gilt weithin als einer der riskantesten Deals der jüngeren Branchengeschichte – und die aktuellen Entwicklungen scheinen diese Einschätzung zu bestätigen.
Trotz dieser Belastungen befindet sich Sony insgesamt in einer starken finanziellen Verfassung. Das Unternehmen verzeichnete mit einem operativen Gewinn von über 3,7 Milliarden Dollar und einem Umsatz von rund 31 Milliarden Dollar das beste Jahr seiner Geschichte. Dennoch zeigt sich der Konzern bei neuen Großprojekten zunehmend zögerlich. Die kürzlich angehobenen Preise für Konsolen und PlayStation-Plus-Abonnements deuten darauf hin, dass Sony Kosten einsparen und margenstärkere Bereiche fördern möchte. Teure neue Spieleentwicklungen bei Bungie haben unter diesen Vorzeichen einen schweren Stand.
Wie geht es weiter für Bungie und die Destiny-Community?
Für die Spieler von Destiny 2 bedeutet der Schritt vor allem eines: Der langsame Abschied hat begonnen. Zwar wird der Service vorerst weiterlaufen, aber ohne neue Inhalte wird die Spielerbasis unweigerlich schrumpfen. Die Server werden vermutlich noch Jahre aktiv bleiben, doch die Ära der großen Updates und packenden Story-Entwicklungen ist vorbei.
Intern bleibt die Lage angespannt. Die Entwicklerteams pitchen neue Ideen, doch ob Sony grünes Licht gibt, ist fraglich. Jedes neue Projekt wäre mit erheblichen Investitionen verbunden – Geld, das der Mutterkonzern derzeit lieber in sicherere Renditen steckt. Ein neues Destiny-Spiel in irgendeiner Form ist damit nicht ausgeschlossen, aber in weiter Ferne. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Bungie in der Lage ist, sich als Entwicklerstudio neu zu erfinden, oder ob die einstige Größe endgültig der Vergangenheit angehört.