56 Prozent der US-Erwachsenen unterstützen SNS-Verbot für unter 16-Jährige

Überparteilicher Konsens: Die Mehrheit der Erwachsenen in den USA fordert ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren.

Die Pew-Studie zeigt: 56 Prozent der US-Erwachsenen unterstützen ein gesetzliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.
Highlights
  • Eltern mit Kindern unter 18 Jahren befürworten das Verbot mit 65 Prozent Zustimmung besonders deutlich.
  • Die höchste Unterstützung kommt von 30- bis 49-Jährigen, von denen 63 Prozent für ein Verbot sind.
  • Australien liefert ambivalente Erfahrungen: Über 60 Prozent der Jugendlichen umgehen das Verbot weiterhin mit Methoden wie VPNs.

Mehr als die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung spricht sich für ein gesetzliches Verbot von Social-Media-Plattformen für Jugendliche unter 16 Jahren aus. Eine neue Erhebung des Pew Research Centers zeigt, dass die Zustimmung parteiübergreifend hoch ist und insbesondere Eltern sowie die Kernzielgruppe der 30- bis 49-Jährigen eine strikte Regulierung fordern. Die Daten untermauern einen globalen Trend, der bereits in mehreren Ländern zu konkreten Gesetzesinitiativen geführt hat.

56 Prozent der US-Erwachsenen befürworten ein SNS-Verbot für unter 16-Jährige

Das Pew Research Center veröffentlichte am 1. Juli 2026 die Ergebnisse einer umfangreichen Umfrage, die zwischen dem 26. Mai und dem 1. Juni 2026 unter 9.750 erwachsenen US-Bürgern durchgeführt wurde. Demnach befürworten 56 Prozent der Befragten ein gesetzliches Verbot der Social-Media-Nutzung für Minderjährige unter 16 Jahren. Lediglich 21 Prozent lehnen ein solches Verbot ab, während 23 Prozent unentschlossen sind.

Die Zustimmung ist bemerkenswert gleichmäßig über verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilt. Die höchste Unterstützung verzeichnet die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen mit 63 Prozent. Diese Generation, die selbst mit Social Media aufgewachsen ist und nun eigenen Kindern Smartphones in die Hand gibt, zeigt die größte Dringlichkeit. Selbst unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren befürworten 52 Prozent ein Verbot – ein Wert, der über dem der über 65-Jährigen liegt, die nur zu 49 Prozent zustimmen.

Eltern und parteiübergreifender Konsens

Besonders deutlich wird der Wunsch nach Regulierung bei Eltern. Unter den Befragten, die Kinder unter 18 Jahren haben, steigt die Zustimmungsrate auf 65 Prozent. Bei Erwachsenen ohne Kinder liegt sie bei 52 Prozent. Die tägliche Erfahrung mit der Mediennutzung des eigenen Nachwuchses scheint die Überzeugung zu schärfen, dass ein Verbot notwendig ist.

Auch die politische Polarisierung, die viele gesellschaftliche Debatten in den USA prägt, greift bei diesem Thema kaum. 59 Prozent der Anhänger der Republikaner und 54 Prozent der Demokraten unterstützen das Verbot. Die Regulierung von Social Media für Minderjährige entwickelt sich damit zu einem seltenen überparteilichen Konsenspunkt in der zerrissenen politischen Landschaft der USA.

Über das reine Verbot hinaus: Breite Unterstützung für gestaffelte Schutzmaßnahmen

Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung ein reines Nutzungsverbot nicht als alleinige Lösung betrachtet. Noch größer ist die Zustimmung zu gestaffelten Schutzmaßnahmen, die gezielt in die Nutzungsbedingungen und die Verantwortung der Plattformbetreiber eingreifen.

So befürworten 85 Prozent der Erwachsenen eine gesetzliche Pflicht zur Einholung der Zustimmung der Erziehungsberechtigten, bevor Minderjährige ein Konto erstellen können. Dieser Wert stieg in den letzten drei Jahren um vier Prozentpunkte (2023: 81 Prozent). Eine verpflichtende Altersverifikation vor der Nutzung von Social Media unterstützen 78 Prozent – ein Anstieg um sieben Punkte seit 2023. Ebenfalls 78 Prozent sprechen sich für eine Begrenzung der täglichen Nutzungsdauer für Minderjährige aus, was einem Zuwachs von neun Punkten gegenüber 2023 entspricht.

Die Ablehnungsraten für diese Maßnahmen liegen durchweg unter zehn Prozent. Dies belegt einen gesellschaftlichen Grundkonsens: Die Debatte hat die Frage, ob reguliert werden soll, längst hinter sich gelassen. Sie konzentriert sich zunehmend darauf, wie weit und in welcher Form der Staat in die Nutzung eingreifen soll.

Globale Bewegung: Immer mehr Länder ziehen die Grenze bei 16 Jahren

Die Veröffentlichung der Pew-Daten fällt in eine Phase beschleunigter Regulierungsaktivitäten weltweit. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurde das Mindestalter von 16 Jahren mehrfach gesetzlich verankert.

  • Australien verabschiedete im Dezember 2025 das weltweit erste Gesetz, das die Nutzung von Social Media für unter 16-Jährige verbietet. Die Durchsetzung gestaltet sich allerdings schwierig.
  • Frankreich verabschiedete im Januar 2026 einen Gesetzentwurf im Unterhaus, der ein generelles Verbot für unter 15-Jährige vorsieht.
  • Indonesien führte im März 2026 als erstes Land Südostasiens ein entsprechendes Verbot ein.
  • Kalifornien verabschiedete Ende Mai 2026 den Gesetzentwurf AB-1709 im Landtag einstimmig. Das Gesetz richtet sich gegen Plattformen mit sogenannten suchterzeugenden Funktionen. Der Senat berät derzeit. Kalifornien könnte mit seiner Bevölkerungsgröße einen faktischen nationalen Standard setzen.
  • Großbritannien erklärte Mitte Juni 2026, die Bereitstellung von Social-Media-Diensten für unter 16-Jährige zu verbieten. Betroffen sind Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X. Die Regelung soll im Frühjahr 2027 in Kraft treten und sieht Strafzahlungen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes vor.

Japan wählt einen anderen Ansatz. Das Innen- und Kommunikationsministerium legte im Juni 2026 einen Bericht vor, der eine striktere Altersverifikation durch die Anbieter fordert, ein pauschales Nutzungsverbot nach Alter aber als „nicht wünschenswert“ bezeichnete. Stattdessen setzt Japan auf die Etablierung von Filtern, Risikobewertungssystemen und die Förderung eines sicheren Nutzungsumfelds.

Wirksamkeit in der Praxis: Die australischen Erfahrungen

Die zentrale Frage bleibt: Lösen Verbote tatsächlich die Probleme? Australien liefert erste, ambivalente Erfahrungen. Über fünf Millionen Konten wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes gelöscht oder deaktiviert. Mehrere Umfragen aus dem März und April 2026 zeigen jedoch, dass über 60 Prozent der Jugendlichen, die bereits vor dem Verbot ein Konto besaßen, weiterhin Zugang zu den Plattformen finden. Methoden wie die Verwendung von Ausweisen der Eltern oder VPN-Dienste sind weit verbreitet.

Die australische Regulierungsbehörde eSafety Commission hat angekündigt, von der Überwachungs- in eine Durchsetzungsphase überzutreten. Rechtliche Schritte gegen fünf große Plattformen werden vorbereitet. Das Vorgehen zeigt: Ein Verbot ist nur der erste Schritt. Die wirksame Durchsetzung erfordert einen erheblichen technischen und rechtlichen Aufwand.

Die Pew-Daten aus den USA liefern einen wichtigen Indikator: Die Politik in den USA, aber auch in anderen Ländern, handelt nicht gegen den Willen der Bevölkerung. Die Zahlen bestätigen, dass die regulatorischen Maßnahmen zumindest mit der öffentlichen Meinung in den USA weitgehend übereinstimmen. Das bemerkenswerteste Detail der Umfrage ist nicht die 56-Prozent-Mehrheit, sondern die 63-Prozent-Zustimmung der 30- bis 49-Jährigen. Es ist die erste Generation, die die Wirkung von Social Media aus eigener Erfahrung kennt und nun als Eltern handelt. Ihr Votum ist kein Ausdruck von Unkenntnis, sondern das Ergebnis von Erfahrung. „Weil ich es weiß, will ich es stoppen“ – darin liegt das Gewicht dieser Zahl.

Quelle: Pew Research Center

Diesen Artikel teilen