Ubisoft Barcelona streikt wegen Kündigung von 51 Entwicklern

Die Belegschaft des spanischen Ubisoft-Studios kämpft gegen die Streichung von fast einem Drittel der Stellen.

Ubisoft Barcelona: 51 von 180 Mitarbeitern sollen entlassen werden, die Gewerkschaft ruft zum Streik auf.
Highlights
  • Die Belegschaft von Ubisoft Barcelona hat einen mehrtägigen Streik gegen die geplanten 51 Entlassungen angekündigt.
  • Die Gewerkschaft fordert einen verbindlichen Kontinuitätsauftrag und Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen für fünf Jahre.
  • Der Streik könnte Signalwirkung für ähnliche Konflikte in anderen europäischen Entwicklerteams von Ubisoft haben.

Die Belegschaft des Ubisoft-Studios in Barcelona hat einen mehrtägigen Streik angekündigt. Auslöser ist die Ankündigung des französischen Mutterkonzerns, 51 der insgesamt rund 180 Mitarbeiter des Standorts zu entlassen. Dies entspricht einem Personalabbau von 28 Prozent und ist Teil einer umfassenderen Restrukturierungswelle, die bereits mehrere andere Ubisoft-Niederlassungen in Nordamerika und Europa getroffen hat.

Die Gewerkschaftskoordination der Videospielbranche, die den Arbeitskampf offiziell ausgerufen hat, plant insgesamt sechs Streiktage über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg. Die Aktionen sind jeweils für die Nachmittage dienstags und donnerstags angesetzt und erstrecken sich vom 30. Juni bis zum 16. Juli. Mit dieser zeitlichen Taktung soll der operative Betrieb des Studios nachhaltig gestört und der Druck auf die Unternehmensführung erhöht werden, ohne dass die Beschäftigten ihren gesamten Arbeitsplatz verlieren.

Warum die Belegschaft von Ubisoft Barcelona streikt

Die Forderungen der streikenden Entwickler gehen über den sofortigen Stopp der geplanten Entlassungen hinaus. Sie verlangen von der Konzernleitung ein verbindliches Bekenntnis zur langfristigen Standortsicherheit und tiefgreifende Änderungen der Arbeitsbedingungen. Im Kern der fünf Punkte umfassenden Liste steht ein sogenannter „Kontinuitätsauftrag“. Dieses Mandat soll die dauerhafte Beschäftigung der 51 von der Kündigung bedrohten Kollegen durch eine bindende Neuverhandlung der Aufgaben des Studios in Barcelona garantieren.

Darüber hinaus fordern die Beschäftigten einen harten Schutz vor weiteren betriebsbedingten Kündigungen nach spanischem Recht, bekannt als „ERE“, für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Ein weiterer Streitpunkt ist die von der Unternehmensseite unilateral gestoppte Beförderungspraxis, deren sofortige und strikte Einhaltung die Gewerkschaft zur Bedingung für eine Einstellung des Arbeitskampfes macht. Die also erstrittene Rückkehr zum Homeoffice-Modell mit einer erlaubten Quote von 60 Prozent mobiler Arbeit pro Monat sowie ein formell wieder aufgenommener Gehaltsentwicklungsplan runden das Paket ab.

Die aktuelle Lage: Welche Studios von den Massenentlassungen betroffen sind

Der Streik in Barcelona ist nicht der einzige Widerstand gegen die radikale Sparpolitik des Publishers. Die aktuell laufende Kostensenkungswelle hat neben dem spanischen Studio auch die kanadische Niederlassung in Winnipeg erfasst, die geschlossen wird. In Serbien trifft es die Belegschaft von Ubisoft Belgrad, die ebenfalls mit der vollständigen Schließung des Standorts konfrontiert ist. Insgesamt sind nach Angaben der Berichterstattung rund 380 Mitarbeiter von den aktuellen Maßnahmen betroffen.

Die Entwicklung stellt einen der tiefgreifendsten Einschnitte in der jüngeren Firmengeschichte dar. Ubisoft durchlebt seit mehreren Quartalen eine Phase der Neustrukturierung, die auf eine Verschlankung der Konzernstrukturen und eine Fokussierung auf wenige Großprojekte abzielt. Die Schließung und der Personalabbau in Barcelona zeigen jedoch, dass selbst erfolgreiche mittelgroße Studios, die als Support-Einheiten für die Triple-A-Entwicklung fungieren, von der Sparwelle nicht verschont bleiben.

Wie der Arbeitskampf organisiert ist

Die Koordination der Aktion erfolgt über das gemeinsame Gremium der Branchengewerkschaften. Die Taktung der Streiks auf zwei Wochentage über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg ist bewusst gewählt: Sie vermeidet einen vollständigen Ausfall der Produktion, der die Belegschaft in eine wirtschaftliche Notlage treiben könnte, untergräbt aber kontinuierlich die Planbarkeit der Projektarbeit und der lokalen Verwaltung. Das Ziel ist es, einen Verhandlungsprozess zu erzwingen, bevor die Kündigungen zum 16. Juli hin rechtswirksam werden.

Sollte die Unternehmensführung nicht auf die Forderungen eingehen, ist eine Eskalation des Streiks nicht ausgeschlossen. Die Entwickler in Barcelona stehen stellvertretend für eine Branche, die in den vergangenen zwei Jahren ein beispielloses Maß an Stellenstreichungen erlebt hat. Der Fall Ubisoft ist dabei besonders brisant, da er das Verhältnis zwischen den Produktionsstandorten in Hochlohnländern wie Spanien und den Kostenoptimierungsstrategien der internationalen Holding auf die Probe stellt. Der Ausgang des Arbeitskampfes in Barcelona könnte Signalwirkung für ähnliche Konflikte in anderen europäischen Entwicklerteams des Konzerns haben.

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