Boehringer Ingelheim transferiert Innovationen aus BI X in die Fachabteilungen

Boehringer Ingelheim setzt auf personellen Wissenstransfer aus BI X, um digitale Innovationen nachhaltig im operativen Geschäft zu verankern.

Highlights
  • Entwickler digitaler Anwendungen wechseln regelmäßig aus BI X direkt in die Fachabteilungen, um ihre Prototypen global zu skalieren.
  • Eine automatisierte Lösung für die Arzneimittelsicherheit wurde zum globalen Industriestandard und an einen externen Partner verkauft.
  • KI wird bei Boehringer Ingelheim nicht um ihrer selbst willen eingesetzt, sondern nur bei klarem Nutzen für spezifische Forschungsprobleme.

Boehringer Ingelheim setzt beim Innovationstransfer aus seinem digitalen Inkubator BI X auf einen ungewöhnlichen Hebel: Nicht nur Technologie wechselt in die Fachabteilungen, sondern häufig auch die Erfinder selbst. Diese personelle Infusion soll verhindern, dass digitale Prototypen im Laborstadium stecken bleiben, und stattdessen ihre globale Skalierung im operativen Geschäft sichern. Der Konzern verfolgt damit eine Strategie, die Innovationen nachhaltig in der Wertschöpfungskette verankert.

BI X als Inkubator für den Wissenstransfer

Besonders deutlich wird dieses Vorgehen beim Transfer konkreter Lösungen. Das Digitallabor BI X übergibt nicht nur Technologie, sondern auch die Köpfe dahinter. Die Entwickler digitaler Anwendungen wechseln regelmäßig aus dem Labor direkt in die Fachabteilungen, um ihre Prototypen global zu skalieren und dauerhaft im Tagesgeschäft zu verankern. Drei Initiativen illustrieren, wie dieser Anspruch in der Praxis aussieht.

Eine der frühen Innovationen automatisierte einen stark regulierten internen Prozess in der Arzneimittelsicherheit – mit tausenden manuellen Fällen pro Woche. Die Lösung wurde skaliert und schließlich an einen externen Partner verkauft. Heute läuft sie als globaler Industriestandard. Zwei weitere Initiativen setzen in der Antikörperforschung an: Ein Modell filtert aus tausenden Kandidaten die vielversprechendsten heraus, ein zweites optimiert sie gezielt weiter. Der Anspruch bleibt derselbe – aus der kühnen Idee wird der Standard.

Der KI-Hype und der Umgang damit bestimmen derzeit die Schlagzeilen. Auch in der Arzneimittelforschung bei Boehringer Ingelheim nimmt KI eine zentrale Rolle ein. Gleichzeitig geht man sehr pragmatisch mit ihr um. Für das Team rund um den Manager Tressel ist KI kein neues Phänomen, sondern bereits seit Jahren tägliches Brot.

KI: „Tägliches Brot“ statt leerem Hype

Dementsprechend differenziert ist der Umgang mit der Technologie. KI wird nicht um ihrer selbst willen eingesetzt. Tressel warnt davor, dem aktuellen Hype zu verfallen, und legt Wert darauf, sich primär am konkreten Problem in der Forschung oder Entwicklung zu orientieren. Für ihn ist KI nur ein Werkzeug unter vielen, dessen Einsatz durch einen klaren Nutzen für ein spezifisches Problem gerechtfertigt sein muss. Dieses Verständnis fasst er in vier Prinzipien zusammen:

  • Problem- statt Technologieorientierung: Der Ausgangspunkt ist stets die fachliche Herausforderung, nicht die Verfügbarkeit einer bestimmten KI-Methode.
  • Fokus auf spezialisierte Bereiche: KI wird gezielt in Kernbereichen wie Humanpharma und Biopharmazeutika eingesetzt, wo sie den größten Mehrwert liefert.
  • KI als Werkzeug: Die Technologie ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um konkrete Engpässe zu überwinden.
  • Klarer Nutzen vor Einsatz: Jede KI-Anwendung muss nachweislich ein spezifisches Problem lösen – erst dann wird sie entwickelt oder skaliert.

Diese Prinzipien prägen auch die Arbeit von BI X. Indem die Erfinder der Lösungen mit in die Fachabteilungen wechseln, stellen sie sicher, dass der Nutzen nicht abstrakt bleibt, sondern im operativen Betrieb messbar wird. Der personelle Wissenstransfer ergänzt die technologische Übergabe und schafft eine direkte Rückkopplungsschleife zwischen Labor und Linie.

Für Boehringer Ingelheim ist dieser Ansicht zufolge der Innovationstransfer kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Kreislauf. Die Kombination aus spezialisierten KI-Lösungen, pragmatischer Technologieauswahl und personeller Verankerung erzeugt einen Mehrwert, der weit über einzelne Projekte hinausreicht. Langfristig dürfte diese Strategie dazu beitragen, dass digitale Innovationen im Pharmasektor nicht nur entwickelt, sondern tatsächlich zum Standard werden – genau dort, wo sie Patienten und der Forschung nutzen.

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