Eine neu entdeckte Malvertising-Kampagne nutzt eine raffinierte Kette aus legitimen Bing-Weiterleitungen und kompromittierten WordPress-Seiten, um Nutzer auf gefälschte Claude-Installer zu locken. Die als „Adception“ bezeichnete Methode kombiniert vertrauenswürdige Werbeplattformen mit mehrstufigen Verschleierungstechniken und stellt eine ernsthafte Bedrohung für macOS-Anwender dar. Sicherheitsforscher von Push Security haben die Kampagne aufgedeckt, die auf eine geschickte Schwachstelle im Zusammenspiel von Google Ads und dem Microsoft-eigenen Suchdienst setzt.
So funktionieren die ClickFix-Angriffe über Bing-Redirects
Die Angreifer schalten bei Google Suchanzeigen, die auf den ersten Blick harmlos wirken: Als Ziel-URL wird nicht eine eigene Domain angegeben, sondern die vertraute Adresse bing.com. Wer nach „claude mac“ sucht und auf die gesponserte Anzeige klickt, wird zunächst durch Googles eigenen Werbeumleitungsdienst geschleust, bevor er den Tracking-Endpunkt bing.com/ck/a erreicht. Von dort aus erfolgt die Weiterleitung auf eine kompromittierte WordPress-Seite eines südamerikanischen Einzelhändlers. Diese Seite dient als Zwischenstation und leitet den Browser schließlich auf claude-desk-code[.]com weiter – einer täuschend echten Nachbildung der offiziellen Claude-Download-Seite.
Der entscheidende Trick: Bing verwendet für seine eigenen Suchergebnis-Redirects JavaScript, um Besucher an ihr Ziel zu leiten. Diesen Mechanismus missbrauchen die Hacker, um den Datenverkehr so aussehen zu lassen, als käme er direkt von Bing – ein Umstand, der es automatisierte Sicherheitsscanner erschwert, die bösartige Absicht zu erkennen.
Mehrschichtige Tarnung und Cloaking
Die Kampagne setzt auf gleich zwei Schutzmechanismen, um Sicherheitsprüfungen zu umgehen. Die kompromittierte WordPress-Seite prüft vor der Weiterleitung, ob der Besucher einen Bing-Referrer-Header mitbringt – also tatsächlich über die Microsoft-Suche gekommen ist. Erst dann gibt sie die Verbindung frei. Die betrügerische Claude-Seite ihrerseits überprüft per JavaScript, ob der Nutzer von Google oder Bing verwiesen wurde. Wer die URL direkt im Browser eingibt oder über andere Wege kommt, wird auf eine harmlose 404-Fehlerseite umgeleitet. Auf diese Weise bleiben automatisierte Analysewerkzeuge der Sicherheitsbranche wirkungslos, während menschliche Opfer die ganze Angriffskette durchlaufen.
Der ClickFix-Mechanismus im Detail
Ziel der Kampagne sind in erster Linie macOS-Nutzer, die vermeintlich den KI-Client Claude installieren möchten. Die gefälschte Download-Seite zeigt eine originalgetreue Kopie der offiziellen Installationsanleitung von Anthropic. Der Nutzer wird aufgefordert, einen Terminal-Befehl auszuführen: curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash. Dieser Befehl ist legitim und würde den echten Claude-Installer starten. Doch der Teufel steckt im Copy-Button: Kopiert der Anwender den angezeigten Befehl in die Zwischenablage, wird nicht der sichtbare, sondern ein manipulierter Befehl hinterlegt.
Der ersetzte Befehl gibt zwar eine Meldung aus, dass Claude von der offiziellen Seite geladen werde – tatsächlich dekodiert er jedoch eine Base64-verschlüsselte URL, die auf lake-90[.]com verweist. Anschließend lädt er mit curl eine .dat-Datei von diesem Server herunter und leitet deren Inhalt direkt in die macOS Z-Shell (zsh) zur Ausführung weiter. Der Nutzer sieht im Terminal die vermeintlich harmlose Ausgabe, während im Hintergrund ein vollständig anderer, schädlicher Code abläuft.
Welche Schadsoftware tatsächlich installiert wird
Welches finale Payload die Angreifer letztlich ausliefern, bleibt bislang unklar. Push Security konnten mehrere Domains identifizieren, die zum gleichen ClickFix-Toolkit gehören – intern als AcSig bezeichnet. Alle diese Domains verwenden einen identischen macOS-Installationsbefehl, eine nahezu baugleiche Payload-URL-Struktur und ein einheitliches Installationsinterface. Es ist wahrscheinlich, dass die Kampagne je nach Zielgruppe unterschiedliche Schadsoftware nachlädt – von Informationsdieben über Ransomware bis hin zu Hintertüren für den Fernzugriff.
Warum Unternehmen und Privatanwender jetzt handeln sollten
Die Adception-Methode zeigt eine besorgniserregende Entwicklung im Bereich der Malvertising-Kampagnen. Statt auf offensichtlich schädliche Domains zu setzen, nutzen Angreifer zunehmend die vertrauenswürdige Infrastruktur großer Plattformen wie Google und Bing aus. Die mehrstufige Weiterleitung über kompromittierte Websites macht eine Erkennung durch herkömmliche Sicherheitsscanner nahezu unmöglich.
Für macOS-Anwender gilt daher besondere Vorsicht bei der Installation von Software über Suchanzeigen: Wer einen Download-Befehl in die Zwischenablage kopiert, sollte diesen vor der Ausführung stets überprüfen. Ein einfacher Vergleich des tatsächlichen Befehlstextes im Terminal kann bereits die Entlarvung einer ClickFix-Falle bedeuten. Unternehmen sollten zudem ihre Beschäftigten für diese Art von Angriffen schulen und technische Maßnahmen wie Endpoint-Detection-and-Response-Lösungen einsetzen, die ungewöhnliche Shell-Ausführungsmuster erkennen können.