AMD hat überraschend angekündigt, dass die nächste Generation seiner KI-gestützten Hochskalierungstechnologie FSR 4.1 den Weg auf ältere Grafikkarten finden wird. Konkret bestätigte Jack Huynh, Senior Vice President für Computing and Graphics bei AMD, dass Besitzer von RDNA-3-GPUs (Radeon RX 7000 Serie) bereits im Juli in den Genuss der neuen Technik kommen sollen. Für die RDNA-2-Generation (Radeon RX 6000 Serie) ist der offizielle Support für das Jahr 2027 vorgesehen. Diese Ankündigung ist ein Paukenschlag, denn FSR 4 galt bislang als exklusive Domäne der aktuellen RDNA-4-Architektur, wie sie etwa in der Radeon RX 9070 XT steckt. Die Beschränkung auf die neue Generation lag an den verbauten KI-Beschleunigern der zweiten Generation, die für den FP8-Datenformat optimiert sind. Für die älteren Architekturen setzt AMD nun auf eine INT8-Variante, die mit den ersten KI-Einheiten der Radeons kompatibel ist.
Ein Quantensprung für die Bildqualität auf RDNA 3 und RDNA 2
Der Schritt ist vor allem für die enorme Masse an Spielern mit älteren Karten ein Grund zur Freude. FSR 4 bietet im Vergleich zu FSR 3.1 eine deutlich verbesserte Bildtreue. Gerade bei den wichtigen Auflösungen 1080p und 1440p, wo die Basis für das Hochskalieren oft dünner ist, liefert die neue Version ein schärferes und stabileres Bild mit deutlich weniger Ghosting und Bewegungsunschärfe. Die Implementierung der INT8-Unterstützung ist ein cleverer Schachzug, um die Rechenleistung der vorhandenen Hardware effizient zu nutzen. Dadurch wird selbst auf älteren Karten eine beeindruckende visuelle Aufwertung möglich, die bisher nur Besitzern der teuren Topmodelle vorbehalten war.
Handhelds als erste Gewinner
Die ersten großen Nutznießer dieser Entwicklung sind mobile Gaming-Geräte. Handhelds wie das ROG Ally X, das Lenovo Legion Go und das MSI Claw A8, die auf die Effizienz von RDNA-3- und RDNA-2-APUs setzen, werden von FSR 4.1 massiv profitieren. Auch Valves kommende Steam Machine, die ebenfalls auf diese Architekturen setzen wird, kann sich auf eine spürbar verbesserte Performance und Bildqualität freuen. Gerade auf den begrenzten Displays dieser Geräte macht sich der Sprung in der optischen Klarheit besonders bemerkbar.

Die spannendste Perspektive: Die Xbox Series X als PS5-Pro-Äquivalent
Doch die vielleicht folgenreichste Implikation dieser Ankündigung betrifft die Konsolenwelt. Hier liegt der Fokus auf der Xbox Series X. Anders als die PlayStation 5, die auf eine angepasste RDNA-2-Architektur setzt, verbaut Microsoft in ihrer Flaggschiff-Konsole die vollwertige RDNA-2-Implementierung mit allen dazugehörigen Hardware-Features. Genau hier liegt das enorme Potenzial. Sony hat mit der PS5 Pro gezeigt, dass der eigentliche visuelle Quantensprung nicht allein durch eine stärkere GPU, sondern vor allem durch den Einsatz von dedizierter KI-Hardware und der hauseigenen Hochskalierungstechnologie PSSR (PlayStation Spectral Super Resolution) gelingt. Mit FSR 4.1 auf der Xbox Series X würde Microsoft eine vergleichbare Waffe erhalten.
Die native Unterstützung von FSR 4.1 auf der Xbox Series X könnte dieser Konsole ein Upgrade auf das Niveau der PS5 Pro ermöglichen. Die gleiche KI-basierte Hochskalierung, die auf dem PC für Furore sorgt, würde auf der Microsoft-Konsole ein schärferes, detailreicheres 4K-Bild mit reduzierten Artefakten liefern. Dies würde die Xbox Series X nicht nur auf Augenhöhe zur PS5 Pro bringen, sondern ihr auch einen klaren visuellen Vorsprung gegenüber der standardmäßigen PlayStation 5 verschaffen. Es wäre eine Art zweites Leben für die Konsole, die das Xbox-Team um die neue CEO Asha Sharma erst kürzlich mit regelmäßigen Updates und Community-Features wieder in den Fokus rücken will.
Ein Wermutstropfen für den Zeitplan
So verheißungsvoll diese Aussicht auch ist, es gibt einen Haken, der die Euphorie etwas dämpft. AMD hat klar kommuniziert, dass die Unterstützung für RDNA-2-GPUs – also die exakt gleiche Architektur, die auch in der Xbox Series X steckt – erst 2027 kommen soll. Das bedeutet, dass FSR 4.1 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht rechtzeitig für die großen Xbox-Eigenproduktionen des Jahres 2026 wie „Gears of War: E-Day“ oder das neue „Fable“ zur Verfügung stehen wird. Es bleibt also abzuwarten, ob Microsoft und AMD einen Weg finden, den Rollout zu beschleunigen oder ob die Xbox Series X erst nach dem Launch dieser Blockbuster von der Technologie profitieren kann. Die Ankündigung ist dennoch ein starkes Signal: AMDs Upscaling-Technologie wird demokratischer und die Zukunft der Xbox Series X könnte visuell deutlich glänzender aussehen als bisher angenommen.