Telekom stellt Cyberabwehr und KI-Agenten in den Mittelpunkt

Auf der Digital X 2026 betont die Telekom die Notwendigkeit von Cybersicherheit als Führungsaufgabe und die sichere Integration autonomer KI-Agenten in Geschäftsprozesse.

Highlights
  • Die Telekom registrierte allein in einer Woche 23.000 DDoS-Angriffe und strebt eine Demokratisierung der Cybersicherheit an.
  • KI-Agenten können selbstständig auf Anwendungen zugreifen und benötigen aus Sicherheitssicht klare Rollen und minimale Berechtigungen.
  • Mit Security OnNet blockiert die Telekom monatlich über 48 Millionen Bedrohungen bereits im eigenen Netz.

Die Digital X, die zentrale Technologiekonferenz der Deutschen Telekom, fand am 8. September 2026 in Köln statt und rückte die Cyberabwehr als dauerhafte Managementaufgabe in den Fokus. Neben der Absicherung von Unternehmen gegen eine steigende Flut von Angriffen standen die Risiken und Chancen autonomer KI-Agenten, die Strategie souveräner Cloud-Infrastrukturen und die digitale Unabhängigkeit vor allem des Mittelstands im Mittelpunkt der Debatten.

Cyberabwehr als dauerhafte Betriebsaufgabe

Die Diskussion machte deutlich, dass Cybersicherheit nicht mehr allein eine Aufgabe der IT-Abteilung ist, sondern in die Verantwortung der Unternehmensführung fallen muss. Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich belegte dies mit konkreten Zahlen: Allein in einer Woche registrierte der Konzern im eigenen Netz 23.000 DDoS-Angriffe. Ein steigendes Angriffstempo, das auch kleinere Unternehmen zunehmend trifft. Tschersich formulierte das Ziel, Cybersicherheit zu demokratisieren, also professionellen Schutz auch für Unternehmen mit geringen Ressourcen verfügbar zu machen.

Der Bedarf ist enorm. Einer auf der Veranstaltung präsentierten PwC-Befragung zufolge liegt der Median der Informationssicherheits-Teams deutscher Unternehmen bei lediglich drei Vollzeitkräften. 78 Prozent der Mittelständler beziehen bereits Managed Security Services. Die Telekom positionierte daher ihr Angebot „CyberProtect“ als Kombination aus technischen Erkennungsplattformen von Microsoft oder Crowdstrike, menschlichen Analysten und definierten Reaktionsprozessen. Ziel ist es, sicherheitsrelevante Alarme rund um die Uhr zu bewerten und bei Bedarf Gegenmaßnahmen bis hin zur Isolation eines Systems einzuleiten. Mit „Security OnNet“ bietet der Anbieter zudem netzbasierten Schutz: Verdächtige Verbindungen werden bereits im Telekom-Netz erkannt und blockiert, bevor sie Kundensysteme erreichen. Monatlich werden so nach Unternehmensangaben mehr als 48 Millionen Bedrohungen abgewehrt.

KI-Agenten schaffen neue Zugriffsrechte

Ein zentraler Schwerpunkt der Digital X war der Aufstieg der KI-Agenten. Im Gegensatz zu klassischen Assistenten, die Texte generieren oder Informationen zusammenfassen, können diese Agenten selbstständig auf Anwendungen zugreifen, Daten aus verschiedenen Systemen verarbeiten und nach definierten Regeln Aktionen auslösen. Sie ergänzen CRM- oder ERP-Daten, legen Vorgänge an, werten E-Mails aus oder erstellen Tickets. Rodrigo Diehl, Telekom-Vorstand und CEO der Telekom Deutschland, illustrierte die Wirkung am Beispiel der Netzplanung vor Großveranstaltungen: Ein Agent erkennt anstehende Events, ein anderer gleicht Standorte mit Netzlast und Kundenerfahrung ab, weitere leiten Maßnahmen ab und setzen sie um. So automatisiert die Telekom eine zusammenhängende Prozesskette, während Mitarbeitende den Ablauf konzipieren und kontrollieren.

Diese Autonomie wirft grundlegende Sicherheitsfragen auf. Auf welche Daten darf ein Agent zugreifen? Welche Systeme darf er bedienen? Wann ist eine menschliche Freigabe notwendig? Roman Howe vom KI-Unternehmen Anthropic betonte auf der Digital X, dass Menschen den Überblick behalten und Verantwortung für die Ergebnisse übernehmen müssen. Je leistungsfähiger die Modelle, desto wichtiger seien Kontrollmechanismen, Sicherheitsprüfungen und die Nachvollziehbarkeit ihres Verhaltens. Aus Sicht der Telekom müssen KI-Agenten aus Sicherheitssicht wie neue digitale Identitäten behandelt werden – mit klaren Rollen, minimalen Berechtigungen, Protokollierung und organisatorischen Verantwortlichkeiten.

Vier Prognosen für die nächste KI-Phase

Rodrigo Diehl formulierte auf dem Event, das mehr als 6.000 Teilnehmende zählte, vier Erwartungen für die weitere KI-Entwicklung. Erstens werde KI den Bildschirm verlassen und zum ständigen persönlichen Begleiter werden. Er sprach von einem „iPhone-Moment“ in den nächsten drei Jahren, der die folgenden 20 Jahre definieren werde – gemeint ist ein breiter Akzeptanz- und Nutzungsschub, ähnlich der Smartphone-Revolution. Zweitens erwartet er, dass KI-Funktionen nicht nur in zentralen Rechenzentren, sondern stärker in die Netzinfrastruktur rücken. Drittens sei Vertrauen die Voraussetzung für den breiteren KI-Einsatz. Unternehmen müssten nachvollziehen können, wer KI-Systeme betreibt, welche Daten verarbeitet werden und an welchen Standorten. Viertens rechnet Diehl mit einer zunehmenden Selbstständigkeit von KI-Systemen – der Übergang von KI-Assistenten zu Agenten, die innerhalb definierter Grenzen auf Systeme zugreifen und Geschäftsprozesse auslösen.

Telekom stellt Agenten-Plattformen vor

Um diese Entwicklung zu adressieren, kündigte die Telekom zwei Plattformen an. Die „T-AI Agent Plattform“ soll vor allem klar abgegrenzte Arbeitsabläufe im Mittelstand automatisieren, technisch basierend auf der Workflow-Software n8n. Größere Unternehmen adressiert der „T-AI Agentic Hub“ von T-Systems, über den sich Agenten, eingesetzte Modelle, Berechtigungen, Kostenlimits, Protokollierung und menschliche Eskalationen zentral steuern lassen. Als Praxisbeispiel diente die spanische Bank Banco Sabadell, die über den Hub Agenten im Kundenservice und Rechtsbereich einsetzt. Diese klassifizieren eingehende Vorgänge, prüfen Unterlagen und bereiten Fälle vor, die dann von der Rechtsabteilung freigegeben werden.

Netzresilienz und Schutz kritischer Infrastruktur

Neben der Cyberabwehr präsentierte die Telekom mehrere Infrastrukturlösungen. „T Secure Fabric“ verbindet Telekom-Infrastruktur mit Netzen verschiedener Partner zu einer zentral steuerbaren Plattform, um Abhängigkeiten von einzelnen Providern zu reduzieren und die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Live gezeigt wurde zudem ein Drohnen-Schutzschirm, der Funksignale zwischen Drohne und Fernsteuerung erfasst und so sowohl die Drohne als auch den Standort des Piloten lokalisieren kann. Die Daten werden an eine Leitstelle übermittelt. Das System richtet sich an Flughäfen, Industrieanlagen und Betreiber kritischer Infrastruktur. Mit „T Mission“ stellte der Konzern eine Lösung für einsatzkritische Kommunikation vor, die Sprache, Live-Videos, Lagebilder oder Sensordaten über 5G priorisiert überträgt, auch bei hoher Netzauslastung, und die mobile Breitbandkommunikation MCx mit dem Tetra-Funk verbindet.

Souveränität heißt Kontrolle und Wechselbarkeit

Im Cloud-Bereich vertrat die Telekom die These, dass „Cloud first“ als Strategie nicht mehr ausreicht. Entscheidend sei künftig die Frage, welcher Workload auf welcher Infrastruktur läuft und warum. Konzernchef Tim Höttges definierte digitale Souveränität nicht als Protektionismus, sondern als Kontrolle über Daten, Prozesse und die Nutzung von Technologie. Ferri Abolhassan, CEO von T-Systems, ergänzte, die Telekom wolle souveräne Infrastruktur mit Unternehmensanwendungen von Partnern verbinden. Als Beispiele nannte er die „Industrial AI Cloud“ in München mit rund 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs sowie die Bereitstellung der US-Softwareplattform ServiceNow auf T-Cloud-Infrastruktur. Datenhaltung und Betriebsleistungen können so in einem europäischen Modell organisiert werden. Abolhassan betonte, der Reichtum Europas und Deutschlands liege in der Industrie, dem Mittelstand und dem Know-how in den Daten der Ingenieure. Die Telekom wolle dieses Potenzial heben.

Weitere KI-Ankündigungen

Maximilian Ahrens, Managing Director T Digital, kündigte an, die Industrial AI Cloud in München aufgrund hoher Nachfrage weiter auszubauen. Zudem sollen kleinere Pakete und vorkonfigurierte Software den Zugang für den Mittelstand vereinfachen. Im Gesundheitsbereich wird die Telekom gemeinsam mit dem Start-up Prof. Valmed medizinische KI aus der T-Cloud bereitstellen – eine als Medizinprodukt der Klasse IIb CE-gekennzeichnete Lösung zur Unterstützung von Diagnose und Therapie. Die Verantwortung für Entscheidungen bleibt jedoch beim behandelnden Personal. Für Business-Kunden präsentierte der Konzern „Voice AI Notes Mobile“, das Telefonate nach Zustimmung der Gesprächspartner zusammenfasst und Aufgaben festhält. Schließlich wird die Telekom zertifizierter Solution Partner der KI-Plattform Lovable, mit der Unternehmen Kundenportale oder Dashboards per natürlicher Sprache entwickeln können, verknüpft mit der Workflow-Automatisierung über n8n.

Das zentrale Ergebnis der Digital X 2026 ist damit klar: Mit KI wachsen nicht nur die Automatisierungsmöglichkeiten, sondern auch die Anforderungen an Zugriffsrechte, Überwachung, Reaktionsfähigkeit und Betriebsverantwortung. Security, Cloud-Architektur und digitale Souveränität wurden in Köln nicht als isolierte Disziplinen behandelt, sondern als Voraussetzungen, um KI produktiv und kontrolliert in Geschäftsprozesse zu integrieren – eine Botschaft, die insbesondere für den deutschen Mittelstand richtungsweisend ist.

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