SAP und Fraunhofer starten ApeiroRA für souveräne Cloud-Edge

SAP und Fraunhofer starten das Open-Source-Projekt ApeiroRA für eine souveräne Cloud-Edge-Infrastruktur in Europa.

Das Open-Source-Projekt ApeiroRA zielt auf eine souveräne Cloud-Edge-Lösung für Europa ab.
Highlights
  • ApeiroRA setzt auf ein Cloud-Edge-Kontinuum, das Datenverarbeitung dezentral am Entstehungsort ermöglicht.
  • Das Projekt ist Teil der EU-Initiative IPCEI-CIS und fließt in die NeoNephos Foundation ein.
  • Digitale Zwillinge und KI optimieren den Energieverbrauch und fördern die Nachhaltigkeit der Cloud-Edge-Infrastruktur.

Ganze 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes werden von US-amerikanischen Tech-Riesen wie Microsoft, Amazon und Google dominiert. Wie riskant diese Abhängigkeit ist, hat US-Präsident Trump den Europäern in den letzten Monaten zur Genüge demonstriert. Sie gefährdet nicht nur den Datenschutz, sondern bremst auch die Innovationskraft und die regulatorische Kontrolle europäischer Unternehmen und Behörden – und über allem schwebt das Damoklesschwert, dass der Herr im Weißen Haus das Ganze mit einer seiner gefürchteten Executive Orders beenden könnte. Vor diesem Hintergrund starten SAP und die Fraunhofer-Institute für Software- und Systemtechnik (ISST) sowie für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) das Open-Source-Projekt ApeiroRA. Ziel ist eine souveräne Cloud-Edge-Lösung, die Europa aus der Umklammerung der Hyperscaler befreien soll.

Europa probt den Aufstand

Im Schatten der US-Übermacht formiert sich verstärkt Widerstand. So schlossen sich im Februar fünf der größten europäischen Telekommunikationsanbieter zusammen, um mit dem European Edge Continuum die erste föderierte Edge-Cloud des Kontinents als souveräne digitale Infrastruktur zu realisieren. Auch Schwarz Digits propagiert eine souveräne europäische Cloud. ApeiroRA ist Teil der EU-Initiative IPCEI-CIS (Important Project of Common European Interest – Cloud Infrastructure and Services). Die Ergebnisse des Projekts fließen direkt in die NeoNephos Foundation ein, die zur Linux Foundation Europe gehört. Auf diese Weise soll ApeiroRA zu einem frei verfügbaren Fundament für europäische Cloud-Lösungen werden.

Souverän durch Edge Cloud

ApeiroRA setzt auf das sogenannte Cloud-Edge-Kontinuum. Anders als bei zentralisierten Cloud-Systemen wandert die Datenverarbeitung direkt an den Rand des Netzwerks – dorthin, wo die Daten entstehen: der Turmfuß einer Windkraftanlage, ein Betriebshof oder eine Produktionshalle. Das verspricht minimale Latenzzeiten, weniger Bandbreitenbedarf und Analysen in Echtzeit. Ziel ist ein herstellerunabhängiges System, das zentrale Rechenzentren und dezentrale Cloud-Edges nahtlos zu einer einzigen, intelligenten IT-Infrastruktur verschmilzt. Arbeitslasten sollen dynamisch dorthin verlagert werden können, wo sie am effizientesten verarbeitet werden. Kurz gefasst: ApeiroRA entwickelt eine souveräne Open-Source-Plattform, die zentrale und dezentrale Cloud-Ressourcen zu einem einheitlichen Kontinuum verbindet und so die digitale Souveränität Europas stärkt.

Vertrauen als Trumpf

Ein weiterer zentraler Aspekt des Projekts ist das Vertrauen. Sicherheitsstrategien wie Zero Trust und Confidential Computing sollen sicherstellen, dass Identitäten und Zugriffe auch in komplexen Multi-Provider-Umgebungen geschützt bleiben. Dabei agieren unabhängige Systeme über offene Standards so zusammen, als wären sie eine einzige Plattform. Die Idee ist nicht neu: Bereits im Projekt 8ra arbeiten Partner wie Deutsche Telekom, T-Systems, IONOS, Bosch und Siemens an einer Bündelung europaweiter Netzwerke zur EU-Super-Cloud für die digitale Unabhängigkeit. ApeiroRA integriert diese Ansätze und erweitert sie um Edge-Komponenten.

Effizienz durch Digitale Zwillinge

Angesichts des Wassermangels und des Klimawandels achten die Beteiligten auch auf Ressourceneffizienz. Digitale Zwillinge optimieren den Energieverbrauch: Cloud-Services werden idealerweise dorthin verlagert, wo gerade erneuerbare Energie verfügbar ist. Eine KI-gestützte Betriebsführung senkt den administrativen Aufwand und analysiert Fehler autonom. So verbindet ApeiroRA Souveränität mit Nachhaltigkeit.

So sehr jede Initiative zur Stärkung der digitalen Souveränität Europas zu begrüßen ist – eine Frage bleibt: Droht die Gefahr, dass sich die Europäer angesichts der Marktmacht der US-Cloud-Player mit ihren zahlreichen Initiativen verzetteln? Am Ende könnten nur hehre Absichtserklärungen auf dem Papier übrig bleiben, weil die Anwender doch zu den Hyperscalern gehen, die dank ihrer Skalierung ein paar Cent günstiger sind. Souveränität und Abhängigkeit hin oder her – entscheidend wird sein, ob Projekte wie ApeiroRA nicht nur technisch überzeugen, sondern auch wirtschaftlich konkurrieren können.

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