Amazon Leo startet Satelliten-Breitbanddienst noch 2026

Amazon bringt mit über 390 Satelliten seinen Breitbanddienst an den Start und tritt gegen Starlink an.

Der Start von 29 Leo-Satelliten markiert den Beginn des kommerziellen Satelliteninternets von Amazon.
Highlights
  • Amazon hat 29 neue Leo-Satelliten erfolgreich gestartet und plant den Dienststart noch 2026.
  • Mit über 390 Satelliten im Orbit sieht sich Amazon bereit für erste kommerzielle Verbindungen.
  • Die neue Vulcan-Rakete soll den Ausbau der Netzkapazität deutlich beschleunigen.

Eine Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance (ULA) hat in den frühen Morgenstunden des 2. Juli 29 Satelliten des Projekts Amazon Leo ins All gebracht. Der Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida markiert einen entscheidenden Schritt: Amazon bestätigte die erfolgreiche Aussetzung der Satelliten sowie die erste Kontaktaufnahme und Funktionsprüfung im Orbit. Noch in diesem Jahr soll der kommerzielle Breitbanddienst anlaufen, wie das Unternehmen mitteilte.

Mit dieser Mission steigt die Zahl der einsatzbereiten Leo-Satelliten auf über 390. Damit sei eine ausreichende Konstellation erreicht, um in ersten geografischen Breitengraden einen durchgehenden Dienst anbieten zu können, so Chris Weber, Vice President von Amazon Leo. Die aktuelle Mission war zugleich der letzte Einsatz der Atlas V für das Projekt – nach insgesamt 224 ins All gebrachten Satelliten übergibt ULA nun das Zepter an die Schwerlastrakete Vulcan. Dieses Trägersystem kann pro Start mehr als 40 Satelliten transportieren und deutlich frequenter starten, was den Ausbau der Netzkapazität spürbar beschleunigen dürfte.

Meilenstein für den Satelliten-Breitbanddienst von Amazon

„Wir haben einen klaren Weg, um Start- und Einsatzfrequenz zu erhöhen“, erklärte Melissa Wuerl, Director of Launch Systems bei Amazon Leo. Sie verwies dabei auf hunderte flugbereite Satelliten am Cape sowie eine neu errichtete, dedizierte Integrationsanlage für die Vulcan-Missionen. Sobald die neu gestarteten Satelliten ihre endgültige Betriebshöhe von rund 631 Kilometern erreicht haben, soll der Dienst noch in diesem Jahr für erste Kunden freigeschaltet werden.

Der Start vom 2. Juli war ein weiterer Mosaikstein in der Aufbauphase des Projekts. Insgesamt hat Amazon Leo nach diesem Start mehr als 390 Satelliten im Orbit – eine beachtliche Zahl, die jedoch zeigt, wie viel Arbeit noch bevorsteht, um mit dem Branchenprimus Starlink von SpaceX mitzuhalten. SpaceX betreibt inzwischen weit über 10.000 Satelliten und deckt weite Teile der Erde ab.

Wie viele Satelliten benötigt Amazon Leo für den Dienststart?

Amazon hat bislang keine exakte Mindestzahl für den Betriebsstart genannt, doch mit über 390 Satelliten sieht sich das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Lage, in den ersten Einsatzregionen eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten. Die Erfahrung zeigt, dass für einen globalen Dienst mehrere tausend Satelliten erforderlich sind – Amazon setzt daher auf eine drastische Erhöhung der Startfrequenz.

Vulcan, New Glenn und die Frage der Schubkraft

Neben der ULA-Vulcan setzt Amazon auf die New-Glenn-Rakete von Blue Origin, dem Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos. New Glenn soll mehr als 48 Satelliten pro Start befördern können. Allerdings erlitt die Rakete im Mai bei einem Heißtest eine Explosion auf der Startrampe, die alle geplanten Missionen auf Eis legte. Blue Origin arbeitet nach eigenen Angaben intensiv am Bau einer neuen Startplattform, um die Flüge noch im Laufe dieses Jahres aufnehmen zu können.

Die parallele Nutzung mehrerer Trägersysteme ist strategisch klug: Sie reduziert Abhängigkeiten und erhöht die Ausfallsicherheit. Sollte ein Anbieter ausfallen, kann Amazon auf die Kapazitäten anderer Träger ausweichen. Gleichzeitig wird der Aufbau der Konstellation dadurch insgesamt schneller und flexibler.

Derzeit nutzen weltweit Millionen Menschen Starlink für schnellen Internetzugang in ländlichen und schwer erreichbaren Gebieten. Amazon Leo startet mit Verspätung, hat aber zwei entscheidende Vorteile: Zum einen die tiefe Integration mit dem Amazon-Ökosystem (AWS, Alexa, Prime), zum anderen die Möglichkeit, auf die massiven finanziellen Ressourcen des Konzerns zurückzugreifen. Die Konkurrenz wird sich in den kommenden Monaten zuspitzen – vor allem in Märkten, in denen die Nachfrage nach Satelliteninternet rasant wächst.

Die technische Herausforderung bleibt enorm: Jeder Satellit muss in seine vorgesehene Bahn manövriert werden, die Bodeninfrastruktur muss aufgebaut, Nutzerendgeräte müssen produziert und vertrieben werden. Amazon Leo will zunächst in ausgewählten Breitengraden starten und dann sukzessive ausweiten. Das Unternehmen betont, dass man auf einem „klaren Weg“ sei, die Abdeckung schnell zu vergrößern.

Welche Technik steckt hinter Amazon Leo?

Die Leo-Satelliten arbeiten im niedrigen Erdorbit (Low Earth Orbit) und nutzen Ka-Band-Frequenzen für die Datenübertragung. Amazon setzt dabei auf proprietäre Antennentechnik und eine enge Anbindung an die AWS-Cloud-Infrastruktur. Die Nutzerendgeräte werden voraussichtlich in drei Varianten angeboten: für Privathaushalte, Unternehmen und mobile Anwendungen. Konkrete Preise hat Amazon noch nicht veröffentlicht, doch Branchenbeobachter rechnen mit einem Einstiegspreis von rund 300 bis 500 US-Dollar für das Terminal und monatlichen Gebühren zwischen 50 und 100 US-Dollar.

Ausblick für den Rest des Jahres

Die nächsten Monate werden zeigen, ob Amazon die angekündigte Betriebsaufnahme noch 2026 realisieren kann. Entscheidend dafür sind die erfolgreiche Inbetriebnahme der New Glenn, die schnelle Serienproduktion der Satelliten sowie die reibungslose Erhöhung der Orbitalhöhe der aktuell gestarteten Einheiten. Sollte alles nach Plan laufen, könnte Amazon Leo noch im vierten Quartal 2026 die ersten kommerziellen Verbindungen schalten und damit eine neue Ära im Satelliteninternet einläuten – eine Entwicklung, die den gesamten Markt nachhaltig verändern dürfte.

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