Der Chaos Computer Club (CCC) verlegt seinen traditionsreichen Jahresendkongress. Nach acht Jahren im Congress Center Hamburg (CCH) findet die 40. Ausgabe des „Chaos Communication Congress“ (40C3) vom 27. bis 30. Dezember 2026 in den benachbarten Messehallen Hamburg statt. Das größte nichtkommerzielle Hackertreffen bleibt damit der Hansestadt treu, wechselt aber die Location unweit des Schanzenviertels.
Wachstum der Community erzwingt Standortwechsel
Das stetige Wachstum der teilnehmenden Szene ist der Hauptgrund für den Umzug. Der CCC erklärte, das CCH sei schlicht an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Zwar habe das CCH nach der Wiederaufnahme der Präsenzkongresse nach der Pandemie eine hervorragende Infrastruktur mit fertigen Bühnen und festen Räumen geboten, doch die hohe Personendichte führte zuletzt zu erheblichen Einschränkungen. Freiräume für Vorträge, Ruhezonen, dezentrale Projekte und Partys standen nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Die Wünsche der Community nach eigenen Räumen und Installationen blieben zunehmend unerfüllt.
Die 40. Auflage unter dem Motto „Model Citizens“
Der 40C3 steht unter dem am Freitagabend bekanntgegebenen Motto „Model Citizens“. Der Kongress soll als Plattform dienen, um gemeinsam neue gesellschaftliche Modelle zu erarbeiten. Angesichts gesellschaftlicher und politischer Veränderungen solle die Veranstaltung weiterhin als Gegenentwurf fungieren, bei dem Unterschiede als Bereicherung verstanden werden. Das Miteinander steht im Mittelpunkt des Events, das von Tausenden ehrenamtlichen Helfern („Engeln“) und voraussichtlich mehr als 16.000 Teilnehmenden getragen wird, die das Programm aktiv mitgestalten.
Was der 39C3 bereits zeigte: Von KI-Jailbreaks bis zur Cyber-Sicherheit
Dass der Kongress inhaltlich maßgebliche Akzente setzt, demonstrierten bereits die Highlights des 39C3. Dort analysierten Sicherheitsexperten den Status quo der IT-Sicherheit – vom „Cyberdome“ bis hin zur Flut syntaktischen „AI Slops“. Angesichts drohender Ransomware-Szenarien forderten Hacker augenzwinkernd ein Trainingsprogramm nach Art von „Bundesdatensicherungsspielen“, da regelmäßige und funktionierende Backups in naher Zukunft zum extremen Leistungssport zu werden drohten.
Für Aufsehen sorgte eine Demonstration zu humanoiden Robotern: Forscher zeigten, wie anfällig diese Systeme sind, von der Übernahme per Funk bis zum direkten Jailbreak der integrierten KI-Modelle. Auch das Gesundheitssystem geriet ins Visier, als ein Sicherheitsforscher weitere Schwachstellen in der E-Ärztepost KIM offenlegte. Mit dem Umzug in die Messehallen will die Organisation diesem breiten Themenspektrum und der kreativen Experimentierfreude wieder mehr Raum geben.
Gestaltung des neuen Geländes: Kieze statt Verlorenheit
Um in den weitläufigen Messehallen kein Gefühl der Verlorenheit aufkommen zu lassen, plant der CCC die Einrichtung spezifischer Kieze. Diese sollen Geborgenheit vermitteln und gleichzeitig das Erkunden der Vielfalt der Szene ermöglichen. Das Areal wird nicht schlagartig komplett „übernommen“; der CCC setzt auf ein behutsames Wachstum, um den kommunikativen Charakter der Veranstaltung zu bewahren. Die Erfahrungen aus den Jahren in der Messe Leipzig vor der Pandemie sollen helfen, die großen Hallen kreativ zu strukturieren.
Für das Programm bringt der Raumgewinn ebenfalls Vorteile. Neben den Vorträgen auf der Hauptbühne erhalten dezentrale Gruppen sogenannte Habitate – mehr Platz für eigene Workshops, Vorträge und Ausstellungsflächen. Werbe- und Verkaufsstände bleiben konsequent ausgeschlossen. Parallel laufen Aufrufe zur Mitgestaltung: Über den „Call for Content“ sucht der CCC Referenten, ein „Call for Art“ spricht Kunstschaffende an. Auch für die musikalische Untermalung auf den Bühnen und im „Punk-Späti“ für anarchische und antifaschistische Darbietungen werden Mitwirkende gesucht.
Stabile Preisstruktur trotz Umzug
Trotz der vergrößerten Fläche verspricht der Veranstalter eine stabile Preisstruktur. In Verhandlungen mit der Messe Hamburg konnte vereinbart werden, dass der Wechsel zu keinen Kostensprüngen bei den Tickets führt. Abgesehen von „inflationsbedingten“ Anpassungen sollen die Eintrittskarten erschwinglich bleiben. Ein Standardticket für den 39C3 kostete 190 Euro. Die 40. Auflage des Kongresses könnte damit nicht nur mehr Raum für dezentrale Gestaltung bieten, sondern auch die Weichen für die Zukunft des größten nichtkommerziellen Hackertreffens stellen – fernab von Kapazitätsengpässen, aber nah an der Community.