In der dritten Ausgabe des Manga „Alya Sometimes Hides Her Feelings in Russian“ rücken Emotionen in den Fokus, die weit über das anfängliche Knistern und die süßen Verlegenheitsmomente hinausgehen. Der Band, der die zarte Romanze zwischen der schüchternen Alya und dem aufmerksamen Masachika weiterverfolgt, widmet sich überraschend tiefgründig den weniger angenehmen Regungen der jungen Liebe: Neid und Eifersucht. Dabei sind es nicht nur die offensichtlichen Rivalitäten, die das Geschehen bestimmen. Vielmehr zeigt die Handlung, wie diese Gefühle aus unterschiedlichen Perspektiven und Motivationen heraus entstehen und die Dynamik zwischen den Figuren auf eine neue, fesselnde Ebene heben.
Alya: Der Schmerz der vermeintlichen Rivalin
Die offensichtlichste Quelle der Eifersucht ist Alya selbst. In den vorherigen Bänden wurde ihre Zuneigung zu Masachika bereits angedeutet, und die beiden beginnen, besondere Momente miteinander zu teilen. Doch dann tritt Yuki auf den Plan, eine charmante junge Frau, die eine überraschend enge Bindung zu Masachika zu haben scheint. Alya, die Yuki für eine bloße Jugendfreundin hält, beobachtet mit wachsender Besorgnis, wie Masachika ihr zuhört, auf ihre Bitten eingeht und gemeinsame Erinnerungen mit ihr teilt. Dieses Gefühl der Verdrängung und die Erkenntnis, dass sie vielleicht nicht die Einzige ist, die ihm nahesteht, lösen in Alya eine tiefe Eifersucht aus. Die Reaktionen der Protagonistin sind dabei ebenso nachvollziehbar wie unterhaltsam: Um sich zu beweisen und mit der „Rivalin“ mitzuhalten, scheut sie nicht einmal davor zurück, extrem scharfes Ramen zu essen, was in einer komödiantischen, aber auch entlarvenden Szene gipfelt. Die Eifersucht wird hier zum Katalysator für Alya, ihre eigene Position im Leben von Masachika zu hinterfragen und um sie zu kämpfen.
Yuki: Eifersucht auf eine verlorene Beziehung
Weniger offensichtlich, aber nicht weniger komplex, ist die Eifersucht von Yuki. Wie der aufmerksame Leser bereits weiß, ist sie in Wirklichkeit Masachikas kleine Schwester. Aufgrund der komplizierten Familienverhältnisse wird diese Verbindung jedoch offiziell nicht anerkannt. Yuki ist somit gezwungen, die einstige, enge Beziehung zu ihrem Bruder hinter einer Fassade der Freundschaft und des neckischen Spiels zu verbergen. Ihre Eifersucht richtet sich weniger gegen Alya als Person, sondern vielmehr gegen die Situation. Sie beneidet Alya um die Möglichkeit, eine unbelastete und offene Beziehung mit Masachika führen zu können, während sie selbst um die verlorene Nähe und Anerkennung ihrer Kindheitstrauert. Dies zeigt sich in ihren Handlungen: Sie sucht weiterhin die Nähe zu Masachika, erinnert ihn an gemeinsame Erlebnisse und drängt sich immer wieder zwischen die beiden. Was oberflächlich wie neckische Konkurrenz wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Ausdruck eines tiefsitzenden Schmerzes und einer Sehnsucht nach einem unmöglich gewordenen Familienleben.
Masachika: Der unerwartete Neid auf Alyas Leidenschaft
Die vielleicht überraschendste und tiefgründigste Facette der Eifersucht zeigt sich jedoch bei Masachika selbst. Er hat nicht nur romantische Gefühle für Alya, sondern ist zutiefst beeindruckt von ihrer Art. In einer Schlüsselszene, in der Alya ihm erklärt, warum sie Schülersprecherin werden möchte – weil sie es selbst will –, wird ihm schmerzhaft bewusst, was ihm selbst fehlt. Er betrachtet sie als „blendend“ und „leidenschaftlich“, Eigenschaften, die er in sich selbst aufgrund seiner familiären Vergangenheit vermisst. Der Satz, den er in diesem Moment denkt – „Sie ist unglaublich … ich beneide sie wirklich …“ – entlarvt eine überraschende Dynamik. Masachika ist nicht nur neidisch auf die Beziehung, die Alya und Yuki zu ihm haben, sondern vor allem auf Alyas innere Stärke, ihre Fähigkeit, für ihre Träume einzustehen und sich von äußeren Umständen nicht beirren zu lassen. Diese Form des Neids ist weniger auf Konkurrenz ausgerichtet, sondern vielmehr ein Ausdruck von Bewunderung und dem eigenen Wunsch, ähnlich strahlend und entschlossen zu sein. Er sieht in Alya das, was er selbst gerne wäre, und das treibt ihn an.
Der dritte Band von „Alya Sometimes Hides Her Feelings in Russian“ zeigt eindrucksvoll, dass Eifersucht und Neid keine eindimensionalen, negativen Gefühle sein müssen. Sie sind vielmehr natürliche, menschliche Regungen, die aus tiefen Sehnsüchten und unerfüllten Bedürfnissen entstehen. Ob es nun der Wunsch nach Exklusivität, der Schmerz über eine verlorene Bindung oder die Bewunderung für eine bewundernswerte Eigenschaft ist – die Serie nutzt diese Emotionen, um ihre Charaktere zu vertiefen und ihnen eine überraschende Komplexität zu verleihen. Die düsteren Schatten des Neids sorgen dafür, dass die hellen Momente der jungen Liebe umso kostbarer erscheinen. Die ersten drei Bände des Manga sind aktuell über Yen Press auf Englisch erhältlich, ein Termin für den vierten Band steht noch nicht fest. Die Anime-Adaption wird unter anderem auf Crunchyroll gestreamt.