IO Interactive entlässt Mitarbeiter nach Xbox-Ausstieg aus Project Fantasy

Der Rückzug von Microsoft aus dem gemeinsamen Projekt zwingt das Hitman-Studio zu personellen Kürzungen.

IO Interactive muss nach dem Aus von Xbox bei Project Fantasy sieben Mitarbeiter in Kopenhagen entlassen.
Highlights
  • Project Fantasy bleibt trotz des finanziellen Rückschlags bei IO Interactive in Entwicklung.
  • Die Entlassungen betreffen sieben Mitarbeiter am Standort Kopenhagen, wie die dänische Zeitung Børsen berichtet.
  • Microsoft begründet den Ausstieg mit einer strengeren Prüfung seiner Investitionen, nicht mit generellen Kürzungen.

Die dänische Spieleschmiede IO Interactive, bekannt für die Hitman-Reihe und den kommenden James-Bond-Titel 007 First Light, hat überraschend Entlassungen bekannt gegeben. Auslöser ist der Rückzug von Microsoft aus dem gemeinsamen Projekt mit dem Codenamen „Project Fantasy“. Der Xbox-Konzern stellt die Finanzierung des ambitionierten Titels ein – ein Schritt, der direkt zu Personalkürzungen beim Studio führt.

Nachdem bereits Gerüchte über massive Stellenstreichungen bei Microsofts Gaming-Sparte kursierten, trifft die Sparwelle nun auch einen externen Entwicklungspartner. IO Interactive bestätigte, dass die Partnerschaft an dem eigenen geistigen Eigentum (IP) Project Fantasy beendet wurde. „Eine Beziehung zu einem externen Partner an unserer eigenen IP, Project Fantasy, ist zu Ende gegangen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Studios. „Das bedeutet, dass wir uns an diese neue Realität anpassen müssen, einschließlich personeller Entscheidungen.“

Bemerkenswert ist dabei die Begründung aus Redmond: Microsoft betont, dass man die Gesamtinvestitionen nicht kürze, sondern lediglich strenger prüfe, welche Projekte eine Förderung erhalten. Für IO Interactive bedeutet der Wegfall der erwarteten Einnahmen jedoch eine empfindliche Lücke, die nun zu personellen Konsequenzen führt. Die betroffenen Mitarbeiter erhalten nach Unternehmensangaben umfassende Unterstützung während des Übergangs.

Project Fantasy bleibt in Entwicklung – Studio zeigt sich kämpferisch

Trotz des finanziellen Rückschlags stellt IO Interactive klar: Project Fantasy ist nicht tot. Das Team sei weiterhin zu 100 Prozent von dem Projekt überzeugt und werde es auch ohne den Xbox-Partner zur Veröffentlichung bringen. „Project Fantasy ist ein Spiel, eine Welt und eine IP, die wir absolut lieben und der wir uns jetzt und in Zukunft voll und ganz verpflichtet fühlen. Dieses wunderbare Universum wird das Licht der Welt erblicken“, verspricht das Management.

Bereits im Mai 2026 hatte CEO Hakan Abrak in einem Interview betont, dass sich das Projekt in einer „gesunden Verfassung“ befinde. Diese Einschätzung scheint trotz der veränderten Rahmenbedingungen Bestand zu haben. Die Entwicklung läuft demnach weiter, wenn auch unter schwierigeren Bedingungen. Offen bleibt, ob IO Interactive einen neuen Publisher oder externen Geldgeber für Project Fantasy findet – oder ob das Studio das Risiko einer Eigenfinanzierung eingeht.

Warum Microsoft den Stecker zog – und was das für die Branche bedeutet

Der Rückzug von Xbox aus Project Fantasy ist Teil eines größeren Trends: Große Publisher justieren ihre Investitionsstrategien neu. Auch andere Konzerne wie NetEase haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Projekte gestoppt und ganze Teams aufgelöst. Microsoft selbst hatte zuvor bereits signalisiert, sich verstärkt auf die erfolgversprechendsten Vorhaben zu konzentrieren – ein Ansatz, der unter dem Schlagwort „highest priorities“ firmiert.

Für IO Interactive ist der Schritt dennoch ein herber Rückschlag. Das Studio hatte sich mit der Hitman-Reihe einen exzellenten Ruf erarbeitet und arbeitet parallel an gleich mehreren Großprojekten, darunter der bereits weit fortgeschrittene James-Bond-Titel. Der Wegfall eines finanziellen Rückhalts für Project Fantasy zwingt das Unternehmen nun zu schmerzhaften Priorisierungen.

Aus Branchensicht zeigt der Fall, wie schnell sich die Finanzierungslandschaft für unabhängige Entwicklerstudios ändern kann. Selbst etablierte Teams mit einer starken IP sind nicht davor gefeit, dass Partner ihre Zusagen zurückziehen. Die Entscheidung von Microsoft ist dabei nicht zwangsläufig ein Zeichen für mangelnde Qualität des Projekts, sondern spiegelt die strategische Neuausrichtung eines globalen Konzerns wider.

Welche Auswirkungen hat der Rückzug auf die verbleibenden Projekte bei IO Interactive?

Die Entlassungen betreffen voraussichtlich jene Bereiche, die in der aktuellen Phase ohne externe Finanzierung nicht voll ausgelastet sind. Der Entwicklungskern von Project Fantasy wird nach Angaben des Studios aber gehalten. Parallel dazu arbeiten die Teams an 007 First Light, das weiterhin als Hoffnungsträger des Studios gilt. Hier gibt es bislang keine Hinweise auf Verzögerungen oder Probleme.

Wie viele Mitarbeiter von den Kündigungen betroffen sind, teilte IO Interactive nicht mit. Einem Bericht zufolge handelt es sich um eine „einstellige Anzahl“ an Stellen: Die dänische Zeitung Børsen berichtet von sieben entlassenen Angestellten in Kopenhagen. Im Vergleich zu den Massenentlassungen bei anderen großen Studios wäre das eine überschaubare Zahl – für ein spezialisiertes Team jedoch ein schmerzhafter Verlust an Know-how und Erfahrung.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob IO Interactive einen neuen Partner für Project Fantasy findet oder den Titel eigenständig zu Ende entwickelt. Die Branche wird die Entwicklung genau verfolgen – denn sie ist ein Gradmesser dafür, wie unabhängige Studios auf den zunehmenden Druck der großen Publisher reagieren können.

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