Das Mai-Update für Windows 11 hat in den vergangenen Wochen für Frust bei zahlreichen Nutzern gesorgt. Die Installation des kumulativen Sicherheitsupdates KB5089549 scheiterte auf vielen Systemen mit dem kryptischen Fehlercode 0x800f0922. Microsoft hat nun die Ursache offiziell bestätigt und eine Lösung bereitgestellt. Der Fehler liegt nicht in einem klassischen Softwarekonflikt, sondern in einer versteckten Partition, deren Speicherplatz knapp wird.
EFI-Systempartition: Der unsichtbare Engpass
Die Ursache für die fehlgeschlagenen Installationen liegt in der EFI-Systempartition (ESP). Diese Partition ist für den Startvorgang von Windows unerlässlich und wird von der UEFI-Firmware genutzt, um das Betriebssystem zu laden. Sie wird automatisch bei der Installation von Windows angelegt, ist im Explorer aber unsichtbar – in den meisten Fällen ein vergessenes Relikt. Das Problem: Diese Partition ist mit einer Größe von 100 bis 260 Megabyte in der Regel sehr knapp bemessen.
Das Mai-Update KB5089549 enthielt nicht nur die üblichen Sicherheitskorrekturen, sondern auch Updates für UEFI- und Secure-Boot-Komponenten, die in diese Partition geschrieben werden müssen. Auf Systemen, auf denen der freie Speicherplatz in der ESP auf unter zehn Megabyte gefallen war, konnte das Update nicht mehr geschrieben werden. Der Installationsvorgang blieb bei 35 bis 36 Prozent hängen und wurde schließlich mit der Meldung „Änderungen werden rückgängig gemacht“ abgebrochen.
Warum schrumpft der Speicherplatz der ESP?
Der Speicherplatz in der EFI-Systempartition wird nicht durch Windows selbst, sondern durch Herstellerdateien verbraucht. Computerhersteller wie Dell, Lenovo oder HP legen dort oft BIOSa-Wiederherstellungsimages, herstellerspezifische Schriftarten oder andere proprietäre Dateien ab. Diese belegen mit der Zeit mehrere Dutzend Megabyte. Systeme, die seit Windows 10 über mehrere Upgrade-Zyklen gelaufen sind, oder Geräte, deren ESP von Haus aus nur 100 MB groß war, sind besonders anfällig. Auch Dual-Boot-Konfigurationen mit Linux können die Partition füllen. Das Problem ist also ein strukturelles, das sich über Jahre hinweg aufgebaut und nun erstmals in dieser Breite gezeigt hat.
Die Lösung: KB5089573 macht manuelle Eingriffe überflüssig
Microsoft hat auf das Problem reagiert. Das optionale Update KB5089573, das am 26. Mai ausgeliefert wurde, behebt die Ursache. Es passt den Servicing-Stack so an, dass das Mai-Update auch auf Systemen mit voller EFI-Partition installiert werden kann. Eine manuelle Vergrößerung der Partition oder das Löschen von Dateien sind nicht notwendig. Wer das Update nicht manuell in den Windows Update-Einstellungen sucht, kann auf das reguläre Patch-Day-Update am 9. Juni warten, das die gleiche Korrektur enthalten wird.
Wie prüfe ich, ob mein System betroffen ist?
Auch wenn der Fehler nicht aufgetreten ist, lohnt sich ein präventiver Blick auf die ESP. Mit einem einfachen PowerShell-Befehl lässt sich der freie Speicherplatz überprüfen. Öffnen Sie die PowerShell als Administrator und führen Sie folgenden Befehl aus:
Get-Partition | Where-Object GptType -eq '{c12a7328-f81f-11d2-ba4b-00a0c93ec93b}' | Get-Volume | Format-List Size, SizeRemainingcodecodecodecode
Liegt der Wert bei „SizeRemaining“ bei zehn Megabyte oder darunter, ist das System potenziell gefährdet. Löschen Sie jedoch auf keinen Fall manuell Dateien in dieser Partition – ein Fehler würde das System unbootbar machen. In diesem Fall reicht es, das Update KB5089573 oder das Juni-Update zu installieren.
Ein System an der Grenze seiner Möglichkeiten
Dieser Vorfall ist mehr als ein simpler Update-Fehler. Er offenbart eine technische Altlast, die in der Architektur vieler älterer Windows-Systeme schlummert. Die Anforderungen an die ESP sind mit zunehmender Sicherheitskomplexität gestiegen, die Partitionsgrößen vieler Geräte sind jedoch auf dem Stand von Windows 10 geblieben. Microsoft hat das Problem zwar für den Moment entschärft, die grundlegende Verwundbarkeit bleibt bestehen. Für Nutzer älterer oder länger genutzter Marken-PCs ist es eine redliche Warnung: Das System wird nicht unendlich lange auf Pump leben können, ohne dass die versteckten Ressourcen irgendwann erschöpft sind.