Massiver Cyberangriff: Digitale Dienste der norwegischen Regierung lahmgelegt

Seit Montagmorgen läuft eine massive DDoS-Attacke gegen die norwegische Digitalisierungsagentur Digdir, die zentrale öffentliche Dienste lahmlegt.

Der dritte DDoS-Angriff innerhalb weniger Monate auf die norwegische Regierungsinfrastruktur ist zwei- bis dreimal so groß wie der vorherige.
Highlights
  • Der DDoS-Angriff auf Digdir dauerte mehr als 30 Stunden und beeinträchtigte zahlreiche öffentliche Dienste.
  • Es gibt keine Anzeichen für eine Sicherheitsverletzung oder den Abfluss personenbezogener Daten.
  • Experten vermuten hinter der Attacke entweder eine staatliche Akteurin wie Russland oder eine DDoS-Erpressung.

Seit Montagmorgen um 3:38 Uhr MESZ läuft eine massive Cyberattacke gegen die digitale Infrastruktur der norwegischen Regierung. Der Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS) zielt auf die Systeme der Digitalisierungsagentur Digitaliseringsdirektoratet (Digdir) ab und hat zahlreiche öffentliche Dienste beeinträchtigt oder zeitweise lahmgelegt. Betroffen sind zentrale Verfahren wie die Anmeldung zu öffentlichen Diensten, elektronische Ausweise, der Zugriff auf amtliche Dokumente und der Datenaustausch zwischen Behörden.

Dritter DDoS-Angriff innerhalb weniger Monate

Digdir bestätigte am Dienstag, dass es sich um den dritten Angriff dieser Art in kurzer Zeit handelt – nach einem Vorfall im Juni und einem weiteren Anfang August. Dieser aktuelle Angriff sei jedoch zwei- bis dreimal so groß wie der vorherige, teilte ein Pressesprecher mit. Trotz der enormen Belastung sei es weitgehend gelungen, die Systeme am Laufen zu halten. Die Attacke dauerte mehr als 30 Stunden an.

Die Folgen für die Nutzer sind erheblich: Verbindungsabbrüche, extrem langsame Serverreaktionen und ungewöhnlich lange Anmeldezeiten wurden gemeldet. Auch Dienste, die auf die Infrastruktur von Digdir angewiesen sind, aber nicht direkt angegriffen wurden, verzeichneten Störungen. Digdir-Direktor Frode Danielsen betonte, es gebe keine Anzeichen für eine Sicherheitsverletzung oder den Abfluss personenbezogener Daten. DDoS-Angriffe zielen in der Regel darauf ab, Dienste durch eine Flut von Anfragen zu überlasten, nicht darauf, Daten zu stehlen.

Hintergründe und mögliche Urheber: Russland oder Erpressung?

Eine offizielle Zuordnung des Angriffs steht noch aus. Norwegische Medien und Sicherheitsexperten spekulieren jedoch über zwei Hauptszenarien. Aristidis Kaloudis, Professor am Institut für Informationssicherheit und Kommunikationstechnologie der NTNU in Gjøvik, vermutet hinter der Attacke einen Versuch, das Vertrauen der Bevölkerung in die Zuverlässigkeit und Sicherheit staatlicher digitaler Angebote zu untergraben. Das Ausmaß und die für einen derart massiven Angriff nötigen Ressourcen deuteten seiner Einschätzung nach auf eine staatliche Akteurin hin – wobei der Fokus auf Russland liege. Ein zweites Motiv könnte jedoch auch eine Lösegeldforderung sein, so Kaloudis, ein gängiges Muster bei DDoS-Erpressungen.

Warum zielen solche Angriffe auf die öffentliche Infrastruktur?

Die Behörde Digdir ist das Rückgrat der norwegischen E-Government-Strategie. Sie verwaltet die zentralen Authentifizierungs- und Datenzugangssysteme des Staates. Ein Ausfall dieser Systeme blockiert nicht nur den Zugang zu behördlichen Online-Formularen, sondern kann auch die Arbeit von Krankenhäusern, Schulen und der Polizei beeinträchtigen, die auf diese Schnittstellen angewiesen sind. Die Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit hat für die Regierung höchste Priorität, wobei die Systeme nach Angaben der Behörde inzwischen stabilisiert wurden. Die Identifizierung der Täter wird nach Einschätzung von Experten jedoch ein langwieriger Prozess sein, der internationale Zusammenarbeit erfordert.

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