Zwei australische Drohnenbauer haben mit ihrem selbst entwickelten Fluggerät namens „Blackbird“ einen spektakulären Geschwindigkeitsrekord aufgestellt: Bei Testflügen erreichte die Maschine eine Spitzengeschwindigkeit von 730 Kilometern pro Stunde. Damit kommt die propellergetriebene Eigenkonstruktion dem Tempo eines Passagierjets bereits beachtlich nahe. Der offizielle Weltrekord ist nur noch eine Frage der Zeit und der richtigen Rahmenbedingungen.
Ein Rekordversuch mit Hindernissen: 730 km/h im Testflug
Das Team von „Drone Pro Hub“, bestehend aus dem erfahrenen Hollywood-Luftbildkameramann Aidan Kelly und dem Luft- und Raumfahrtingenieur Ben Biggs, hat seinen Prototypen über zwei Tage hinweg auf einer abgelegenen Teststrecke in Australien geflogen. Der erste Versuch endete zwar mit einer soliden Geschwindigkeit von 633 km/h, aber auch mit einem Totalverlust: Die Drohne geriet außer Kontrolle und stürzte ab. Grund war der Dopplereffekt, der bei derart hohen Geschwindigkeiten die Funkverbindung zwischen Fernsteuerung und Drohne unterbrach. Das Team musste sich mit nur noch einer verbleibenden Maschine und begrenzten Batteriekapazitäten für den zweiten Tag neu aufstellen.
Die eigentliche Sensation gelang dann am folgenden Tag. Mit Rückenwind beschleunigte die „Blackbird“ auf 730 km/h, gegen den Wind wurden immer noch beeindruckende 640 km/h gemessen. Der offizielle Durchschnittswert aus beiden Läufen liegt bei 685 km/h. Dieser Wert übertrifft den aktuellen Guinness-Weltrekord von Luke Maximo Bell und seinem Vater Mike Bell aus Südafrika, die im Dezember 2025 mit 657,59 km/h die Nase vorn hatten, um knapp 27 km/h. Da der Test jedoch ohne offizielle Schiedsrichter stattfand, wird er vorerst nur als inoffizielle Bestleistung gewertet.
Das Herz der Geschwindigkeit: Die maßgeschneiderte Carbon-Schraube
Der Schlüssel zu dieser außergewöhnlichen Leistung liegt im Antriebssystem, genauer gesagt in einer eigens angefertigten Carbonfaser-Luftschraube. Die Entwickler verfolgten zwei wesentliche Ansätze, um die Effizienz drastisch zu steigern. Zum einen wurde der Anstellwinkel der Propellerblätter extrem erhöht. Ein steilerer Winkel sorgt dafür, dass die Luftschraube bei hohen Geschwindigkeiten weniger Widerstand bietet und die Vortriebskraft optimiert wird. Der Nachteil dieser Bauweise ist eine enorme Belastung des Motors im unteren Drehzahlbereich, insbesondere beim Starten und Schweben. Das belegt auch der extreme Stromverbrauch von 400 Ampere innerhalb von nur zehn Sekunden.
Die zweite, noch bemerkenswertere Innovation ist die sogenannte Sägezahn-Vorderkante des Propellers. Durch winzige, gezackte Einkerbungen an der Blattspitze werden kontrollierte Mikrowirbel erzeugt. Diese Wirbel haben eine stabilisierende Wirkung auf die Luftströmung entlang der Blattoberfläche. Sie reduzieren unerwünschte Querströmungen und verhindern, dass der Propeller bei extremen Anstellwinkeln schlagartig abreißt – ein Phänomen, das in der Luftfahrt als Stall bekannt ist. Obwohl diese Technik in der großen Luftfahrt seit Jahrzehnten bekannt ist, wurde sie in dieser Kombination und für derart hohe Geschwindigkeiten bei einer kleinen, handelsüblichen Hochleistungsdrohne noch nie zuvor eingesetzt. Der Rumpf der „Blackbird“ selbst ist aus dem 3D-Drucker gefertigt, während der Propeller in aufwändiger Handarbeit entstand.
Ein Wettlauf um die Spitze: Von der Garage zur Schallmauer
Die Leistung der australischen Tüftler ist auch im Vergleich zu anderen Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen beeindruckend. Ein Apache-Kampfhubschrauber bringt es auf maximal 303 km/h, ein Formel-1-Boliden auf rund 397 km/h. Die Drohne ist mit ihren 730 km/h deutlich mehr als doppelt so schnell wie diese Maschinen und nähert sich der Reisegeschwindigkeit eines Airbus A380 an, der bei etwa 885 km/h liegt. Der Wettkampf um den schnellsten propellergetriebenen Flugkörper hat sich im Jahr 2025 zu einem wahren Duell entwickelt. Zwischen dem Team von Drone Pro Hub und den Bells wechselte der Rekord innerhalb eines Jahres gleich viermal den Besitzer.
Derzeit wird die beschädigte „Blackbird“ repariert. Das Team hat bereits das nächste ambitionierte Ziel ausgegeben: 800 km/h. In diesem Geschwindigkeitsbereich nähern sich die Propellerspitzen bereits der Schallgeschwindigkeit, was völlig neue physikalische Herausforderungen an die Aerodynamik und die Materialfestigkeit stellt. Das Rennen um den ultimativen Geschwindigkeitsrekord für selbstgebaute Drohnen ist längst nicht entschieden – es geht erst richtig los.