AMD will von der nächsten großen KI-Welle profitieren und baut eine umfassende Plattform für Physical AI auf. Neben leistungsstarken Embedded-Prozessoren und Systemmodulen für Roboter gehören die passende Software und ein neu gegründetes Netzwerk aus Technologiepartnern dazu. Der Chiphersteller holt damit gegen den Platzhirsch Nvidia auf, der im Robotik-Sektor durch sein ausgereiftes Ökosystem derzeit die Nase vorn hat.
Physical AI: Die nächste Evolutionsstufe der Robotik
Unter Physical AI versteht AMD den Einsatz künstlicher Intelligenz in Robotern, die in der realen Welt agieren und sich an wechselnde Umgebungen anpassen können. Anders als generative KI oder agentische KI, die in Rechenzentren oder auf Endgeräten arbeiten, erfordert Physical AI eine enge Kopplung von Rechenleistung, Sensorik und Aktorik in Echtzeit. Die neuen Ryzen-AI-Embedded-Prozessoren und die Kria-AI-Plattform sind speziell auf diese Anforderungen zugeschnitten. AMD sieht hier einen der am schnellsten wachsenden Märkte für Halbleiter und will mit einer integrierten Hard- und Softwarelösung die Marktdurchdringung beschleunigen.
Das Robotics Partner Network: Ein Ökosystem für intelligente Maschinen
Hardware allein reicht nicht aus – das hat AMD aus dem Wettbewerb mit Nvidia gelernt. Deshalb hat das Unternehmen das Robotics Partner Network ins Leben gerufen. Dieses Netzwerk vereint Robotik-OEMs und ODMs wie Kontron, Congatec und Sapphire, Anbieter von KI-Modellen, Middleware- und Sensorhersteller, Systemintegratoren wie Rexroth sowie Industrieverbände. Ziel ist es, eine durchgängige Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur Integration zu schaffen. Die Partner erhalten frühzeitigen Zugang zu Referenzdesigns, Software-Development-Kits und technischem Support. Damit will AMD die Zeit bis zur Marktreife für neue Roboterplattformen deutlich verkürzen.
Kria AI: Die Hardware-Plattform für die Robotik der Zukunft
Das Herzstück der Physical-AI-Offensive ist die Kria-AI-Plattform. Sie besteht aus System-on-Modules (SOMs) mit dem Ryzen-AI-Embedded-X100-Prozessor, einer Robotics Carrier Card und der Kria AI Robotics Developer Platform als Entwicklungssystem. Der Ryzen-AI-Embedded-X100 ist ein Embedded-Ableger des Mobilprozessors Strix Halo und wird in Varianten mit 8, 12 oder 16 Zen-5-Kernen angeboten. Integriert sind zudem eine RDNAa-3.5-GPU mit 32 oder 40 Compute Units und eine XDNA-2-NPU mit 50 TOPS Rechenleistung. AMD gibt an, dass diese Kombination sowohl Nvidias Jetson Thor als auch die Embedded-Versionen von Intels Panther Lake übertrifft. Die SOMs sollen ab dem vierten Quartal 2026 über ODM-Partner verfügbar sein. Die Kria-AI-Plattform unterstützt gängige Robotik-Frameworks wie ROS 2, MoveIt, PyTorch und ONNX.
Software-Stack und Entwicklerwerkzeuge
Neben der Hardware legt AMD großen Wert auf ein offenes Software-Ökosystem. Die Kria-AI-Lösungen laufen mit der AMD Robotics Software Suite und dem ROCm-Software-Stack. Ein entscheidender Vorteil für Entwickler ist das Migrationstool HIPIFY. Es übersetzt CUDA-Code, der für Nvidia-GPUs geschrieben wurde, in portablen HIP-C++-Code. AMD verspricht, dass rund 75 Prozent des vorhandenen CUDA-Codes weiterverwendet werden können – ein wichtiger Hebel, um Wechselbarrieren zu senken. Die Kria AI Robotics Developer Platform wird bereits an ausgewählte Kunden ausgeliefert und soll noch im Laufe dieses Jahres allgemein verfügbar sein. Damit können Entwickler frühzeitig Anwendungen für die kommende Hardware-Generation optimieren.
Die Ankündigung von AMD markiert einen Wendepunkt im Markt für intelligente Robotik. Während Nvidia lange Zeit das Ökosystem dominierte, bietet AMDs Kombination aus leistungsstarker Embedded-Hardware, offener Software und einem wachsenden Partnernetzwerk eine echte Alternative. Für Unternehmen, die auf Physical AI setzen, eröffnet dies neue Freiheitsgrade bei der Auswahl der zugrunde liegenden Technologie. Entscheidend wird sein, wie schnell AMD die versprochene Performance in der Praxis bestätigen kann und ob das Partnernetzwerk die kritische Masse erreicht, um mit Nvidias etablierter Plattform gleichzuziehen. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, ob der Hersteller den Abstand verkürzen oder sogar zum führenden Anbieter für intelligente Robotik aufsteigen kann.