Intel reaktiviert offenbar die Produktion älterer Core-Prozessoren in größerem Stil – und der Grund dafür ist die anhaltend hohe Nachfrage nach DDR4-Speicher. Wie aus einem Bericht des chinesischen Branchendienstes Channel Gate hervorgeht, der sich auf den WeChat-Kanal BoBantang stützt, bereitet der Chipriese eine deutliche Aufstockung der Liefermengen für seine Desktop-CPUs der 10., 12., 13. und 14. Generation vor. Der Großteil dieser zusätzlichen Inventare soll demnach im dritten Quartal 2026 auf den chinesischen Festlandmarkt fließen. Besonders stark fallen die Steigerungen bei den Serien Comet Lake (10. Gen) und Alder Lake (12. Gen) aus, während die Stückzahlen der Raptor-Lake-Modelle der 13. und 14. Generation eher auf einem stabil hohen Niveau gehalten werden sollen, anstatt drastisch zu steigen. Diese Entwicklung reiht sich in eine Bewegung ein, die sich bereits in den vergangenen Wochen abzeichnete: Händler hatten damit begonnen, die Produktion von DDR4-Mainboards wieder hochzufahren.
Chinas 618-Shoppingfest als Katalysator für den DDR4-Rückkehr
Der Zeitpunkt der gemeldeten Offensive ist kein Zufall. Sie fällt mit dem chinesischen 618-Shoppingfestival zusammen, einem der größten E-Commerce-Ereignisse des Landes. Quellen aus dem Handel zufolge wurden Offline-DIY-Einzelhändler nach dem Ende der Aktionstage angewiesen, DDR4-basierte Plattformen als ihr primäres Verkaufssegment zu bewerben. DDR5aa-Konfigurationen sollen hingegen verstärkt über Online-Kanäle sowie in Internetcafés vertrieben werden. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Informationen bislang auf einen regionalen Handelskanal zurückgehen und nicht offiziell von Intel bestätigt wurden. Dennoch berichten inzwischen mehrere Publikationen übereinstimmend über die zugrundeliegende Leak-Serie.
Explodierende DRAM-Preise zwingen zu kreativen Lösungen
Diese strategische Neuausrichtung ist das direkte Ergebnis einer massiven Marktverschiebung. Die Preise für DRAM-Bausteine sind im zweiten Quartal 2026 um bis zu 89 Prozent in die Höhe geschossen, was vor allem den Consumer-Segment schwer zusetzt. AMD selbst prognostiziert, dass sich die Preise für DDR5 frühestens um das Jahr 2028 herum wieder normalisieren werden, solange die KI-Industrie weiterhin enorme Kapazitäten der Speicherhersteller bindet. Vor diesem Hintergrund ist der Rückgriff auf den Sockel LGA 1700 in Kombination mit DDR4 zu einer der wenigen realistischen Optionen geworden, um die Kosten für einen neuen PC im Rahmen zu halten. Intel folgt damit faktisch dem gleichen Muster wie AMD, das kürzlich den Ryzen 7 5800X3D für die alte AM4-Plattform wiederbelebt hat – ein klares Zeichen, dass beide CPU-Giganten die Lebensdauer ihrer DDR4-Ökosysteme verlängern wollen, weil die Alternativen schlicht zu teuer geworden sind.
Raptor Lake Next: Die dritte Runde für LGA 1700 zeichnet sich ab
Die aktuellen Entwicklungen sind zudem im Kontext der kommenden „Raptor Lake Next“-Generation zu sehen, dem dritten und mutmaßlich letzten Aufguss der LGA-1700-Architektur. Intel bereitet sich Gerüchten zufolge auf einen Launch Anfang 2027 vor. Erwartet werden Desktop-SKUs der Serien Core 7, 5 und 3 mit bis zu 20 Kernen sowie leistungsstarke HX-Mobilprozessoren der Serien Core 7 und 9 für Gaming-Notebooks – alle weiterhin auf dem DDR4-kompatiblen Sockel LGA 1700. Dies untermauert die These, dass Intel mittelfristig kein Interesse daran hat, die günstigere Speichertechnologie aufzugeben, solange der Markt dafür existiert.
Für Käufer außerhalb Chinas dürften diese spezifischen Lieferveränderungen nur bedingt spürbar sein, da der gemeldete Aufschub primär auf den chinesischen Markt abzielt. Dennoch ist der Schritt ein starkes Indiz dafür, dass Intel die Raptor-Lake-Reihe noch längere Zeit nicht aufgeben wird. Das ist eine durchaus positive Nachricht für alle, die auf ältere, bezahlbare Plattformen setzen, während sie darauf warten, dass DDR5 endlich preislich in realistischere Regionen kommt.