Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage nach Druck der Kartellwächter

Apple überarbeitet die Anti-Tracking-Abfrage auf iPhones in der EU nach Druck der Kartellbehörden – eine Einigung mit Folgen für Entwickler und Nutzer.

Apple gleicht die Dialogfenster für Drittanbieter-Apps an und schafft abschreckende Symbole ab.
Highlights
  • Das Bundeskartellamt kritisierte die bisherige Abfrage als wettbewerbswidrig, weil Apple eigene Dienste bevorzugte.
  • Apple passt die Dialogfenster an, um laufende Verfahren in Deutschland und der EU gemeinsam beizulegen.
  • App-Entwickler erhalten künftig mehr Raum, um den Nutzen personalisierter Werbung zu erklären.

Apple überarbeitet die Anti-Tracking-Abfrage auf iPhones in Deutschland und der EU. Das Dialogfeld, das Apps anzeigen müssen, bevor sie Nutzer über App- und Website-Grenzen hinweg verfolgen dürfen, wird für Drittanbieter-Apps künftig neutraler gestaltet. Der Schritt folgt auf erheblichen Druck des Bundeskartellamts und weiterer europäischer Wettbewerbsbehörden.

Die Funktion ist als App Tracking Transparency bekannt und gehört seit Jahren zum iOS-System. Nun lenkt Apple offenbar ein, um mehrere laufende Verfahren in Europa gemeinsam beizulegen. Das Bundeskartellamt hatte die bisherige Ausgestaltung der Abfrage als wettbewerbsrechtlich problematisch eingestuft.

Warum Apple die Anti-Tracking-Abfrage anpasst

Im Zentrum des Streits steht die Ungleichbehandlung von Apple und Drittanbietern. Das Bundeskartellamt kam im Februar 2025 zu einer vorläufigen Einschätzung, nach der die Ausgestaltung der Funktion gegen Missbrauchsvorschriften verstoßen könnte. Die Behörde kritisierte, dass die strengen Anforderungen nur für andere App-Anbieter galten, nicht aber für Apple selbst.

Apple verweist zwar darauf, dass die eigenen Apps keine Daten in Anwendungen anderer Anbieter sammeln. Das Bundeskartellamt hielt dem jedoch entgegen, dass die Regeln den Konzern nicht daran hinderten, Daten aus dem App Store, der Apple ID oder angeschlossenen Geräten zu kombinieren und für Werbezwecke zu verwenden. Genau diese Asymmetrie machte die Abfrage aus Sicht der Wettbewerbshüter heikel.

Im Herbst 2025 hatte Apple deshalb gewarnt, es könnte sich gezwungen sehen, die App-Tracking-Abfrage auf iPhones in Deutschland und anderen europäischen Ländern ganz aufzugeben. Zu einer solchen Eskalation kommt es nun nicht. Stattdessen erklärte Apple, man habe mit dem Bundeskartellamt, den anderen europäischen Wettbewerbsbehörden und der EU-Kommission zusammengearbeitet, um Änderungen zu erarbeiten, die die verschiedenen Verfahren gemeinsam beilegen.

Die Kritik der Kartellwächter

Die Kartellwächter störten sich vor allem an der Gestaltung der Dialogfenster. Drittanbieter-Apps mussten Nutzer mit einer deutlich abschreckenderen Abfrage konfrontieren, während Apple selbst ähnliche Hürden nicht nehmen musste. Je einschüchternder ein Dialogfenster wirkt, desto seltener stimmen Nutzer zu. Das benachteiligt Anbieter, die auf personalisierte Werbung angewiesen sind, während Apple eigene Datenquellen uneingeschränkt nutzen kann.

Diese Schieflage verzerrt den Wettbewerb im App-Ökosystem. Insbesondere kleinere Entwickler und Publisher befürchteten Nachteile, weil ihre Werbeeinnahmen durch niedrige Zustimmungsraten sinken. Apples hauseigene Angebote waren davon nicht betroffen.

Welche Änderungen hat Apple vorgenommen?

Apple gleicht die Abfragefenster für eigene Angebote und Apps anderer Anbieter deutlich stärker an. Das Bundeskartellamt erklärte, dass abschreckend wirkende Symbole und Formulierungen in der von Apple vorgegebenen Abfrage für Drittanbieter entfallen. Die Abfragefenster werden inhaltlich, sprachlich und optisch neutral gestaltet. Zudem erhalten App-Herausgeber und Inhalteanbieter mehr Raum, um zu erläutern, welche Bedeutung personalisierte Werbung für ihr Geschäftsmodell hat.

Die Änderung zielt also nicht auf den Kern der Funktion ab, sondern auf ihre Darstellung. Die Frage nach der Erlaubnis bleibt bestehen, doch sie soll künftig weder unter Druck setzen noch in eine bestimmte Richtung lenken.

Was die Änderungen für Nutzer und Entwickler bedeuten

Die wichtigste Frage lautet, ob die neue Abfrage die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten schwächt. Das ist nicht der Fall. Die grundsätzliche Entscheidungshoheit bleibt vollständig erhalten. Geändert wird lediglich die Form: Die Dialoge erscheinen künftig neutraler und verzichten auf abschreckende Symbole oder Formulierungen.

  • Die Abfragefenster für Drittanbieter-Apps verlieren ihren einschüchternden Charakter.
  • Apple und Drittanbieter werden bei der Gestaltung deutlich stärker gleichbehandelt.
  • App-Entwickler und Inhalteanbieter erhalten mehr Raum, um den Nutzen personalisierter Werbung zu erklären.

Für Entwickler ist der zusätzliche Erklärraum ein spürbarer Vorteil. Sie können nun besser begründen, warum personalisierte Werbung zur Finanzierung ihres Angebots beiträgt. Ob sich dadurch die Zustimmungsraten tatsächlich erhöhen, hängt jedoch von der konkreten Umsetzung in den Apps ab. Entscheidend bleibt, wie überzeugend die Anbieter ihre Argumente präsentieren.

Wie es mit den Verfahren weitergeht

Die Einigung dürfte mehrere Baustellen in Deutschland und Europa schließen. Das Bundeskartellamt, die übrigen beteiligten Wettbewerbsbehörden und die EU-Kommission hatten die Entwicklung mit ihren Untersuchungen vorangetrieben. Mit der neuen Gestaltung der Abfragefenster verschwindet ein zentraler Stein des Anstoßes. Ob damit alle wettbewerbsrechtlichen Bedenken ausgeräumt sind, wird sich in der Praxis zeigen. Sollten weiterhin Ungleichheiten auftreten, könnten die Behörden erneut einschreiten.

Für Apple ist der Kurswechsel strategisch klug. Statt die Funktion in Europa aufzugeben, akzeptiert das Unternehmen regulatorische Vorgaben und sichert sich so die langfristige Kontrolle über das iOS-Ökosystem. Die Reform der Anti-Tracking-Abfrage ist damit ein Beispiel dafür, wie Wettbewerbsbehörden in Europa konkrete Änderungen an Produktoberflächen durchsetzen können. Für Nutzer bleibt die Kontrolle über ihre Daten weitgehend unangetastet – künftig jedoch in einer Form, die weder unter Druck setzt noch Apples eigene Dienste bevorzugt.

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