Midjourney kauft Horoskop-App Co-Star

Midjourney überrascht mit der Übernahme der Horoskop-App Co-Star – ein Schritt in Richtung empathischer Künstlicher Intelligenz.

Die KI-Firma Midjourney kauft die Astrologie-App Co-Star und holt CEO Banu Guler als Chief Design Officer.
Highlights
  • Midjourney übernimmt Co-Star, um die Expertise von CEO Banu Guler für eine empathische KI zu nutzen.
  • Co-Star bleibt unter Gulers vollständiger Kontrolle, erhält aber Zugriff auf Midjourneys Ressourcen.
  • Die Übernahme ist Teil einer Diversifizierungsstrategie, die auch den Gesundheitssektor mit Midjourney Health umfasst.

Die Überraschung war perfekt, als Midjourney, das Unternehmen, das vor allem für seine KI-gesteuerten Bild- und Videogeneratoren bekannt ist, vergangene Woche die Übernahme der Horoskop-App Co-Star bekannt gab. Was auf den ersten Blick wie ein bizarrer Strategiewechsel wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als kalkulierter Schritt in eine neue Richtung. Die Firma kauft nicht einfach eine App, sondern sichert sich die Expertise von CEO Banu Guler, die künftig als Chief Design Officer die kreative Handschrift von Midjourney prägen soll. Co-Star selbst bleibt unter Gulers „vollständiger Kontrolle“, erhält jedoch den Zugriff auf die finanziellen und technologischen Ressourcen des KI-Unternehmens.

Warum kauft ein KI-Bildgenerator eine Astrologie-App?

Die Frage liegt nahe und wird in den sozialen Netzwerken hitzig diskutiert. Banu Guler selbst liefert in einem Beitrag auf X die Begründung: Sie sehe die Akquisition als natürliche Erweiterung ihrer Freundschaft mit Midjourney-Gründer David Holz. Beide teilen die Überzeugung, „dass Computer Werkzeuge sein können, die uns unsere Menschlichkeit offenbaren“. Die Idee: Technologie soll nicht nur effizienter machen, sondern dabei helfen, das eigene Denken und Fühlen zu verstehen, bevor man es in Worte fassen kann. Diese Philosophie passt perfekt zum introspektiven Charakter einer Astrologie-App, die Nutzern täglich personalisierte Deutungen ihres Charakters und ihrer Stimmung liefert.

Dennoch bleibt der Schritt erklärungsbedürftig, denn das Kerngeschäft von Midjourney – die Lizenzierung leistungsfähiger KI-Modelle zur Bilderzeugung – hat mit Horoskopen erst einmal wenig zu tun. Die Akquisition von Co-Star ist jedoch Teil einer umfassenderen Diversifizierungsstrategie. Bereits im Juni hatte das Unternehmen die Entwicklung eines Ganzkörper-Ultraschallscanners angekündigt und eine neue Sparte namens Midjourney Health ins Leben gerufen. Das Unternehmen versucht sich offenbar als Plattform für „empathische“ KI zu positionieren, die weit über die reine Content-Generierung hinausgeht. Co-Star dient hier als Testballon und Blaupause für eine neue Art der Mensch-Maschine-Interaktion, die auf emotionaler Resonanz basiert.

Die Herausforderung: Eine skeptische Zielgruppe

Besonders heikel ist die Übernahme mit Blick auf die Nutzerbasis von Co-Star. Guler gibt an, dass die App „35 Prozent der jungen Menschen in den USA“ erreicht und zig Millionen Downloads verzeichnet. Es ist genau diese Kernzielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, die einer aktuellen Gallup-Umfrage vom April 2026 zufolge zunehmend kritisch gegenüber generativer KI eingestellt ist. Die Umfrage zeigt einen deutlichen Stimmungswandel: Die Begeisterung für KI ist in dieser Altersgruppe um 14 Prozentpunkte auf nur noch 22 Prozent gesunken, die Hoffnung auf die Technologie fiel um neun Punkte auf 18 Prozent. Gleichzeitig ist die Wut über KI um neun Punkte auf 31 Prozent gestiegen. Für Co-Star und Midjourney bedeutet dies, dass sie einen massiven Vertrauensverlust überwinden müssen, um ihre Nutzer von der neuen Partnerschaft zu überzeugen.

Eine neue Ära der „empathischen“ Künstlichen Intelligenz?

Die Frage, ob sich ein auf Astrologie basierendes System tatsächlich als Blaupause für empathische KI eignet, ist durchaus berechtigt. Midjourney scheint jedoch darauf zu setzen, dass der personalisierte, narrative und auf die individuelle Lebenssituation eingehende Charakter von Co-Star wertvoller ist als die astrologische Methodik selbst. Die Expertise, die Guler und ihr Team im Bereich der Nutzerführung und der emotionalen Ansprache entwickelt haben, ist für Midjourneys Pläne im Gesundheitssektor potenziell vielversprechend. Ein KI-Scanner, der nicht nur Daten liefert, sondern diese auch emotional und psychologisch einordnen kann, wäre ein Novum – und genau diese Brücke soll die Übernahme schlagen.

Was bedeutet der Deal für die Nutzer von Co-Star? Für die bestehenden User der App dürfte sich erst einmal wenig ändern. Guler bleibt an der Spitze und betont die Unabhängigkeit des Produkts. Langfristig ist jedoch zu erwarten, dass KI-Funktionen von Midjourney in die App integriert werden, die über die klassische Horoskop-Berechnung hinausgehen. Denkbar sind personalisierte Visualisierungen der Tagesdeutungen oder KI-generierte Gesprächsanregungen, die auf den astrologischen Profilen basieren. Der Erfolg dieser Integration wird maßgeblich davon abhängen, ob es Midjourney gelingt, die Skepsis der jungen Zielgruppe zu zerstreuen – und ob eine auf Algorithmen basierende App tatsächlich das Gefühl von Menschlichkeit vermitteln kann, das Guler und Holz versprechen.

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