Nur drei Wochen nach der Ankündigung von FSR 4.1 sorgt eine Aussage von AMD auf der Computex 2026 für Wirbel. Ein Vice President erklärte gegenüber Hardware Luxx, dass die Unterstützung von FSR 4.1 für integrierte GPUs der RDNA-3.5-Architektur derzeit nicht geplant sei. Ein weiterer AMD-Manager dementierte anschließend die Berichte – doch eine klare Zusage für die Zukunft bleibt aus. Was steckt hinter dem Hin und Her?
„Keine Entscheidung getroffen“ – die widersprüchlichen Signale von AMD
Auslöser der Verunsicherung ist ein Interview mit David McAfee, AMDs Vice President für das Client-Channel-Geschäft, auf der Computex. Auf die Frage nach FSR 4.1 für RDNA-3.5-APUs antwortete er: „Das ist derzeit nicht geplant.“ Er fügte hinzu, dass man die Vor- und Nachteile einer Implementierung noch prüfe. Diese Aussage verbreitete sich schnell in der internationalen Presse. Daraufhin schaltete sich Frank Azor, ebenfalls Vice President bei AMD, per Kurznachricht ein: „Ich war nicht vor Ort, um die genauen Worte zu hören, aber ich kann mitteilen, dass eine solche Entscheidung, wie berichtet und impliziert, nicht getroffen wurde. Wir sind noch nicht bereit, über zukünftige Produktpläne zu sprechen. Wir hören unseren Kunden zu.“
Auffällig ist, dass Azor die identische Stellungnahme an mehrere Medien – unter anderem Digital Foundry und VideoCardz – verschickte. Dass AMD überhaupt auf solche Spekulationen reagiert, ist ungewöhnlich und zeigt, wie heikel das Thema intern ist.
Warum die Empörung der Community so groß ist
RDNA 3.5 steckt in fast allen aktuellen APUs von AMD: in der Ryzen-AI-300/400-Serie mit den Radeon-890M-, 880M-, 860M- und 840M-Grafikeinheiten sowie in den Strix-Halo-Chips mit Radeon 8060S/8050S. Diese Prozessoren sind das Herzstück vieler Gaming-Handhelds wie dem ROG Ally X20 oder dem Lenovo Legion Go 2.
Im Mai hatte AMD offiziell die Rückwärtskompatibilität von FSR 4.1 angekündigt: Für RDNA 3 (Radeon RX 7000) soll das Update im Juli kommen, für RDNA 2 (Radeon RX 6000) Anfang 2027. Dass die alte Desktop-Hardware unterstützt wird, die aktuelle Generation integrierter Grafik aber nicht, stößt auf Unverständnis. Technisch wäre eine Integration wohl möglich: Dritte wie das Tool Optiscaler zeigen bereits, dass FSR 4 in seiner INT8-Variante auf RDNA 3.5 läuft. Auch für Strix Halo liegen mehrere Bestätigungen vor. Fehlt also nur der offizielle Segen von AMD – was die Frage aufwirft, ob hier eher eine strategische als eine technische Entscheidung vorliegt.
Wettbewerbsdruck durch RTX Spark und Intel Arc G3
Dass Azor so schnell zur Schadensbegrenzung antrat, hat auch mit dem aktuellen Wettbewerbsumfeld zu tun. Auf der Computex 2026 stellte NVIDIA mit RTX Spark einen SoC vor, der DLSS und das gesamte Grafik-Feature-Set von Blackwell auf den Handheld-Markt bringt. Intel wiederum präsentierte die Arc-G3-Serie (Basierend auf Panther Lake) mit nativer Unterstützung für XeSS 3 – inklusive Super Resolution, Multi-Frame-Generation und Low-Latency-Modi. Erste Geräte wie der Acer Predator Atlas 8 und das MSI Claw 8 EX AI+ sollen ab Juni 2026 ausgeliefert werden.
Damit stehen AMDs RDNA-3.5-Handhelds ohne FSR-4.1-Support potenziell im Nachteil: Die Konkurrenz liefert moderne Upscaling-Technologie direkt mit, während AMD hier eine Lücke offen lässt. Die ungewöhnlich schnelle Dementi von Azor deutet darauf hin, dass man die Gefahr erkannt hat.
Was bedeutet „keine Entscheidung“ wirklich?
Setzt man die Aussagen von McAfee und Azor nebeneinander, widersprechen sie sich nicht zwingend. McAfee sprach davon, dass es derzeit keine Planung gebe; Azor bestätigte, dass keine finale Entscheidung getroffen worden sei. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Offen bleibt, ob AMD die Integration prüft oder bereits verworfen hat. Entscheidend ist, dass in der Ankündigung vom Mai nur Desktop-GPUs genannt wurden – integrierte GPUs aller Generationen (RDNA 2, 3 und 3.5) fehlten. Es ist also möglich, dass AMD von Anfang an keine integrierten Lösungen versprochen hat.
Eine Frage der Prioritäten – nicht der Technik
FSR 4.0 war im März 2025 zunächst ein Exklusiv-Feature für RDNA 4. Erst durch ein versehentlich veröffentlichtes INT8-SDK im August 2025 konnten Drittanbieter wie Optiscaler die Technik auf älteren Karten lauffähig machen. Die Community wartete monatelang auf eine offizielle Rückportierung, die dann im Mai 2026 endlich mit FSR 4.1 kam. Dass nun ausgerechnet die aktuelle APU-Generation außen vor bleiben soll, wirkt wie eine weitere Enttäuschung in einer langen Reihe.
Aktuell spricht alles dafür, dass die Entscheidung nicht technisch, sondern strategisch und ressourcenbedingt ist. Die Anpassung von FSR 4.1 für eine neue Architektur erfordert Treiberoptimierung, Qualitätssicherung und langfristigen Support. Angesichts des wachsenden Drucks durch NVIDIA und Intel könnte AMD jedoch kaum eine schlechtere Zeit für ein solches Signal wählen. Die rasche Reaktion von Azor zeigt, dass das Unternehmen den Ernst der Lage erkannt hat – ob daraus eine konkrete Zusage wird, bleibt abzuwarten.