nicht-mehr-als-publisher-bei-steam-und-epic-gelistet/“ title=“nicht-mehr-als-publisher-bei-steam-und-epic-gelistet/“ title=“Subnautica 2: Krafton nicht mehr als Publisher bei Steam und Epic gelistet“>Subnautica 2: Krafton nicht mehr als Publisher bei Steam und Epic gelistet„>Steam ist eine der größten digitalen Vertriebsplattformen für Videospiele und ein wesentlicher Archivierungsort für Gaming-Geschichte. Umso beunruhigender ist es für Spieler und Sammler, wenn Titel plötzlich und ohne große Ankündigung aus dem Shop entfernt werden. Nach einer ersten Welle von De-Listings im Frühjahr hat Disney nun erneut einen großen Schwung an Spielen von Steam genommen. Dabei handelt es sich nicht nur um Nischenprodukte, sondern auch um einige Klassiker, was die Besorgnis über den schwindenden Zugang zu älterer Spielekultur weiter schürt.
Die Liste der entfernten Disney-Spiele
Insgesamt traf es dieses Mal dreizehn Titel. Die Liste, die zunächst vom bekannten Twitter-Account Wario64 aufgedeckt wurde, liest sich wie ein Querschnitt durch Disneys weniger erfolgreiche Videospiel-Ära der 2000er und frühen 2010er Jahre, enthält aber auch einige Überraschungen. Folgende Spiele sind nicht mehr auf Steam erhältlich:
High School Musical 3
Disney-Pixar Brave
Bolt
Disney’s Treasure Planet: Battle of Procyon
Alice in Wonderland
Chicken Little
Disney Tangled
G-Force
Disney Universe
Disney Princess: My Fairytale Adventure
Disney Pirates of the Caribbean: At World’s End
Star Wars: Rebellion
Star Wars: Dark Forces
Verlust von Star Wars-Klassikern schmerzt besonders
Während viele der gelisteten Titel wie G-Force oder Chicken Little heute vor allem Kuriositätswert besitzen, stellen die beiden Star Wars-Titel einen erheblichen Verlust dar. Star Wars: Dark Forces gilt als wegweisender First-Person-Shooter, der 1995 mit einer damals innovativen Engine und einer starken Story das Genre für Lizenzspiele neu definierte. Star Wars: Rebellion (in Europa als Star Wars: Supremacy bekannt) ist ein komplexes Strategiespiel, das bis heute eine treue Fangemeinde hat.
Die Entfernung von Dark Forces ist besonders ironisch, da erst kürzlich ein liebevoll gestalteter Remaster veröffentlicht wurde. Der originale Titel war jedoch weiterhin eine wichtige, oft günstigere Option für Puristen und Historiker. Ohne diesen Zugang auf Steam ist die legale Beschaffung der originalen PC-Version nun deutlich umständlicher.
Muster bestätigt sich: Disney räumt sein Nischen-Sortiment ab
Die erneute Säuberungsaktion bestätigt ein klares Muster. Disney scheint systematisch ältere, weniger bekannte und vermutlich kommerziell nicht mehr relevante Titel aus den digitalen Stores zu nehmen. Die Spekulationen aus der ersten Delisting-Welle, es könne sich um vorübergehende Lizenzprobleme handeln, haben sich damit weitgehend erledigt.
Auch die Hoffnung einiger Fans, dass Disney eine umfassende Classics-Sammlung für moderne Plattformen plane, wird durch diese Auswahl ad absurdum geführt. Es ist schwer vorstellbar, dass Titel wie High School Musical 3 und der taktische Weltraum-Strategieklassiker Star Wars: Rebellion in ein und derselben Kollektion landen würden. Die plausiblere Erklärung ist schlichtweg ein Aufräumen der digitalen Lagerhallen und die Vermeidung von potenziellen rechtlichen oder unterstützungstechnischen Aufwänden für Spiele mit geringem Umsatz.
Das Problem der digitalen Vergänglichkeit
Dieser Vorgang unterstreicht ein fundamentales Problem des digitalen Zeitalters: die Vergänglichkeit von Kulturgut. Während physische Spiele auch nach Einstellung des Vertriebs auf dem Gebrauchtmarkt zirkulieren, ist ein digitales Spiel nach seiner Entfernung aus den Stores für neue Käufer praktisch unerreichbar. Archivierungsprojekte und Abandonware-Seiten versuchen zwar, diese Lücke zu füllen, bewegen sich dabei jedoch oft in einer rechtlichen Grauzone.
Für Plattformen wie Steam stellt sich die Frage, inwieweit sie eine Verantwortung als Bewahrer der Spielegeschichte tragen. Zwar können sie Publisher nicht zwingen, Titel dauerhaft anzubieten, aber transparente Kommunikation und längere Vorwarnzeiten vor einem Delisting wären für die Community ein wichtiger Akt des Goodwill.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die jüngste Aktion ist wahrscheinlich nicht das Ende der Fahnenstange. Disney besitzt einen immensen Backlog an Videospielen aus Jahrzehnten der Entwicklung und Lizenzvergabe. Es ist zu erwarten, dass weiterhin Titel, die nicht zu den absoluten A-List-IPs wie den neuesten Lego- oder Kingdom-Hearts-Spielen gehören, nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden.
Für Sammler und Fans bestimmter Nischen-Titel lautet die einzige klare Handlungsaufforderung: Kaufen Sie jetzt, wenn Sie Interesse haben. Der Zugang zu diesen Spielen wird zunehmend präkär. Auch die Verfügbarkeit auf anderen Plattformen wie GOG (Good Old Games), die sich auf den Vertrieb älterer, angepasster Titel spezialisiert haben, ist keine Garantie. Auch dort unterliegen die Spiele den Entscheidungen der Rechteinhaber.
Letztlich zeigt Disneys Vorgehen eine nüchterne Geschäftslogik. In einer Welt, in der die Pflege und Aktualisierung auch alter Software Kosten verursacht, werden Titel, die keinen signifikanten Profit mehr bringen, als Ballast abgeworfen. Dieser Trend ist nicht auf Disney beschränkt und betrifft die gesamte Branche. Das Resultat ist jedoch ein schleichender kultureller Verlust, bei dem weniger populäre, aber historisch interessante Werke aus dem allgemein zugänglichen Gedächtnis gelöscht werden. Die Erhaltung dieser digitalen Artefakte wird damit immer mehr zu einer Aufgabe für engagierte Communities und spezialisierte Archive, während die offiziellen Vertriebswege sich auf die aktuellen Blockbuster und Evergreens konzentrieren.