Die niederländische Polizei hat im Rahmen der internationalen Ermittlungen gegen die berüchtigte Hackergruppe ShinyHunters einen 24-jährigen Mann aus Amsterdam festgenommen. Wie die Polizeieinheit Landelijke Opsporing en Interventies am Montag auf X mitteilte, erfolgte die Festnahme bereits im September. Der Verdächtige soll sich am 29. September 2026 vor dem Bezirksgericht Rotterdam verantworten müssen. Die Gruppe ShinyHunters hatte zuvor mit einem spektakulären Angriff auf die Karriereseite des US-amerikanischen FBI für Aufsehen gesorgt.
Frühere Verurteilung und doppelte Karriere als Sicherheitsexperte
Unabhängige Sicherheitsjournalisten sowie das Portal DataBreaches.Net identifizierten den Festgenommenen als Pepijn van der Stap, der in der Hackerszene unter dem Pseudonym „Umbreon“ bekannt ist. Van der Stap war bereits im Jahr 2023 wegen einer Serie von Datendiebstählen und Erpressungsdelikten verhaftet und verurteilt worden. Die aktuellen Ermittlungen stehen im direkten Zusammenhang mit den jüngsten Aktivitäten von ShinyHunters, denen der Einbruch in die FBI-Bewerberplattform apply.fbijobs.gov zugeschrieben wird.
Zwischen legaler Arbeit und illegalen Aktivitäten
Besonders brisant ist die berufliche Doppelrolle des Verdächtigen. Nach seiner ersten Festnahme 2023 arbeitete van der Stap für das Cybersicherheitsunternehmen Hadrian und engagierte sich ehrenamtlich beim niederländischen Institut für Sicherheitslückenoffenlegung (DIVD). In einem damaligen Interview mit DataBreaches.Net schilderte er den inneren Konflikt: „Die Arbeit bei Hadrian und die Freiwilligentätigkeit beim DIVD machten mich noch paranoider, was den Schein nach außen betraf.“ Er berichtete von einem extremen Druck, der schließlich in der ständigen Angst vor einer erneuten Verhaftung mündete. Aktuell listet sein LinkedIn-Profil ihn als Leiter der Offensivsicherheit bei der niederländischen Firma Neo Security.
Der FBI-Hack als PR-Offensive
Der Hintergrund der erneuten Festnahme ist ein Cyberangriff von enormer Tragweite. ShinyHunters hatte im September 2026 bekannt gegeben, in die Systeme der FBI-Karriereseite eingedrungen zu sein und dabei Terabytes an sensiblen Daten erbeutet zu haben. Ein Sprecher der Gruppe erklärte gegenüber dem Magazin 404 Media, dass es sich bei der Aktion nicht um eine Erpressung handele. Vielmehr sei der Angriff als Marketingkampagne konzipiert gewesen, um auf die eigenen Anliegen aufmerksam zu machen. „Wenn wir diese Erklärung auf normalem Weg abgegeben hätten, wäre sie völlig ignoriert worden“, so der Sprecher. Die Gruppe betonte mehrfach, dass das erbeutete Datenmaterial weder veröffentlicht noch an Dritte verkauft werde.
Technische Einbruchsmethode und Reaktion der Behörden
Die genaue Vorgehensweise der Hacker ist inzwischen weitgehend geklärt. Ursprünglich hatte ShinyHunters behauptet, eine bislang unbekannte Sicherheitslücke (Zero-Day) in der Software Oracle PeopleSoft ausgenutzt zu haben. Aktuelle Analysen deuten jedoch darauf hin, dass die Angreifer eine URL-Kodierungstechnik verwendeten. Mit diesem Trick gelang es ihnen, die Regeln einer Web Application Firewall (WAF) zu umgehen, die eigentlich zur Abwehr der bekannten Sicherheitslücke CVE-2026-35273 konfiguriert war.
Auswirkungen auf die Sicherheitsbranche
Der Fall van der Stap wirft ein Schlaglicht auf ein wachsendes Problem der Cybersicherheitsbranche: die Rekrutierung von ehemaligen Hackern. Van der Stap selbst kommentierte seinen Werdegang auf LinkedIn mit den Worten, sein Weg sei „keine gerade Linie“ gewesen, doch die Erfahrung habe ihm Klarheit verschafft: „Wissen dient dem Aufbau und dem Schutz, nicht der Zerstörung.“ Die niederländischen Ermittlungsbehörden stehen nun vor der Aufgabe, die Verbindungen zwischen dem verhafteten 24-Jährigen und der global agierenden Gruppe ShinyHunters im Detail aufzuklären. Die kommenden Gerichtstermine in Rotterdam werden zeigen, ob der erneute Rückfall in illegale Aktivitäten für van der Stap weitreichende strafrechtliche Konsequenzen haben wird. Der Fall unterstreicht die anhaltende Bedrohung durch professionell organisierte Hackergruppen, die selbst vor dem Einbruch in staatliche Systeme nicht zurückschrecken.