Die Kryptowährungsbörse Bitget hat die Bitcoin-Abhebungen wieder aufgenommen, die nach einem mutmaßlichen Angriff nordkoreanischer Hacker in der vergangenen Woche ausgesetzt worden waren. Bei dem Sicherheitsvorfall hatten die Angreifer nach aktuellen Angaben des Unternehmens Vermögenswerte im Wert von rund 387,5 Millionen US-Dollar erbeutet. Bitget betont, dass die Sicherheitslücke inzwischen geschlossen wurde und die Dienste für alle anderen unterstützten Assets und Netzwerke schrittweise wiederhergestellt werden.
Bitget nimmt Bitcoin-Abhebungen wieder auf: Zeitplan für weitere Assets
Der Austausch hat einen detaillierten Plan für die Wiederaufnahme der Auszahlungen veröffentlicht. Während Bitcoin bereits wieder abgehoben werden kann, folgen die übrigen Kryptowährungen und Netzwerke in den kommenden Tagen. Konkret sieht der Zeitplan wie folgt aus:
- ETH (Ethereum, BSC, Arbitrum, Base, Optimism): Wiederaufnahme am 29. September um 8:00 UTC
- USDT (Ethereum, BSC, Solana, Tron): Wiederaufnahme am 30. September um 8:00 UTC
- Andere Token, Fiat- und P2P-Assets: Start ab dem 2. Oktober um 8:00 UTC
Das Unternehmen stellte klar, dass die vorübergehende Aussetzung der Abhebungen eine reine Sicherheitsmaßnahme war und nicht auf eine Beeinträchtigung der Nutzerguthaben hindeutet. Die Kontostände der Nutzer seien in keiner Weise betroffen, und der hauseigene Schutzfonds von Bitget decke die finanziellen Auswirkungen des Vorfalls vollständig ab. Die Vorfälle seien eingedämmt, weitere unbefugte Transaktionen seien nicht möglich. Handel und Einzahlungen funktionieren während des gesamten Prozesses weiterhin.
So konnte der Angriff auf Bitget gelingen
Die Sicherheitssysteme der Börse hatten am vergangenen Donnerstag mehrere unbefugte Transaktionen von einer begrenzten Anzahl an Krypto-Wallets gemeldet. Bei der anschließenden Untersuchung stellte sich heraus, dass Angreifer insgesamt 351,6 Millionen US-Dollar aus den sogenannten Hot- und Warm-Wallets der Plattform abgezogen hatten. Diese Summe wurde am Freitag nach weiteren On-Chain-Analysen auf 387,5 Millionen US-Dollar korrigiert, die auf kontrollierte Adressen der Angreifer transferiert wurden.
Bitget-CEO Gracy Chen machte in einer ersten Stellungnahme nordkoreanische Hacker für den Vorfall verantwortlich. Als Belege nannte sie On-Chain-Analysen und Muster bei den IP-Adressen. Die Angreifer hätten laut Chen ein kritisches Backend-System innerhalb der Bitget-Wallet-Infrastruktur kompromittiert. Über dieses System sei es ihnen gelungen, Transaktionsdaten zu manipulieren und den Autorisierungsprozess der Börse auszulösen, um Gelder aus den kompromittierten Wallets abzuziehen. Betroffen waren die Chains Ethereum, XRP Ledger, Arbitrum, Avalanche, Optimism, BSC und Base. Unter den gestohlenen Vermögenswerten befanden sich neben ETH, XRP, BNB, AVAX und USDT auch USDC sowie weitere Token.
Belohnungsprogramm zur Wiederbeschaffung der Gelder
Neben der technischen Aufarbeitung hat Bitget ein sogenanntes Recovery Bounty Program ins Leben gerufen. Das Unternehmen bietet eine Belohnung von fünf Prozent für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung oder zum Einfrieren der gestohlenen Gelder führen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Zusammenarbeit mit Sicherheitsforschern und der breiteren Krypto-Community zu fördern, um die Vermögenswerte im Falle einer Weiterleitung oder eines Abflussversuchs schneller zu identifizieren.
Zunehmende Bedrohung durch staatlich geförderte Hacker
Die Attacke auf Bitget reiht sich ein in eine Serie von Großangriffen, die staatlich geförderten Gruppen aus Nordkorea zugeschrieben werden. Der bisher größte dokumentierte Krypto-Diebstahl betraf die Börse Bybit, bei dem die Angreifer Anfang 2025 rund 1,5 Milliarden US-Dollar aus einer ETH-Cold-Wallet entwendeten. Die US-Bundespolizei FBI bestätigte damals die Beteiligung der Lazarus-Gruppe. Das britische Analyseunternehmen Elliptic schätzte im Februar 2025, dass nordkoreanische Hacker seit 2017 insgesamt mehr als sechs Milliarden US-Dollar an Krypto-Vermögenswerten gestohlen haben.
Die wiederkehrenden Erfolge dieser Angriffe verdeutlichen ein strukturelles Problem der Branche: Hot Wallets, die für den laufenden Betrieb zwingend erforderlich sind, bleiben ein bevorzugtes Ziel, da sie direkt über das Internet erreichbar sind. Der Fall Bitget zeigt jedoch auch, wie wichtig schnelle Reaktionsmechanismen sind. Die sofortige Aussetzung der Abhebungen verhinderte offenbar einen noch größeren Schaden. Für Börsenbetreiber dürfte die zentrale Lehre lauten, Backend-Systeme einer noch strengeren Überwachung zu unterziehen und Transaktionsautorisierungen durch zusätzliche, unabhängige Prüfinstanzen abzusichern. Die Wiederaufnahme des Betriebs ist zwar ein positives Signal, die kommenden Wochen werden aber zeigen, ob das Belohnungsprogramm Früchte trägt und ob das Vertrauen der Nutzer in die Plattform nachhaltig wiederhergestellt werden kann.