Ubisoft Net Bookings sinken um 54 Prozent im Jahresvergleich

Von Gaming Central - Gaming-Redaktion & Analyse

Ubisoft hat die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt und dabei ein gemischtes Bild gezeichnet. Während das vierte Quartal die eigenen Erwartungen übertraf, fiel der Jahresausblick ernüchternd aus: Die Net Bookings, also die Umsätze aus dem Verkauf eigener Spiele und Dienstleistungen, gingen im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent zurück. Der französische Publisher befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Neuaufstellung, die mit erheblichen Einschnitten und einer angespannten Stimmung in der Belegschaft einhergeht.

Q4 übertrifft Prognosen, Jahresbilanz bleibt schwach

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte Ubisoft Net Bookings in Höhe von 415 Millionen Euro (etwa 482 Millionen USa-Dollar) und lag damit über der eigenen Prognose von rund 390 Millionen Euro (453 Millionen US-Dollar). Dennoch konnte diese positive Entwicklung den drastischen Rückgang auf Jahressicht nicht kompensieren. Das Unternehmen führt diese Gegenläufigkeit unter anderem auf die Veröffentlichung von Assassin’s Creed Shadows sowie auf deutlich gestiegene Einnahmen aus Partnerschaften zurück. Die genauen Umsatzströme und der Anteil der einzelnen Titel an der Quartalsperformance wurden im Rahmen der Earnings-Veröffentlichung nicht vollständig aufgeschlüsselt, doch die Richtung ist klar: Der Konzern durchläuft eine Phase, in der kurzfristige Erfolge die strukturellen Herausforderungen nicht überdecken können.

Die Transformation: Fünf Creative Houses und ein neuer Fokus

Bereits im Januar hatte Ubisoft eine umfassende Restrukturierung eingeleitet, die das Unternehmen schlanker, agiler und stärker auf die Spielerbedürfnisse ausrichten soll. Der Publisher wurde um fünf sogenannte Creative Houses neu organisiert. Parallel dazu wurden Kostensenkungsprogramme aufgelegt, Projekte eingestellt und eine verbindlichere Rückkehr ins Büro angeordnet. Co-Gründer und CEO Yves Guillemot spricht von einer der ambitioniertesten Umgestaltungen in der Unternehmensgeschichte. Ziel sei es, eine Organisation zu schaffen, die durch einen gleichmäßigen Veröffentlichungsrhythmus hochwertige Spielerlebnisse liefern und gleichzeitig langfristig Werte aufbauen kann. Die operative Umsetzung dieser Neuausrichtung soll im laufenden Geschäftsjahr 2026/27 abgeschlossen werden.

Setback als Chance: Guillemot erwartet Tiefpunkt beim Free Cashflow

Guillemot selbst erwartet, dass das aktuelle Geschäftsjahr den Tiefpunkt in der Entwicklung des Free Cashflows markieren wird. Grund dafür sind die anhaltenden Restrukturierungskosten sowie ein vergleichsweise schwaches Veröffentlichungsprogramm. Die finanziellen Belastungen sind enorm, und die Bilanz zeigt, wie tief der Einschnitt tatsächlich ist. Sieben Projekte wurden eingestellt, sechs weitere verschoben. Der Fokus liegt nun auf einer Handvoll etablierter Marken. Namentlich nannte der CEO Rainbow Six Siege, Assassin’s Creed Black Flag Resynced sowie weitere gezielte Premium-Titel auf Basis bestehender Ubisoft-Franchises. Der langfristige Finanzplan sieht vor, dass der Free Cashflow im Geschäftsjahr 2027/28 wieder positiv wird und im darauffolgenden Jahr 2028/29 ein robustes Niveau erreicht.

Personalabbau und Arbeitskämpfe: Die menschliche Seite der Restrukturierung

Die Neuausrichtung von Ubisoft hat erhebliche personelle Konsequenzen. Seit der Ankündigung der großen Restrukturierung kam es zu einer Reihe von Standortschließungen und Entlassungen. Im Studio Red Storm wurde die Spieleentwicklung komplett eingestellt, 105 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Das Studio in Halifax wurde geschlossen, nur wenige Wochen nachdem die Belegschaft für eine Gewerkschaftsgründung gestimmt hatte. In Abu Dhabi strich Ubisoft im November 2025 still und leise 29 Stellen, und im Februar folgten 40 Entlassungen in Toronto. Hinzu kommt die Einstellung des noch nicht offiziell angekündigten Social-Sim-Spiels Alterra, das ebenfalls Opfer des Sparkurses wurde.

Internationaler Streik und Rücktrittsforderungen

Die Belegschaft reagiert zunehmend verärgert auf die Entwicklung. Rund 1.200 Beschäftigte traten am 10. Februar in den Streik, um gegen die Sparmaßnahmen und die Unternehmensführung zu protestieren. Bereits Tage zuvor hatten zwei Gewerkschaftsvertreter den Rücktritt von CEO Yves Guillemot gefordert. Die Lage eskalierte weiter, als fünf französische Gewerkschaften zu einem dreitägigen internationalen Streik aufriefen. In einem offenen Aufruf verlangten sie von der Führung, endlich die Verantwortung für die Folgen ihres als katastrophal bezeichneten Managements zu übernehmen. Die Stimmung ist aufgeheizt, und das Misstrauen zwischen der Belegschaft und der Führungsebene ist so groß wie lange nicht mehr.

Guillemots langfristige Vision versus kurzfristige Realität

In der aktuellen Finanzmitteilung betonte Guillemot, dass die zweijährige Transformation mit schwierigen Entscheidungen und einer enttäuschenden kurzfristigen finanziellen Performance einhergehe. Dennoch sei er fest davon überzeugt, dass die ergriffenen Maßnahmen Ubisoft langfristig besser positionieren, um nachhaltige Free Cashflows zu erwirtschaften. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen. Die Anzeichen verdichten sich, dass Ubisoft deutlich kleiner und fokussierter aus der Krise hervorgehen wird, aber auch verletzlicher gegenüber Marktschwankungen ist. Die kommenden zwölf bis 24 Monate werden entscheidend dafür sein, ob der Konzern seine ambitionierten Ziele erreichen kann oder ob die Widerstände aus der Belegschaft und die finanziellen Hypotheken die Neuausrichtung gefährden.

Diesen Artikel teilen
Gaming-Redaktion & Analyse
Das Redaktionsteam von Overcentral besteht aus erfahrenen Experten und Analysten mit langjähriger Erfahrung in der Gaming-Branche. Unsere Mission ist es, fundierte Inhalte durch strenge Tests, technische Hardware-Analysen und eine tiefgreifende Berichterstattung über globale Trends zu liefern – für redaktionelle Integrität und professionelle Einblicke in der Gaming-Community.