140.000 Unterschriften: Destiny 2-Fans protestieren mit Massen-Login

Über 140.000 Unterschriften in nur drei Tagen und ein geplanter Massen-Login aller Spieler – die Destiny-Community wehrt sich gegen das Ende ihrer geliebten Spielreihe. Am 21. Mai 2026 verkündete Bungie, dass mit dem kostenlosen Update „Monument of Triumphaa“ am 9. Juni die Live-Service-Entwicklung von Destiny 2 eingestellt wird. Die Server bleiben zwar online, doch neue Inhalte wird es nicht mehr geben. Die beiden eigentlich geplanten Erweiterungen „Shattered Cycle“ und „The Alchemist“ wurden gestrichen; stattdessen wird das bereits als Zwischenupdate konzipierte „Shadow and Order“ umbenannt und als letzter Patch ausgeliefert. Für ein Franchise, das 2014 mit Destiny begann, bedeutet das nach zwölf Jahren das endgültige Ende.

Petition mit 140.000 Stimmen – Adressat Sony

Die Reaktion der Fangemeinde ließ nicht lange auf sich warten. Auf Change.org wurde eine Petition gestartet, die die Entwicklung eines Destiny 3 fordert. Der Adressat ist Sony, der Mutterkonzern von Bungie, der das Studio 2022 für 3,6 Milliarden US-Dollar übernahm. Innerhalb von drei Tagen sammelte die Initiative über 140.000 Unterschriften. In den Kommentaren berichten Spieler von Erinnerungen, die bis zur Alpha-Phase 2014 zurückreichen, und von Freundschaften, die durch die gemeinsamen Missionen in Destiny entstanden sind. Ein Nutzer schreibt: „Kein anderes Spiel war je so unterhaltsam und bedeutungsvoll wie die Destiny-Reihe. Wenn Destiny stirbt, werde ich mich wohl komplett vom Gaming verabschieden. Hört auf, das zu zerstören, was die Menschen lieben.“

Kein Destiny 3 in Entwicklung – Marathon enttäuscht

Die Verzweiflung der Fans hat einen konkreten Grund: Anders als frühere Gerüchte vermuten ließen, befindet sich Destiny 3 nach übereinstimmenden Medienberichten derzeit nicht in Entwicklung. Wäre ein Nachfolger in Arbeit, hätte das Ende von Destiny 2 als natürlicher Generationswechsel hingenommen werden können. So aber droht die gesamte Marke zu verschwinden. Bungie setzt stattdessen alles auf den Extraktions-Shooter „Marathon“, der im März 2026 erschien. Dessen Steam-Spielerzahlen sind jedoch ernüchternd: Der Höchstwert von rund 88.000 gleichzeitigen Nutzern am Launchtag fiel rapide auf aktuell etwa 10.000 bis 15.000. Ein Flop, der auch in den Büchern von Sony deutliche Spuren hinterlässt.

Sonys Milliarden-Verlust mit Bungie

Die finanzielle Dimension des Debakels wird in den Geschäftszahlen des Mutterkonzerns sichtbar. Sony hatte Bungie für 3,6 Milliarden Dollar gekauft, musste aber allein im Geschäftsjahr 2025 eine Wertberichtigung von 765 Millionen Dollar vornehmen – über ein Fünftel des Kaufpreises verschwand innerhalb eines Jahres aus der Bilanz. Aufgeschlüsselt entfielen rund 200 Millionen Dollar auf die verfehlten Umsatzziele von Destiny 2 im zweiten Quartal und weitere 565 Millionen Dollar auf den Launch von Marathon im vierten Quartal. Die Entwicklungskosten von Marathon werden auf etwa 250 Millionen Dollar geschätzt; um diese zu amortisieren, wäre ein langjähriger Verkauf von Kosmetikartikeln nötig – ein Szenario, das bei den aktuellen Spielerzahlen in weite Ferne rückt.

Auch Destiny 2 selbst ist längst nicht mehr das Zugpferd von einst. Der Steam-Spitzenwert von 317.000 gleichzeitigen Spielern im Februar 2023 konnte beim Release von „The Final Shape“ im Juni 2024 mit 315.000 fast wieder erreicht werden. Doch seit Anfang 2026 dümpelt die Zahl bei etwa 10.000 gleichzeitigen Nutzern. Die Plattform ist nicht alles, doch der plattformübergreifende Spielerschwund ist offensichtlich.

Der 9. Juni – Massen-Login als letzte Demonstration

Parallel zur Petition verbreitet sich in den Community-Foren ein weiterer Protestplan: Am 9. Juni, dem Veröffentlichungstag von „Monument of Triumph“, sollen alle Spieler – egal ob aktiv, inaktiv oder bereits in Rente – gleichzeitig einloggen. Das Ziel ist es, den gleichzeitigen Spielerrekord auf den Servern zu brechen und Sony damit eine unübersehbare Zahl vor Augen zu führen: „Seht her, dieses Franchise lebt noch.“ Ein Aufruf fordert: „Zumindest den Allzeit-Höchstwert von Marathon müssen wir übertreffen. Das ist der Beweis, dass ihre Entscheidung falsch war.“ Der Zorn der Community richtet sich dabei weniger gegen die Entwickler bei Bungie, sondern gegen die strategische Führung bei Sony, die Ressourcen von Destiny abgezogen und auf Marathon gesetzt hat.

Was kann der Protest bewirken?

Petitionen und koordinierte Logins haben in der Geschichte nur selten Unternehmensentscheidungen direkt gekippt. Die Entwicklung eines Destiny 3 wäre ein Investment in Milliardenhöhe und über mehrere Jahre – eine Change.org-Petition allein wird das Blatt kaum wenden. Dennoch ist die Signalwirkung nicht zu unterschätzen. Derzeit liegt der Steam-Peak von Destiny 2 bei etwa 16.000 Spielern. Sollte dieser Wert am 9. Juni um ein Vielfaches überschritten werden, würde das die These untermauern, dass eine große Zahl inaktiver Spieler noch immer an der Marke hängt – und dass Potenzial für eine Fortsetzung existiert.

Bungies offizielle Ankündigung enthielt einen einzigen Satz mit doppeltem Boden: „Es ist Zeit, dass Destiny über Destiny 2 hinaus weiterlebt.“ Ob dies ein versteckter Hinweis auf Destiny 3 oder nur eine beschwichtigende Floskel ist, bleibt offen. Sony hat mit der Übernahme vor allem eines gekauft: den Zugang zu einer über zwölf Jahre gewachsenen Community. Jetzt setzt diese Community alles auf eine Karte. Wie viele Wächter am 9. Juni den Login-Bildschirm öffnen – das wird zum ehrlichsten Gradmesser für den Marktwert, der diesem Franchise noch bleibt.

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