Die Konsolidierung bei Microsofts Gaming-Sparte setzt sich mit unverminderter Härte fort. Im Zuge der umfassenden Umstrukturierung, die Konzernchefin Asha Sharma im Juli eingeleitet hatte, sind nun weitere 268 Stellen gestrichen worden. Betroffen sind neben dem Management von Xbox Game Studios vor allem die Teams von Halo Studios und mehrere andere First-Party-Entwickler. Die Entlassungen sind Teil eines tiefgreifenden Umbaus, der die Hierarchien der gesamten Sparte neu ordnet und das Kronjuwel der Marke, die Halo-Reihe, in neue Hände legt.
Halo wechselt zu Activision: Eine strategische Zäsur
Die vielleicht folgenreichste Entscheidung der aktuellen Reorganisation ist die Verlagerung der Halo-Entwicklung. Ein eigens dafür neu zusammengestelltes Team unter dem Dach von Activision wird künftig den nächsten Teil der legendären Shooter-Reihe betreuen. Halo Studios selbst verkleinert sich drastisch auf eine Rumpfmannschaft, die lediglich den Support für die bestehenden Spiele und die Community sicherstellen wird. Für viele Beobachter ist dies das deutlichste Signal dafür, wohin die Reise bei Microsoft geht: Die Übernahme von Activision Blizzard zahlt sich strategisch aus, und die Verlagskompetenz der neu integrierten Einheiten wird zunehmend zum Maßstab für die gesamte Marke Xbox.
Die neue Hierarchie: Wer steuert jetzt wen?
Die aktuellen Stellenstreichungen, die Microsoft eigenen Angaben zufolge zu etwa drei Vierteln den im Juli angekündigten Plan umsetzen, gehen mit einer Neuverteilung der Verantwortlichkeiten einher. Die Umstrukturierung betrifft nicht nur die Stellen, sondern die grundlegende Architektur der Studios, was weitreichende Konsequenzen für die Projekte der kommenden Jahre hat.
- Rare und World’s Edge: Die Entwickler von „Sea of Thieves“ und der „Age of Empires“-Reihe werden fortan von Activision geführt. Dies deutet auf eine stärkere operative Einbindung dieser Studios in die Publishing-Strukturen des Call-of-Duty-Konzerns hin.
- Playground Games und Turn 10: Die beiden Spezialisten für Rennspiele und das Rollenspiel „Fable“ werden fusioniert. Die gebündelte Expertise soll künftig exklusiv in die Marken Forza und Fable fließen, um Synergien zu maximieren und Ressourcen zu schonen.
- Obsidian Entertainment: Das Studio, bekannt für „Grounded“ und „The Outer Worlds“, wird der Aufsicht von Bethesda Softworks unterstellt. Unter diesem Dach arbeitet Obsidian eigenen Angaben zufolge weiter an „Grounded“ sowie an einem neuen Fallout-Projekt in Kooperation mit Bethesda Game Studios.
Der Chef-Inhalteoffizier von Xbox, Matt Booty, begründete die Umstrukturierung in einem unternehmensinternen Vermerk damit, dass man die Anzahl der Geschäftseinheiten reduzieren und Teams, die ohnehin eng zusammenarbeiten, formal unter einem Dach vereinen wolle. Ziel sei es, die Verlagskraft von Microsoft zu fokussieren, anstatt sie über viele kleinere Einheiten zu verzetteln.
Ungewisse Zukunft für Ninja Theory und Arkane
Nicht für alle Studios ist die Zukunft bereits geklärt. Besonders prekär ist die Lage von Ninja Theory, dem Entwickler von „Hellblade: Senua’s Sacrifice“. Das Studio steht nach dem Scheitern zweier Übernahmeverhandlungen kurz vor der Schließung. Microsoft hat die Konsultation mit den Mitarbeitern eingeleitet, sucht aber weiterhin nach alternativen Lösungen. Auch über das Schicksal von Arkane Studios wird noch beraten; die Konsultationen sollen bis Ende des Jahres laufen. Diese Unsicherheit erinnert an die allgemeine Arbeitsplatzunsicherheit, die derzeit viele Teile der Branche erfasst.
Mit den nun bestätigten 268 Kündigungen und der fortschreitenden Integration wichtiger Studios in die Strukturen von Activision und Bethesda zeichnet sich das Ende des jüngsten Restrukturierungszyklus ab. Da Microsoft das Programm jedoch lediglich zu etwa 75 Prozent als abgeschlossen betrachtet, bleibt eine erhebliche Unsicherheit bestehen. Für die verbleibenden rund 1.300 Mitarbeiter, die im Rahmen des ursprünglichen Plans potenziell betroffen sein könnten, ist die Lage weiterhin angespannt. Die Verlagerung der Halo-Entwicklung zu Activision markiert dabei nicht nur einen personellen Einschnitt, sondern auch eine signalhafte Neuausrichtung: Der Publisher setzt bei seinen wichtigsten Marken zunehmend auf die Schlagkraft der neu erworbenen Riesen, während kleinere Studios unter dem Druck der Konsolidierung zu verschwinden drohen.