Dan Stevens in „The Terror“: So stark erinnert Staffel 3 an „Legion“

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Die Anthologie-Horror-Serie „The Terror“ von AMC kehrt am 7. Mai mit ihrer dritten Staffel zurück, und der erste Trailer für die sechs Episoden der Serie „Devil in Silver“ sorgt bereits für Aufsehen. Er zeigt Dan Stevens – bekannt aus „Legion“ und „The Guest“ – in einer prekären psychiatrischen Einrichtung, kämpfend gegen Pillen, Halluzinationen und eine mysteriöse Entität. Die Parallelen zu Stevens‘ Rolle in Noah Hawleys psychedelischer X-Men-Serie „Legion“ sind frappierend und lenken den Blick auf die unheimliche Wiederkehr einer bekannten Erzählung.

Die Legion-Parallelen: Eine wiederkehrende Psychose?

In „Legion“ verkörperte Stevens David Haller, einen Mann, der aufgrund einer Schizophrenie-Diagnose die meisten seiner Jahre in psychiatrischen Kliniken verbrachte – nur um später zu erfahren, dass seine „Krankheit“ in Wahrheit die Manifestation einer mutantenhaften Kraft war. In der neuen Staffel „The Terror: Devil in Silver“, basiert auf Victor LaValles gleichnamigen Roman, ist Stevens nun Pepper, der nach einem Konflikt mit dem Ex-Partner seiner Lebensgefährten in die New Hyde Psychiatric Hospital eingewiesen wird.

Dieses Setting ist nahezu identisch: Der Protagonist befindet sich in einer kontrollierten, fremdbestimmten Umgebung, die ihn zwangsweise zu einem Objekt der medizinischen und institutionellen Macht macht. Doch Pepper, so deutet der Trailer an, erhält keine befreiende Antwort in Form einer geheimen Mutanten-Enklave. Seine Unsicherheit – beginnt er mit der Überzeugung, dass alles ein Missverständnis sei, und endet in der Frage, ob er wirklich hier gehöre – deutet auf einen noch härteren, realitätsverankerten Kampf hin.

Das Setting: Von Psychedelica zu Paranormal

Die visuelle und atmosphärische Umsetzung in „Devil in Silver“ scheint jedoch einen anderen Weg zu nehmen. „Legion“ war bekannt für seine trippige, farbenfrohe und formal experimentelle Darstellung einer zerbrechlichen Psyche. „The Terror: Devil in Silver“ wirkt hingegen naturalistischer, düsterer, näher an einem klassischen Horror- oder Thriller-Genre. Die Vibes sind weniger psychedelisch, eher wie eine paranormale Version von „One Flew Over the Cuckoo’s Nest“: Eine Gruppe von Patienten, die sich gegen ein kriechendes, böses Wesen in den Mauern ihrer Einrichtung zusammenschließt.

Dieser Unterschied ist entscheidend, denn er transformiert die Grundlage der Angst. In „Legion“ war die Angst intrinsisch, ein Produkt einer unsicheren Identität und einer von außen manipulierten Realität. In „Devil in Silver“ wird die Angst durch eine klarere, fast physische Gegnerfigur externalisiert – ein „Devil“, ein konkretes Monster innerhalb der Institution. Dies könnte eine stärkere kollektive Dynamik erlauben, denn Pepper kämpft nicht nur für sich, sondern mit anderen Insassen.

Die historische Abweichung von „The Terror“

Die dritte Staffel markiert eine deutliche Abkehr vom bisherigen Konzept der Serie. Die ersten beiden Seasons von „The Terror“ integrierten übernatürliche Elemente in klar definierte historische Ereignisse: Die verlorene Arktis-Expedition von Captain Sir John Franklin in Season 1 und ein Internierungslager für Japanischstämmige während des Zweiten Weltkriegs in Season 2. Diese historischen Ankerpunkte verliehen der Serie eine spezifische Textur und grenzten sie von anderen Anthologie-Horror-Projekten wie Ryan Murphys „American Horror Story“ ab.

„Devil in Silver“ ist hingegen in der Gegenwart angesetzt. Diese moderne Umgebung macht die Serie nicht nur zugänglicher für aktuelle gesellschaftliche Themen – etwa die Diskussion über psychiatrische Einrichtungen und ihre Machtstrukturen – sondern bringt sie auch in direkte Konkurrenz mit bereits existierenden Narrativen. So setzte Murphy bereits 2012 die zweite Season von „American Horror Story“ in einer psychiatrischen Klinik. „The Terror“ muss nun also nicht nur die Parallelen zu „Legion“ überwinden, sondern auch seine eigene Originalität in einem bereits besetzten Themenfeld beweisen.

Die Rolle des Autors Victor LaValle

Ein entscheidender Faktor für die Originalität könnte Victor LaValle selbst sein, der Autor des zugrundeliegenden Romans und Co-Showrunner der Serie zusammen mit Chris Cantwell („Halt and Catch Fire“). LaValles literarisches Werk ist bekannt für seine intelligente Verschmelzung von sozialem Realismus mit Horror- und Fantasy-Elementen, oft mit einem Blick auf marginalisierte Gemeinschaften und deren Traumata. Seine aktive Teilnahme an der TV-Adaption deutet darauf hin, dass die Serie die komplexen Themen des Romans – etwa Rassismus, Klassenunterschiede und die Brutalität institutioneller Systeme – ernst nimmt und nicht nur als Hintergrund für Monster-Action verwendet.

Diese literarische Grundlage könnte „Devil in Silver“ vor einem einfachen „Legion“-Remake bewahren. Während „Legion“ sich auf die individuelle, fast existenzielle Frage der Identität konzentrierte, könnte LaValles Story eine kollektive, sozialkritische Dimension einführen. Der „Devil“ ist dann nicht nur eine persönliche Halluzination oder ein Parasit, sondern vielleicht eine Manifestation des systemischen Bösen der Institution selbst.

Die Besetzung und ihre Bedeutung

Die Besetzung der Serie unterstreicht ihr Potenzial für eine tiefgründige, charakterorientierte Erzählung. Neben Dan Stevens finden sich Aasif Mandvi („Evil“), Stephen Root („Barry“) und CCH Pounder („Warehouse 13“, „Justice League Unlimited“). Diese erfahrenen Darsteller sind bekannt für ihre Fähigkeit, komplexe, oft ambivalente Charaktere zu verkörpern. Ihre Präsenz deutet darauf hin, dass „Devil in Silver“ nicht nur eine einfache Protagonist-vs-Monster-Story sein wird, sondern ein Netzwerk von Perspektiven innerhalb der Klinik zeigen könnte.

Besonders Pounder und Root haben in ihrer Karriere oft Autoritätspersonen mit unterschwelliger Bedrohung oder versteckter Menschlichkeit dargestellt. Ihre Rollen – vermutlich als Mitarbeiter oder vielleicht sogar Patienten der Einrichtung – könnten die Grauzonen zwischen Fürsorge und Kontrolle, zwischen Heilung und Bestrafung erkunden. Dieser charakterliche Reichtum wäre ein weiterer Unterschied zu „Legion“, wo die institutionellen Figuren oft klar als antagonistische Kraft (The Division) oder als Teil einer speziellen Mutantenorganisation gezeichnet waren.

Die Premiere und die Plattformen

„The Terror: Devil in Silver“ startet am 7. Mai auf AMC Plus und Shudder. Diese duale Premiere auf einem klassischen Pay-TV-Angebot (AMC Plus) und einer spezialisierten Horror-Streaming-Plattform (Shudder) spricht für eine gezielte Ausrichtung auf eine Horror-affine Kernzielgruppe, während sie auch breitere Serien-Fans erreicht. Shudder als Plattform könnte besonders die genre-spezifischen, atmosphärischen Qualitäten der Serie hervorheben und ihr eine Nischen-Stärke geben, die „Legion“ auf FX vielleicht nicht hatte.

Die Entscheidung für eine limitierte Season von nur sechs Episoden folgt dem Anthologie-Format der Serie und deutet auf eine konzentrierte, vielleicht sogar dichtere erzählerische Struktur hin. In „Legion“ breiteten sich die hallucinatorischen und zeitlichen Verzerrungen über mehrere Seasons aus. Die kurze Länge von „Devil in Silver“ könnte einen schnelleren, intensiveren Pace bedeuten, mit weniger Raum für abschweifende, psychedelische Experimente, aber mehr für einen direkten, ununterbrochenen Horror-Druck.

Die offensichtlichen Parallelen zwischen Dan Stevens‘ neuen und alten Rollen in psychiatrischen Settings sind somit mehr als nur ein Wiederholungsspiel. Sie markieren einen interessanten Punkt in der Entwicklung von genre-basierten Serien: Die Wiederaufnahme eines Settings ermöglicht eine direkte Vergleichsbasis für das Publikum, die dann durch Unterschiede in Ton, Thema und sozialem Kommentar überwunden werden muss. „The Terror: Devil in Silver“ steht daher vor der Aufgabe, nicht nur als eigenständige Horror-Story zu funktionieren, sondern auch die Erwartungen, die aus Stevens‘ ikonischer Rolle in „Legion“ entstehen, zu subvertieren oder zu erweitern. Die Kombination von LaValles literarischer Intelligenz, einer hochkarätigen Besetzung und der düsteren, kollektiven Atmosphäre könnte genau die Werkzeuge dafür bieten.

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